Fliegende Kaffetasse landete vor Gericht

Landkreis - Eine fliegende Kaffeetasse brockte einer 39-Jährigen mächtig Ärger ein. Aus Wut schleuderte die Frau das Trinkgefäß in die Luft. Das war am 1. August 2010. Die Tasse flog und prallte gegen das Schienbein des Lebensgefährten ihrer Tante. Zumindest behauptete der 66-Jährige das.

Deshalb saß Anna K. (alle Namen geändert) nun vor dem Ebersberger Amtsgericht. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung.

„Es stimmt nicht“, sagte die Angeklagte vor Gericht. „Ich habe die Tasse zwar geworfen“, räumte sie ein. „Aber ich habe ihn nicht damit getroffen.“ Das gute Stück sei auf den Boden geknallt. Dann kramte sie eine weiße Kaffeetasse aus ihrer schwarzen Handtasche, um zu zeigen, wie klein die angebliche „Tatwaffe“ war.

Die Vorgeschichte: Anna K. hatte eine Gaststätte im Landkreis bei ihrer angeheirateten Tante gepachtet. Von ihrem Mann lebt sie mittlerweile getrennt. Da es immer wieder zu Streitereien zwischen ihr, der Tante und deren Lebensgefährten Hugo F. kam, lösten sie den Pachtvertrag zum 31. Juli 2010 auf. Am Tattag putzte die Angeklagte die Gaststätte. An die Eingangstür klebte sie ein Schild, auf dem sie ihren Umzug in ein neues Restaurant bekannt machte. „Wir wollten, dass sie das Schild entfernt, weil sie keinen Vertrag mehr hatte“, sagte Hugo F. als Zeuge aus. Auch er hatte sich mit einem Beweismittel gerüstet und zeigte dem Richter Peter Hayler das gelbe Plakat. „Dann hat sie die Tasse auf mich geworfen“, behauptete er. Dabei sei er am Schienbein verletzt worden. Die ärztlichen Befunde hielt er dem Richter ebenfalls unter die Nase. Aber dieser zweifelte an dem Zeugen: „Eventuell braucht man einen Gutachter, um zu klären, ob die Verletzung wirklich von der Tasse kommt“, sagte er. Nach der Tassenattacke mischte sich die Tante ein. „Sie warf einen Schlüsselbund in mein Auge“, sagte die Angeklagte. Obwohl dieser Spuren in ihrem Gesicht hinterließ, verzichtete sie auf eine Anzeige. „Weil sie meine Tante ist.“ Nach dem Schlüssel flogen noch Schimpfwörter durch die Luft: Hugo F. soll Anna K. mit „Nutte vom Feinsten“ und ihre Tochter mit „kleine Hure“ beleidigt haben.

Der Amtsrichter Hayler stellte das Verfahren schließlich gegen eine Geldauflage von 300 Euro ein. Das Geld geht an die Suchtambulanz Ebersberg.

Von Marlene Kadach

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Atteltaler trumpfen auf: Brauchtum in seiner schönsten Form
In einer fast bis auf den letzten Platz gefüllten Stadthalle hat der Trachtenverein Atteltaler Grafing seinen traditionellen Heimatabend veranstaltet. Es war zünftig.
Atteltaler trumpfen auf: Brauchtum in seiner schönsten Form
Nazi-Sprüche per Klassenchat: Polizei ermittelt gegen Gymnasiasten wegen Volksverhetzung
Am Grafinger Gymnasium sind rechtsradikale Botschaften über einen Klassenchat verbreitet worden. Das teilte die Polizei mit. Erst vor einer Woche wurde die Schule nach …
Nazi-Sprüche per Klassenchat: Polizei ermittelt gegen Gymnasiasten wegen Volksverhetzung
Roger Rekless: Nicht alles okay, aber auch nicht alles schlecht
Der Musiker und Moderator Roger Rekless ist heimgekehrt nach Markt Schwaben. Er las aus seinem Buch „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ und erzählte, wie es dazu kam.
Roger Rekless: Nicht alles okay, aber auch nicht alles schlecht
Seine Kollegen sind ratlos: Zika O. wird abgeschoben
Er arbeitet, hält sich an die Regeln, ist bei seinen Kollegen beliebt - und darf trotzdem nicht bleiben: Der Asylantrag des Nigerianers Zika O. ist unanfechtbar …
Seine Kollegen sind ratlos: Zika O. wird abgeschoben

Kommentare