"Endlich mal ein freundliches Gesicht"

Baldham - Seit einigen Tagen ist das Leben für S-Bahnkunden aus Baldham wieder etwas leichter: Endlich können sie sich am wiedereröffneten Kiosk wieder mit Zeitungen, Kaffee und frischem Gebäck versorgen.

Nur MVV-Fahrkarten gibt es dort bislang (noch) nicht. Mit der Pacht des Baldhamer Bahnhofskiosk hat sich der Vaterstettener Michael Moosmüller einen Traum erfüllt: "Ich kenne den Kiosk seit meiner Kindheit und seit es hier in den letzten Jahren immer wieder Turbulenzen gab, wollte ich hierher!"

Zuvor betrieb Moosmüller mit seiner Frau Karin einen Schulkiosk in München. Als der Baldhamer Bahnhofskiosk im Januar wegen einer Krankheit des damaligen Pächters längere Zeit geschlossen war, fragte Moosmüller zum ersten Mal bei Gemeinde und Deutscher Bahn (DB) an. Vergebens. Im Mai wurde er wieder vorstellig, doch so recht wusste damals niemand, was mit dem Kiosk geschehen sollte. Schließlich plant die Gemeinde, auf dem DB-Grundstück ein Gebäude für Kino und Volkshochschule zu errichten. Dann würde der jetzige Kiosk abgerissen und eine neue Verkaufsstelle im Kino-Gebäude eingerichtet.

Doch das ist noch Zukunftsmusik und bis dahin braucht Baldham einen Bahnhofskiosk, findet nicht nur Moosmüller. Jetzt hat er endlich den Pachtvertrag erhalten und zunächst mal ordentlich renoviert: "14 Tage lang haben wir nur geputzt!", berichtet seine Frau. Auf eigene Kosten wurde der kleine Raum neu tapeziert, es kamen zwei Sitzgruppen hinzu und es entstand ein Ambiente, in dem man sich wohlfühlen kann. Außen prangt zwar noch immer Graffiti an den Wänden, doch Moosmüller plant schon den Außenanstrich: "Aber erst, wenn ich weiß, dass das hier noch eine Weile Bestand hat. Für die Abrissbirne brauche ich nicht zu malern!"

Momentan wartet er vor allem sehnsüchtig auf die Lizenz zum Verkauf der MVV-Fahrkarten. "Seit Wochen werde ich von der DB vertröstet", ärgert sich der engagierte Mann und ergänzt: "Aber ich habe Sturheit und Ausdauer - und Ideen!" Für die Schüler möchte er einen Imbiss anbieten, eine Art Schultüte mit Getränk, Gebäck und Obst zu erschwinglichen Preisen. Seinen Hauptumsatz macht er derzeit mit Zeitungen, Zigaretten und Kaffee zum Mitnehmen.

Und die Freundlichkeit gegenüber den Kunden hat sich schon herumgesprochen: "Endlich einmal ein freundliches Gesicht hier!", freute sich etwa eine alte Dame - obwohl Moosmüller auch ihr keine Streifenkarte verkaufen konnte.

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