Vor einem Jahr: Anwohner Norbert Waldleiter am Flickerlteppich der Bundesstraße. Durch die unebene Fahrbahn entsteht zusätzlicher Lärm. Das soll nun bald vorbei sein. Foto: sro

Flüster-Asphalt: Ende des Flickerlteppichs

Kirchseeon - Ein Teil der lärmgeplagten Anlieger an der B 304 durch Kirchseeon können zumindest auf eine Verbesserung ihrer Situation hoffen. Auf einem rund 1,2 Kilometer langen Teilstück von der Rotbuchenstraße bis zum Spannleitenberg wird ein lärmarmer Belag eingebaut.

Laut Frank Ruckdäschel vom Bauamt Rosenheim könnte die Maßnahme möglicherweise bereits in den Sommerferien umgesetzt werden. Doch es gibt noch einige Fragenzeichen.

Ausgesucht haben die Planer einen Straßenbelag, der bisher vor allem von der Autobahndirektion Nordbayern verwendet wurde, seit 2009 aber auch innerstädtisch eingesetzt wird. Er soll die Lärmbelastung innerorts vermindern. Der Unterschied ist laut Ruckdäschel so, wie wenn statt zwei Autos nur ein Auto fährt. Der Planer spricht von einer „spürbaren Reduzierung“ des Lärms.

Der „SMA LA“ genannte Belag unterscheidet sich von dem, der bei Vaterstetten eingebaut wurde. Dort sei die Lärmminderung quasi ein „Abfallprodukt“ der neuen Fahrbahndecke, so Ruckdäschel auf Anfrage der Ebersberger Zeitung. In Kirchseeon habe jetzt die Lärmminderung bei der Auswahl des Materials im Vordergrund gestanden.

Während der Bauarbeiten wird es zu Straßensperrungen kommen. Der Verkehr wird nach den derzeitigen Überlegungen innerorts umgeleitet. Der überörtliche Verkehr, beispielsweise aus Osten kommend, könnte auch weiträumig abgeleitet werden, also schon in Ebersberg Richtung Norden zur Autobahn A 94. Gebaut werden soll zudem in „verkehrsarmen Zeiten“, sprich Ferien, oder möglicherweise am Wochenende.

Noch ist nicht klar, ob es für die Bauarbeiten eine Vollsperrung der Bundesstraße geben wird oder ob zunächst die eine Seite der Straße und dann die andere Seite gebaut wird, mit einer Naht in der Mitte. Bei der zweiten Alternative könnte der Verkehr dann zumindest in einer Richtung auf der Bundesstraße fließen. Ruckdäschel gibt jedoch zu bedenken, dass die Fahrbahn, wenn sie in voller Breite in einem Stück gebaut wird, stabiler ist. Stabiler heißt: längere Lebensdauer. Und das Projekt könnte so auch schneller umgesetzt werden.

Eines der Fragezeichen in der Planung ist noch der gleichzeitig mit der Fahrbahndecke zu bauende Geh- und Radweg auf der Nordseite der Straße. Von der bayerischen Staatsregierung wurden ehrgeizige Ziele zur Reduzierung von Unfällen beziehungsweise von Verletzten und Toten im Straßenverkehr gesetzt. Dabei trete nun immer mehr der Schutz der Radfahrer in den Vordergrund, so Ruckdäschel. Und damit gebe es auch höhere Standarts für die Geh- und Radwege. Es geht unter anderem um die Sicht beim Einbiegen. Da sei dann nach jetzigem Stand schon mal eine Hecke oder ein Gartenzaun im Weg. Auch einige bestehende Parkplätze lägen für den künftigen Geh- und Radweg ungünstig. Da müsse noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, so Ruckdäschel. Es gebe eine ganze Reihe von Gesprächen mit Anwohnern. Wenn sich das hinzieht, kann sich die Baumaßnahme verzögern.

Den lärmmindernden Belag auch im weiteren Verlauf der B 304 durch Kirchseeon und Eglharting aufzubringen, ist ebenfalls angedacht. Jedoch erst dann, wenn in in diesen Teilbereichen sowieso eine Deckensanierung ansteht. „Mehr gibt das Budget nicht her“, so Ruckdäschel.

Von Robert Langer

Eine Kommentar zu diesem Thema finden Sie in der Printausgabe vom 27./28. April

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