Das Kirchseeoner Rathaus: Künftig ohne Lehrling. Foto: sro

Finanzkrise: Jetzt müssen's die Lehrlinge ausbaden

Kirchseeon - Die Finanzkrise und ihre dramatischen Folgen: Jetzt geht’s an Arbeitsplätze. Die Gemeinde Kirchseeon hat beschlossen, heuer keinen Lehrling einzustellen.

Die Entscheidung contra Azubi fiel am Montagabend im Gemeinderat mit 13:6 Stimmen nach längerer Diskussion. In zweijährigem Rhythmus wurde bislang immer ein Auszubildender eingestellt. Jetzt soll eine Pause eingelegt, das Thema erst in einem Jahr wieder auf den Tisch kommen. Eine Auswertung der Personalstellenhabe ergeben, dass erst 2019 regulär wieder im Rathaus eine Stelle frei werde, weil ein Mitarbeiter dann in Rente gehe. Die Ausbildung eines Jugendlichen würde deshalb als Überbedarf erfolgen, weil er nicht übernommen werden könne. Man wolle aber den Personalstand nicht erweitern, wenn man auch den Ausbildungsaufwand stemmen könnte. Zudem sei es auch angesichts der sehr engen Haushaltslage eine Finanzfrage, lauteten die Argumente von Bürgermeister Udo Ockel (CSU). Er erinnerte daran, dass vergangenes Jahr das Landratsamt „händeringend versucht hat, seine drei Auszubildenden bei den Gemeinden unterzubringen“.

CSU-Fraktionssprecherin Barbara Burgmayr legte als erste ein Veto ein: „Das schmerzt schon und ist schade, weil man jungen Menschen eine Chance geben muss.“ Peter Seitz (SPD) stieß in das gleiche Horn: „Wenn das jeder Betrieb machte, herrscht für Jugendliche Chaos in Deutschland.“ Man müsse sich am Riemen reißen. „Wir können nicht von anderen Ausbildungsbereitschaft fordern, müssen also auf jeden Fall das Thema in einem Jahr nochmals besprechen“, lautete das Fazit von SPD-Fraktionssprecher Thomas Kroll. Das wegen einer Verrentung erst 2019 im Rathaus wieder Platz werde, sei zu starr gedacht. „Ich habe in meinem Betrieb auch keine Übernahmegarantie“, warb Frank Költerhoff (Grüne) für den Abschluss eines Ausbildungsvertrags. Und Klaus Seidinger (Freie Wähler) ergänzte: „In den Stellenangeboten gibt es doch recht häufig Offerten für Verwaltungsfachkräfte.“ Siegfried Seidinger (CSU) plädierte ebenfalls für einen neuen Auszubildenden. Der hätte dann wenigstens eine Chance, sich weiterzubilden. Das sei immer noch besser, als keine Ausbildung zu haben.

Von Ebernard Rienth

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