Gedränge vor dem Schulbus: Schüler in Grafing steigen in den Schulbus der Linie 3. Die Sitz- und Stehplätze des Busses seien ausreichend, sagt ein Mitarbeiter des Landratsamts. Einigen Eltern ist der Bus zu voll.
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Gedränge vor dem Schulbus: Schüler in Grafing steigen in den Schulbus der Linie 3. Die Sitz- und Stehplätze des Busses seien ausreichend, sagt ein Mitarbeiter des Landratsamts. Einigen Eltern ist der Bus zu voll.

„System lebt von der Maskenpflicht“

Volle Schulbusse im Landkreis Ebersberg: Sorge vor Corona-Infektionen

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Eltern sorgen sich über die Ansteckungsgefahr auf dem Schulweg. Der Landkreis hat sieben Verstärker-Busse eingesetzt. „Da läuft was schief“, sagt eine Mutter.

Landkreis – Alexandra Griener aus Glonn versteht die Welt nicht mehr. Ihr Sohn geht in die fünfte Klasse des Gymnasiums in Grafing. Seine Wahlfächer sind ausgefallen, weil dafür verschiedene Klassen hätten zusammengemischt werden müssen, sagt die 43-Jährige. Die Corona-Regeln in Schulen sind streng. „Im Schulbus stehen aber alle Kinder aus unterschiedlichsten Klassen und Jahrgangsstufen dicht gedrängt“, berichtet die Mutter. Einige Kinder würden sich den Mund-Nasenschutz abnehmen, weil es sich im Gedränge nicht gut atmen ließe. „Da läuft doch was schief.“

Maskenpflicht im Klassenzimmer, strenge Hygieneregeln, schnell angeordnete Quarantäne für Kontaktpersonen: Schulen und Kultusministerium nehmen die Corona-Pandemie ernst. Aber dicht gedrängte Kinder und Jugendliche stehen in und vor Schulbussen, teils ohne Maske. Wie passt das zusammen?

Wenn der Bus ankommt, ist es viel zu voll

Grieners Sohn steigt jeden Werktagsmorgen im Glonner Ortsteil Wetterling in den Schulbus, Linie 3. In Wetterling stünden die Schüler bereits im Gang des Busses, im Türbereich säßen viele am Boden, berichtet sie. Bis zum Gymnasium in Grafing sind es neun Stationen. Griener ist sich sicher: Wenn der Bus an der Endstation ankommt, ist er viel zu voll. „Ich bin total für die Corona-Maßnahmen“, sagt sie. Nur, dann sollten sie überall gelten.

Hubert Schulze weiß über die Situation in den Landkreisschulbussen Bescheid. Er ist Leiter des Bildungsreferats im Ebersberger Landratsamt. Seine Mitarbeiter fahren Haltestellen ab oder setzen sich gleich selbst in den Schulbus. Sie kontrollieren die Belegung in den Bussen.

Landratsamt: „Die Personenbelegung der Schulbusse stimmt“

„Die Personenbelegung der Schulbusse stimmt“, sagt Schulze. Die Gesamtauslastung der Sitz- und Stehplätze in den Bussen sei unter 80 Prozent, sagt er. Ist die Belegung über 80 Prozent, müsse zusätzlich ein Verstärker-Bus fahren. Auf einigen Linien sei dies auch geschehen: Sieben Busse verstärken momentan den Normalverkehr.

Für die Linie 3 gibt es keinen Verstärker. Das subjektive Empfinden mancher Eltern sei, dass es zu eng ist. Die Sitz- und Stehplätze auf dieser Linie würden aber ausreichen. Zwei Probleme gebe es dennoch: Schüler sammeln sich an den Türen, einige Kinder und Jugendliche steigen in Busse, die nicht für sie vorgesehen seien.

Selbst wenn Geld keine Rolle spielen würde – die Kapazitäten im Landkreis seien begrenzt, berichtet Schulze. Es gebe schlicht nicht genügend Busse und Fahrer, um mehr Verstärker einzusetzen.

Schulze: „Das System lebt von der Maskenpflicht“

Die Regeln in der Schule und im Bus seien jedenfalls identisch, sagt Schulze. Wo der Mindestabstand nicht möglich ist, gilt die Maskenpflicht. Mögliche Kontaktpersonen könnten über die Fahrkartenbeantragung identifiziert werden. So wisse das Landratsamt, welcher Schüler welche Linie nutze. Das gelte aber nur für untere Jahrgänge, bei den oberen funktioniere das nicht.

Für stark ausgelastete Linien kommen Verstärker zum Einsatz. Andere Lösungen gebe es nicht, sagt Hubert Schulze. „Das System lebt von der Maskenpflicht.“ Das den Schülern klarzumachen, sei Sache der Eltern.

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