Rotraut Acker , Museumsleiterin in Grafing, geht zum 31. Januar, in den Ruhestand. Foto: sro

Ewiger Kampf für "unser Haus"

Grafing - Was wäre das Museum der Stadt Grafing ohne seine Leiterin Rotraut Acker? Fast 20 Jahre lang hat sich die Volkskundlerin für „ihr“ Museum eingesetzt. Jetzt ist es Zeit Abschied zu nehmen: Rotraut Acker geht in den Ruhestand.

Es begann 1991. Rotraut Acker trat bei der Stadt Grafing eine halbe Stelle an, um sich um das örtliche Heimatmuseum zu kümmern. Das, was sie damals vorfand, hat nicht viel mit dem zu tun, was die Grafinger heute so sehr schätzen: Ein richtiges Museum mit regelmäßigen Öffnungszeiten, einer überregional beachteten Sammlung und vielen pädagogisch spannend aufbereiteten Sonderausstellungen. Das, was man großspurig und völlig übertrieben „Museum“ nannte, befand sich im Werkstattgebäude des Rieperdinger-Anwesens. Ein Sammelsurium voller unentdeckter Schätze. „Mindestens 8000 Objekte“, rechnet Rotraut Acker vor, „habe ich in all den Jahren inventarisiert, fotografiert und in die Datenbank eingegeben.“ Eine „Schatzkiste“ , von der auch Nachfolger Bernhard Schäfer profitieren wird.

„Das Depot ist voll“, sagt Rotraut Acker, die in ihrem mit Akten und Objekten vollgestopften Büro im Hinterhaus bis heute fast jeden Tag Besuch von Grafingern bekommt, die in Kellern oder auf Speichern irgendwelche Gegenstände gefunden haben, die sie jetzt dem Museum überlassen wollen.

Einige davon stehen noch immer im Büro herum. Wie die drei halbvollen Weinflaschen. „Die haben wir im Keller des Rieperdinger Hauses gefunden. Das war wohl mal Brennnesselwein“, erinnert sich Rotraut Acker. „Nicht trinkbar. Leider.“

Das Rieperdinger-Haus, die Villa an der Bahnhofstraße, die die Stadt Grafing einst geerbt hat, „hier gehört das Museum ’rein“: Rotraut Acker kämpfte gemeinsam mit dem Förderverein dafür. Am Ende gab es doch noch grünes Licht von der Stadt. Das Haus wurde von Grund auf saniert und endlich konnte die Museumschefin statt behelfsmäßig in der Stadtbücherei eigene Ausstellungen in „ihrem“ Stadtmuseum gestalten. „Das Museum“, so ihr Anliegen, „sollte und soll ein Ort des Miteinanders sein.“ So hat sie mit Akribie und immer pädagogisch wertvoll, aber ungewöhnlich unterhaltsam, zahllose Ausstellungen gestaltet. Natürlich sollten diese auch belehren. Aber: „Man macht doch solche Sachen nicht allein für die Wissenschaft. Ich wünsche mir nur, dass alle Grafinger sagen: Das Museum, das ist unser Haus!“ Dass es ihr gelungen ist, die Menschen anzusprechen, zeigt die Besucherzahl. Besonders freut sie sich über die unzähligen Grafinger und Schulklassen, die im Laufe der Jahre die Ausstellungen besucht haben.

Kultur kostet aber Geld und spielt – fast – keins ein. Ein ewiger Kampf. Ständig Bittgänge bei der Stadt und bei privaten Förderern. Viel hat der Förderverein auf die Beine gestellt.

Dann sind da aber noch die Besucher, die im kleinen Shop einkaufen. „Alles selbstgemacht“, sagt Rotraut Acker. Lesezeichen, Streichholzschachteln, Klöppelarbeiten, Christbaumsterne, Marmorkugeln, Scherenschnitte. „Am besten gehen heuer die Taschen. Ich bin mit dem Nähen gar nicht mehr nachgekommen.“

Und nun? „Es gibt ein Leben außerhalb des Museums“, sagt Rotraut Acker. Familie, vielleicht auch die lang ersehnte Reise für ein Jahr nach Siebenbürgen. „Mal sehen, was sich so ergibt.“

Am 25. Februar verabschiedet Bürgermeister Rudolf Heiler Rotraut Acker offiziell aus ihrem Amt.

Von Sabine Heine

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