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Esterl zur Energiewende: Inzwischen bin ich radikal

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Martin Esterl
will sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Foto: kn
Martin Esterl will sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Foto: kn

Glonn - Bei dem mit dem Atom-ausstieg verbundenen Einstieg in die regenerativen Energien dürfe man sich nicht von einer Handvoll Gegnern ins Bockshorn jagen lassen. Das ist der Tenor des Besuchs der SPD-Landtagsabgeordneten Adelheid Rupp bei Glonns Rathauschef Martin Esterl.

Esterls Kommune war im Landkreis die erste, die sich der Energiewende verschrieben hat. Entsprechende Erfolge kann die kleine Marktgemeinde längst vorweisen. Sie hat aber auch ihre Erfahrungen gemacht. „Ich kann nicht die Mehrheit von 95 Prozent der Befürwortern solcher Vorhaben ignorieren“, lautet Esterls Bilanz der Glonner Auseinandersetzungen um das Heizkraftwerk an der Zinneberger Straße. Der Gemeindechef will dies auch auf die derzeitige Diskussion über den von Green City Energy projektierten Windpark am westlichen Rand des Ebersberger Forstes bezogen wissen. „Die Politik muss deutlich sagen, was für die Unabhängigkeit von fossilen und atomaren Brennstoffen notwendig ist“, meint der Rathauschef, dessen Gemeinde die Energiewende schon 2020 geschafft haben will.

Natürlich gelte es, dabei möglichst viele Bürger mitzunehmen, meinte die Grafinger Landtagsabgeordnete. Doch dürfe man im notwendigen Abwägungsprozess nicht nur die lauten Stimmen einer Handvoll von Gegnern überbewerten, sagte Rupp und fand sich im Einklang mit ihrem Parteifreund Esterl, der auch einer der Stellvertreter des Ebersberger Landrats ist. „Die Politik muss Bedenken ernst nehmen. Sie muss aber als richtig erachtete Notwendigkeiten für die Zukunft zulassen und dann auch durchsetzen“, lautete Rupps Credo. Sie appelliert an die Entscheidungsträger in den Gemeinden Anzing, Vaterstetten und Zorneding, möglichst ohne Vorbehalt das Vorhaben von Green City Energy zu unterstützen. „Denn es geht auch um ein politisches Signal.“

Esterl hält deshalb auch wenig von der vom Landkreis angesetzten Informationsveranstaltung zum Windparkprojekt von Green City Energy und einer Fahrt zu vergleichbaren Windrädern in der Oberpfalz. „Ich bin da inzwischen radikal. Man muss deutlich sagen, was notwendig ist.“ Das hat Esterl nicht nur beim Aufbau des Nahwärmenetzes für das Wetterlinger Baugebiet gemacht. Sondern besonders auch beim lautstark vorgetragenen Widerstand von Anliegern gegen das Heizkraftwerk an der Zinneberger Straße. Das ist seit November 2009 in Betrieb und hat ein Potenzial, um ein Drittel des Kernorts Glonn, Schule und Rathaus, aber auch das Marienheim und die Zinneberger Einrichtungen sowie den Pfarrhof und den neuen Kindergarten mit Wärme versorgen zu können. Dass durch das 2,5 Kilometer lange Leitungsnetz heißes Wasser gepumpt werden kann, ist erst nach einem Bürgerentscheid, mehreren Prozessen und einer Normenkontrollklage möglich geworden. „Das war die Sache wert“, blickt Esterl zufrieden zurück.

Auch Sebastian Henghuber, Prokurist der MWG Biomasse AG, einer Gesellschaft aus Waldbauern und zwei Maschinenringen, die das Heizkraftwerk an der Zinneberger Straße betreibt, erinnert sich an die damalige Diskussion, die teilweise weit unter die Gürtellinie gegangen sei. „So etwas aber steht man durch“, bilanziert Esterl. „Die meisten, die damals beim Protest mitgeschwommen sind, haben die Anlage inzwischen akzeptiert“, ist Henghubers Eindruck. Mit den Wortführern habe man inzwischen ein gutes Verhältnis. In Sachen Windenergie weiß Henghuber deshalb nur ein Rezept: „Nämlich kämpfen für die gute Sache.“ Deshalb liebäugele auch die MWG in der Region mit einem Windenergieprojekt. „Wir sind aber noch in der Findungsphase.“ Unsicherheit gebe es da nämlich auch wegen der angekündigten Novellierung des Energieeinspeisungsgesetzes. Nicht nur da will die Landtagsabgeordnete tätig werden. Sie sieht auch Handlungsbedarf bei der Verteilung der Gewerbesteuer. Vor Ort gewonnene Wertschöpfung müsse auch dort bleiben. Die Gründung von Gemeindewerken sei der richtige Weg. „Damit das Geld auch an Ort und Stelle bleibt, wie bei uns“, sekundierte Esterl, der aber den umweltpolitischen Aspekt nicht aus dem Blick verlieren will. Das Heizkraftwerk an der Zinneberger Straße, das mit sogenanntem Waldrestholz betrieben wird, ersetze immerhin jedes Jahr 700 000 Liter Heizöl. ez

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