Firmenchefs als Sparfüchse

Ebersberg - Dass Nahrungsmittel teilweise zur Energiegewinnung eingesetzt werden, hat sie zur Weltmarktware gemacht, die auch zu (steigenden) Weltmarktpreisen gehandelt wird. Das spüren einige Branchen deutlich.

Bei der Sitzung des Industrie- und Handelsgremiums wurde offenbar, dass steigende Rohstoffpreise und vor allem die enorm anziehenden Energiekosten die Betriebe selbst inzwischen erheblich belasten. Wer kann, versucht diesen Kostenblock zu senken, so gut es geht. "Wir haben zwar ein Blockheizkraftwerk auf dem Firmengelände, aber die geniale Idee war, in Ebersberg und Hohenlinden eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu setzen", sagt Friedrich Grill, Chef der Autostadt Ebersberg. "Wir überlegen, ob wir auf den anderen Dächern nicht auch solche Anlagen platzieren."

Gleichermaßen von steigenden Energiekosten wie auch von steigenden Getreidepreisen betroffen ist die Brauerei Wildbräu in Grafing, sagt Chef Max Josef Schlederer. Bei Gerste sei zwar heuer ersten Berichten zufolge eine Mehranbaufläche von vier Prozent festzustellen. "Bei schlechter Witterung kann das aber sehr schnell anders aussehen", warnt der Bräu. Auf den Sommergerstenflächen rund um München könne erstklassige Braugerste produziert werden. Durch das Erneuerbare Energien-Gesetz würden sich aber immer mehr Landwirte darauf ausrichten, Getreide zu schneiden und in Biogasanlagen zur Energiegewinnung zu verwenden. Die Flächen für die Produktion von Braugerste würden deshalb weniger werden.

"Die Mälzereien decken sich mit einheimischer Ware ein", informiert Schlederer. Deshalb spiele der gestiegene Dieselpreis eine eher untergeordnete Rolle. Mehr Kosten entstünden dadurch, dass bei der Produktion selbst in einer Brauerei viel Energie verbraucht werde. "Wir müssen das Bier kochen und auch bei der Flaschenreinigung brauchen wir viel Energie", so Schlederer.

Der Energiefalle zu entgehen versucht auch die Blumenzentrale Ziegltrum in Parsdorf. "Wir haben vor ein paar Monaten überwiegend auf Pellets umgestellt", so Hildegard Ziegltrum. Das sei eine gewaltige Investition für den Betrieb gewesen, schließlich koste so eine Anlage das doppelte wie eine herkömmliche Heizung. Von steigenden Energiekosten, aber vor allen Dingen von explodierenden Stahlpreisen berichtete Adnan Krikor dem Industrie- und Handelsgremium und zitierte Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt: Während die Baupreise in den sechs Jahren von 2000 bis zum Jahr 2005 jährlich nur um 0,5 Prozent gestiegen seien, hätten sie in den vergangenen beiden Jahren jeweils einen Sprung um gleich fünf Prozent gemacht. Stahl sei um 100 Prozent teurer geworden.

"Diese Preiserhöhungen können nicht verdampfen, die müssen irgendwo einfließen",warnte der Chef des K-Team in Grafing.

Einen Zusammenhang zwischen steigenden Dieselpreisen und steigenden Nahrungsmittelpreisen stellte schließlich der Gremiumsvorsitzende, Fuhrunternehmer Georg Reischl aus Ebersberg, anhand eines Beispiels aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft her: "Der Aldi im Gewerbegebiet bekommt jeden Tag 40 bis 50 Lkw voll Ware, die er dann auch selbst mit Lastwagen wieder ausfahren muss. Das wird sich irgendwann in den Regalen widerspiegeln." Wovor sich alle Unternehmer fürchten: "Dass der Dollar im Vergleich zum Euro wieder anzieht." Dann wird's noch mal dramatisch teurer.

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