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Familie Huth kehrt Zorneding Mitte August den Rücken: Ihre Reise sei kein ewiger Urlaub, sagen sie. Es sei eine Lebensreise, die vor allem ihnen als Familie Zeit bringen soll. Die fehle in der heutigen Zeit oft im durchgeplanten Alltag. 

Ein Lebenstraum 

Diese Familie aus Zorneding reist mit dem Wohnmobil um die Welt – vielleicht für immer

Es ist die Reise ihres Lebens. Ohne zeitliche Grenze. Familie Huth, Lysann und Mathias (42) und ihre Kinder Talia (6) und Arwin (12), geben ihr Leben in Zorneding komplett auf. Ab August leben sie zu viert in einem Wohnmobil. 

Zorneding – Mathias Huth (42) sitzt gemeinsam mit seiner Tochter Talia im Behandlungszimmer ihrer Zahnärztin in Zorneding: Sie schaut die Zähne von Talia an und sagt: „Sechs Jahre bist du, dann kommst du im September in die Schule.“ Talia sagt: „Nein! Ich gehe auf Weltreise.“ Die Zahnärztin ist irritiert, blickt zu Mathias Huth. Der nickt. „Ja, stimmt.“ Familie Huth geht auf Weltreise: Mama Lysann (42), Papa Mathias und ihre Kinder Arwin (12) und Talia. Und zwar so lange, wie sie Lust haben. Vielleicht für immer. Talia sitzt auf dem Zahnarztstuhl und grinst.

Die Gesichte von Familie Huth mag für manche verrückt klingen. Für andere ist sie wie ein Traum, den sie sich selbst gerne erfüllen würden. Alles beginnt am 26. Januar 2017 mit einem Online-Artikel. „Mein Mann hat mir einen Text über eine argentinische Familie geschickt, die seit 17 Jahren auf Weltreise ist“, sagt Lysann Huth. Sie ist gefesselt von der Vorstellung, hat „ein Kribbeln im Bauch“. Das Reisen war schon immer eine Leidenschaft von Familie Huth. Mathias Huth hat bereits ein halbes Jahr in Nigeria gelebt, seine Frau in Südkorea.

Hausflohmarkt: Vom Reihenhaus in das Wohnmobil

Fernweh sei ein ständiges Gefühl in ihrem Leben in Zorneding, wo sie sich die vergangenen vier Jahr pudelwohl in ihrem Reihenhaus gefühlt haben. Das soll sich ändern. Im August geben sie ihren Haustürschlüssel ab und tauschen 140 Quadratmeter gegen ein Wohnmobil ein, neun Meter lang, 1,5 Meter breit. Am heutigen Samstag und morgigen Sonntag veranstalten sie einen Hausflohmarkt von 10 bis 17 Uhr in der Lindenstraße 106 in Zorneding, um alle Sachen, die sie nicht mehr brauchen, loszuwerden. Geschirr, Hemden, Spielzeug. Nur das Nötigste soll mit in das Wohnmobil. Die Kinder können je eine kleine Umzugskiste mit Lego, Playmobil und Kuscheltieren füllen. Sie sind begeistert vom Plan ihrer Eltern. Die sagen: Mit der Reise haben wir viel mehr Zeit füreinander als jetzt, als Familie, als Team.

Wohnmobil statt Reihenhaus. Dieses neun Meter lange Gefährt ist die Zukunft der vierköpfigen Familie.

Januar 2017: Lysann Huth liest den Text über die argentinische Familie immer und immer wieder, recherchiert, wie eine Weltreise abläuft, wie es finanziell ausschaut. Am Abend kommt ihr Mann nach Hause, sie „überfällt“ ihn, sagt: „Ich will das machen.“ Doch: „Er hat 1000 Einwände.“ Er ist Abteilungsleiter bei Bosch, Lysann Huth ist im Bereich Marketing und Produktmanagement tätig. Jobs aufgeben? Doch wovon leben? Und was ist mit den Kindern und ihrer schulischen Ausbildung?

Das Paar beginnt nach Lösungen zu suchen. „Geheim“, erzählt Lysann Huth. Niemand sollte von den Plänen erfahren, „solange sie nicht konkret sind“. „Wenn die Kinder im Bett waren, haben wir die Zukunft im Wohnmobil geplant“, sagt die 42-Jährige. Das über Monate geheim zu halten, habe sich nicht immer gut angefühlt, vor allem gegenüber den besten Freunden und den Kindern.

Die Kinder will die Mutter selbst unterrichten

Im Sommer 2017 leihen sie sich einen Wohnwagen aus und fahren damit für einige Wochen nach Schweden. „Es sollte ein Test sein, ob ein Leben auf engstem Raum möglich ist“, erzählen sie. Am Ende der Reise wissen sie: Ja, das geht. Projekt X, wie sie es nennen, ihre Weltreise ist beschlossen. In einem Tagebuch haben beide ihren Plan, alles, was sie erlebt haben, zu Papier gebracht und als Buch veröffentlicht. Die Familie, die Eltern und Großeltern in Thüringen und Sachsen-Anhalt, bekommen einen Videobotschaft, schlucken erst mal. Von Zorneding einmal um die ganze Welt, heißt das Motto. Die Kinder will Lysann Huth ab September selbst unterrichten. Talia, die dann eingeschult würde, hat schon deutsches Schulmaterial, das ihre Mama mit ihr durchpauken will.

Arwin verlässt das Gymnasium. Er soll sich mit digitalen Medien selber bilden. Ein Experiment, das funktioniert, da ist sich die Familie sicher. Das Reisen, die fremden Kulturen sollen die Kinder die nötige Bildung ermöglichen. Sprachen sollen sie vor Ort lernen, als erstes Französisch, denn in Frankreich startet das Projekt Mitte August. Nur in wenigen Ländern wie in Deutschland gebe es Schulpflicht; Bildungspflicht sei in vielen anderen Ländern angesagt. Lysann und Mathias Huth wollen von „unterwegs“ arbeiten, sie sind nun beide selbstständig, müssen so Geld verdienen. Auf ihrem Blog kann man die Familie auf ihrer Reise begleiten.

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