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Viele Stühle blieben leer beim Infoabend in der Turnhalle. Es wurde jedoch intensiv diskutiert. Foto: Jürgen Rossmann

Flüchtlinge bleiben in der Turnhalle

Kirchseeon - Kirchseeoner Schwellenwerksgelände ist wohl keine Alternative für die Unterbringung der Asylbewerber.

„Da hätten wir auch selber drauf kommen können“, räumte Landrat Robert Niedergesäß beim Informationsabend zum Thema Asyl im Gymnasium Kirchseeon ein. Die Turnhalle der Bildungseinrichtung ist seit Ende Juli mit Flüchtlingen belegt. Eine Schülerin hatte angemerkt, derartige Veranstaltungen gingen an den Schülern vorbei, weil sie am Abend stattfänden. Viele der Schüler wüssten wenig über die Problematik. Es gebe auch „rechte Sprüche“. Da sei Aufklärung notwendig. Und: „Schließlich geht es auch um unsere Turnhalle. Wir aber werden nicht gefragt, wie es uns damit geht.“ Niedergesäß sicherte zu, zu einer Veranstaltung für die Schüler zu kommen.

Und wie geht man mit den Flüchtlingen an der Schule um? „Wir haben einen Arbeitskreis Soziales“, erklärte Direktorin Gabriele Söllheim. Man brauche aber noch Rücksprache mit dem Elterbeirat. Und auch das Klassensprecherseminar habe noch nicht stattgefunden. „Wir sind noch nicht soweit.“

Beim Abendtermin äußerte einige Eltern Bedenken und sorgten sich um die Sicherheit ihrer Kinder. „Ich verstehe, dass Sie Sorgen haben“, meinte Sonja Naumann, Sprecherin des Arbeitskreises Asyl. Sie bat jedoch die Zuhörer, auf die Flüchtlinge zuzugehen. Einige der Eltern bezeichneten die Anwesenheit der Flüchtlinge auch als Chance.

Eigentlich sollten die Flüchtlinge nach dem Ende der Ferien die Turnhalle wieder verlassen. Doch die Asylbewerber werden wohl noch länger bleiben. Niedergesäß: „Es wäre unseriös zu sagen, dass wir Ostern draußen sind.“ Er sehe aber schon, dass Kirchseeon besonders betroffen sei, so der Landrat.

Im Gymnasium richtet man sich wohl auf eine noch längere Sperre der Turnhalle ein. Ein Sportlehrer fragte nämlich nach der Aufstellung von Containern auf dem Außengelände, in denen sich die Schüler für den Sport umziehen könnten. Gleichzeitig betonte der Lehrer, die Schule könne einen „ordnungsgemäßen Sportunterricht gewährleisten“. Unter anderem werde das Hallenbad und die neue Sporthalle in Zorneding genutzt.

Aus dem Publikum kam der Vorschlag, doch eine Traglufthalle auf einem Teil des Schwellenwerks-Geländes aufzustellen. Die Aussage von Bürgermeister Udo Ockel war deutlich. „Es besteht für das Gelände ein Betretungsverbot, das vom Landratsamt erlassen wurde.“ Ockel erinnerte an die Sanierung der nahen Moosacher Brücke. Damals habe man den Verkehr über das Schwellenwerk umgeleitet. Die Gemeinde habe links und rechts der Trasse für 20 000 Euro Zäune aufstellen müssen, um den Zugang zum Gelände zu sperren.

Angeregt wurde auch, einen direkten Ansprechpartner für die Flüchtlinge im Rathaus Kirchseeon zu installieren. „Die persönliche Beratung läuft derzeit ausschließlich über das Ehrenamt.“ Reaktion von Ockel: „Das ist eine staatliche Aufgabe.“ Heißt: Die Gemeinde ist nicht zuständig. Der Gemeinderat könne so etwas jedoch beschließen. „Ich werde dafür aber nicht die Hand heben“, betonte der Bürgermeister.

Ein weiter Punkt der Diskussion war, Flüchtlinge in eine Beschäftigung zu bringen, beispielsweise in „gemeinnützige Arbeit“. Dazu gebe es Möglichkeiten, vom Schülerlotsen bis zu Arbeiten am Wertstoffhof, erklärte Jan Thoms vom Landratsamt. Derzeit würden rund 150 Personen pro Monat vermittelt. Auch „Nachbarschaftshilfe“ sei möglich. Thoms warnte jedoch davor, Asylbewerber praktisch im privaten Umfeld zu beschäftigen. Da könne schnell der Zoll auftauchen mit dem Vorwurf, da werde „schwarz gearbeitet, im wahrsten Sinne des Wortes“.

Robert Langer

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