So sah es in den Hallen aus, bevor für die Flüchtlinge umgebaut wurde. Foto: köppl

Bis zu 700 Flüchtlinge in Neukeferloh

Landkreis - In Windeseile haben Helfer am Dienstag am Nachmittag und Abend im „Tennis Center“ Keferloh ein Notlager aufgebaut.

Das Landratsamt des Landkreises München rechnete mit bis zu 700 Flüchtlingen, die noch in der Nacht unterzubringen sein könnten. Die Menschen waren mit Zügen aus Budapest gekommen und am Münchner Hauptbahnhof gestrandet.

„Notfallplan“ nennen die Behörden das, was seit Wochen zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, Flüchtlingen Quartier zu beschaffen. Jetzt auch in Keferloh. Kurt Gallenberger, der Betreiber des „Tennis Center“ an der Keferloher Straße, hatte die Anlage nach eigener Aussage als Notunterkunft angeboten. Und gestern musste es dann offensichtlich ganz schnell gehen. Stündlich war die Zahl der Flüchtlinge, die mit Zügen am Hauptbahnhof München eingefahren kamen, gestiegen. Regierung von Oberbayern und Landratsamt München gerieten in größte Not. „Mit Turnhallen kommen wir nicht mehr weiter“, sagte eine Sprecherin des Landratsamts gestern am späten Nachmittag. „Wir haben auf die Schnelle eine riesengroße Halle gebraucht.“

Bei der Regierung von Oberbayern hieß es lediglich, man sei vor allem dankbar über die Hilfe. Einsatzkräfte des ABC-Zuges München-Land der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks (THW) München-Land und ein Landkreis-Leitwagen machten sich umgehend auf den Weg, um vor Ort sauber zu machen, aufzubauen und einzurichten. Helfer des Landratsamtes organisierten mobile Toiletten, besorgten Essen und Getränke. Betten und andere Dinge holten THW-Kräfte aus Garching aus den Beständen des Katastrophenschutzes.

Bleiben sollen die Flüchtlinge nur kurze Zeit. Von zwei bis vier Tagen ist die Rede. In Keferloh sollen sie registriert, aufgenommen und dann auf andere Einrichtungen verteilt werden. „Ein Dach über dem Kopf ist das, was die Menschen brauchen“, sagte die Sprecherin des Landratsamtes. Münchens Landrat Christoph Göbel (CSU) hatte Grasbrunns Bürgermeister Klaus Korneder (SPD) am Nachmittag über die Situation informiert. Korneder wiederum hatte sich umgehend an seine Mitarbeiter im Rathaus gewandt und zudem per Mail alle Gemeinderäte darüber verständigt, dass womöglich sehr kurzfristig bis zu 700 Menschen Hilfe brauchen.

Noch am Abend sollte eine Information auf der Homepage der Gemeinde erscheinen, um alle Bürger zu informieren. Zudem nahm Korneder Kontakt zur Polizei auf. Schließlich beginnen am Freitag die Feierlichkeiten zum Keferloher Montag. Der Bürgermeister wollte sich noch am Abend selbst vor Ort ein Bild von der Lage machen. Und schließlich suchte er auch das Gespräch mit seiner Amtskollegin in Haar, Gabriele Müller (SPD). Die ist derzeit in Urlaub, aber auch Haar wird betroffen sein. Denn Keferloh ist ein kleiner Weiler an der B 471 zwischen Haar und Grasbrunn. Die Gemeinde Grasbrunn habe zwar nichts mit der Unterbringung zu tun, sagte Korneder. Doch: „Für mich ist klar, dass man den Menschen, die da kommen, ein Dach über dem Kopf bieten muss.“

Bescheid weiß auch der Helferkreis Asyl Grasbrunn-Vaterstetten. Dessen Leiterin, Renate Grunow-Cerwinski, geht davon aus, dass die Hilfe ihrer rund 250 Mitstreiter nicht unbedingt gebraucht wird. Bereitstehen will aber auch sie, zunächst das Gespräch vor Ort suchen, die Kontaktdaten hinterlassen. Denn sie ist überzeugt: Alle müssten jetzt zusammenhelfen. „Wir können die Menschen doch nicht am Hauptbahnhof liegen lassen.“

Von Isabel Weinfurtner

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