Gesundheitliche Gründe

Fauth tritt zurück: Die Erklärung im Wortlaut

Landkreis - Die Erklärung erreichte die Redaktion pünktlich um 11 Uhr. Per E-Mail. Wie versprochen. Auf zwei Din-A-4-Seiten erklärt Landrat Gottlieb Fauth (56) seinen Rücktritt. Aus gesundheitlichen Gründen.

„Ich habe heute meine Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit bei den Mitgliedern das Kreistags beantragt“, schreibt der CSU-Politiker, der am Abend zuvor gemeinsam mit seiner Frau Susanne noch an der Einheits-Feier der CSU in der Grafinger Stadthalle teilgenommen hatte. Sein seit 2005 angeschlagener Gesundheitszustand habe sich im Juli 2012 noch einmal erheblich verschlechtert. „Nach meiner persönlichen Auffassung bin ich nunmehr bedauerlicherweise nicht mehr in der Lage, meine Dienstpflichten als Landrat vollschichtig nachzukommen“.

Fauths Antrag auf Versetzung in den Ruhestand wird der Kreistag in seiner nächsten Sitzung am 15. Oktober behandeln. Zuvor muss sich der Vaterstettener, der seit 2002 im Amt war, amtsärztlich untersuchen lassen. Denn nur ein Amtsarzt kann letztlich über die Dienstfähigkeit entscheiden.

Der scheidende Landrat bedankte sich ausdrücklich bei seinem Vize, Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer, „der mich während meiner krankheitsbedingten Abwesenheiten stets bestens vertreten hat“.

CSU-Kreisvorsitzende Angelika Niebler, eine enge Vertraute Fauths, sagte, sie gehe davon aus, dass der Kreistag das Verfahren am 15. Oktober einleiten werde und das amtsärztliche Gutachten bis Ende November vorliege. In Anbetracht dessen „besteht für den Kreisvorstand und die Kreistagsfraktion der CSU aus meiner Sicht keine Veranlassung, sofort in eine Nachfolgediskussion einzutreten. Erst sind nun die Amtsärzte am Zuge!“

Niebler sprach Fauth ihre große Anerkennung dafür aus, „dass er gegen seine schwere Krankheit so tapfer ankämpft, nie kapituliert hat und jetzt die Kraft zu einer klaren Entscheidung gefunden hat“. Vaterstettens Bürgermeister Robert Niedergesäß, der auch immer als möglicher Fauth-Nachfolger gehandelt wird, sagte der EZ, die CSU werde sich erst in der nächsten Kreisvorstandssitzung am 29. November entscheiden. CSU-Bezirksrat Thomas Huber meinte, es könne eigentlich „nur einer aus der Fraktion“ machen. Die Anzahl der Nachfolgekandidaten in der CSU sei „einstellig“.

Die SPD reagierte erleichtert. Kreisvorsitzender Thomas Vogt und Fraktionsvorsitzender Albert Hingerl zollten dem Landrat Respekt für seine Entscheidung, sein Amt niederzulegen. Sie machten allerdings auch klar, dass diese „einige Jahre zu spät kommt, da der Landrat faktisch in dieser Zeit nur noch eingeschränkt dienstfähig war“. Dadurch habe der Landkreis Schaden genommen.

Waltraud Gruber, Sprecherin der Grünen im Kreistag, sagte, der Landkreis Ebersberg brauche einen Landrat, der den Aufgaben gewachsen sei. Im Falle von Neuwahlen seien die Grünen nicht „unvorbereitet“. „Wir könnten einen Kandidaten präsentieren. Wir müssen uns nicht auf die Suche begeben.“ Für sich selbst schloss die Aßlingerin aber eine Kandidatur aus, da sie sich um einen Sitz im Landtag bewirbt.

Gruber hatte zu denjenigen gehört, die Landrat Gottlieb Fauth am schärfsten attackiert hatten. Zu einer offenen Rücktrittsforderung hatte sie sich allerdings nie durchringen können. Das besorgten die Sozialdemokraten Anfang des Jahres nach einem Eklat im Kreistag, als Fauth die Sitzung wutentbrannt verlassen hatte.

Michael Acker

Hier die Erklärung im Wortlaut:

"Ich habe heute meine Versetzung in den Ruhestand wegen Dienstunfähigkeit bei den Mitgliedern des Kreistages beantragt. Im Jahre 2005 erkrankte ich erstmals an einer schubförmig verlaufenden entzündlichen Erkrankung des Nervensystems. Nachdem sich bereits vor zwei Jahren Zweifel an meiner Dienstfähigkeit ergeben hatten, bat ich die Regierung von Oberbayern, einen Amtsarzt oder eine Amtsärztin zu bestimmen, die mich daraufhin untersuchen möge, ob ich dienstfähig sei.

Der Regierungspräsident hat damals die Leitende Medizinaldirektorin Dr. Gisela Kreger aus München, Fachärztin für Neurologie, bestimmt.

Sie hat mich am 23. April 2010 untersucht. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir Frau Dr. Kreger nicht persönlich bekannt. Ich erwähne dies, weil immer wieder unterstellt worden ist, ich hätte mir ein „Attest geben lassen“.

Das amtsärztliche Gesundheitszeugnis von Frau Dr. Kreger vom 6. Mai 2010, das ich seinerzeit veröffentlicht hatte, kam zu dem Ergebnis, dass ich ab Juni 2010 meinen Dienstpflichten als Landrat wieder „vollschichtig nachkommen kann“.

Im Juli 2012 hat sich mein Gesundheitszustand erheblich verschlechtert. Dies machte zunächst einen stationären Krankenhausaufenthalt und anschließend eine vierwöchige Reha-Maßnahme erforderlich. Nach meiner persönlichen Auffassung bin ich nunmehr bedauerlicherweise nicht mehr in der Lage, meinen Dienstpflichten als Landrat vollschichtig nachzukommen. Gerne hätte ich meine zweite Amtszeit, die noch bis 30. April 2014 dauert, regulär zum Abschluss gebracht. Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Ebersberg hatten mich am 2. März 2008 erneut bereits im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit zu ihrem Landrat gewählt.

Ich fühlte mich verpflichtet, diesen Wählerauftrag zu erfüllen, kann es nun aber nicht mehr verantworten, noch rund anderthalb Jahre im Amt zu bleiben. Meinen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand wird der Kreistag voraussichtlich bei seiner Sitzung am 15. Oktober behandeln. Er kann über diesen Antrag nach Artikel 23 des Gesetzes über kommunale Wahlbeamte nur „auf Grund eines amtsärztlichen Gutachtens, ob Dienstfähigkeit gegeben ist“, entscheiden. Ich habe meine Bereitschaft erklärt, mich den hierfür erforderlichen amtsärztlichen Untersuchungen zu unterziehen.

Mein besonderer Dank gilt meinem Stellvertreter Walter Brilmayer, der mich während meiner krankheitsbedingten Abwesenheiten stets bestens vertreten hat. Dank seines unermüdlichen Einsatzes war und ist gewährleistet, dass die Spitze des Landkreises zu jedem Zeitpunkt voll handlungs- und entscheidungsfähig ist."

Gottlieb Fauth, Landrat

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Heuer keinAdventskalender
Sich treffen, neue Leute kennenlernen: Der „Adventskalender der Begegnungen“ war in den vergangenen Jahren eine beliebte und schöne Aktion in Poing. War. Heuer gibt es …
Heuer keinAdventskalender
Höllisches Stück ist himmlisch gut
Die Theatergruppe des Trachtenvereins „Almarausch“ Emmering hat diesmal ein besonders höllisches Stück unter bewährter Regie von Thomas Bayer einstudiert. Die himmlische …
Höllisches Stück ist himmlisch gut
Auf dem Weg zum „Mehrwerthof“
In Markt Schwaben entsteht ein Wertstoffhof mit völlig neuem Konzept - eine Anlage mit „Mehrwert“
Auf dem Weg zum „Mehrwerthof“
Bus und Bahn haben noch einen weiten Weg vor sich
Öffentlicher Personennahverkehr 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche soll es perspektivisch im Landkreis Ebersberg geben. Kurz heißt die Formel 24/7. Vor allem …
Bus und Bahn haben noch einen weiten Weg vor sich

Kommentare