Lisa-Marie Bötsch wird demnächst erst 21 Jahre alt und im Forstinninger Gemeinderat.
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Lisa-Marie Bötsch wird demnächst erst 21 Jahre alt, ist aber seit eineinhalb Jahren schon Mitglied für die Grünen im Forstinninger Gemeinderat.

Lisa-Marie Bötsch (noch 20) ist eine der jüngsten Mandatsträgerinnen im Landkreis Ebersberg

Alle sind ein wenig grüner geworden

  • VonJörg Domke
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Forstinning – Zuerst einmal ist klar: Lisa-Marie Bötsch kommt zum vereinbarten Gespräch mit der Heimatzeitung im Biergarten der Sportgaststätte („Zum Elfer“) in Forstinning natürlich mit dem Radl. Sie wohnt zwar (noch) bei den Eltern in Schwaberwegen, also ein paar Kilometer entfernt, aber für die 20-Jährige ist das keine Distanz, die man motorisiert zurücklegen müsste.

Schon gar nicht, wenn man Dinge wie Ökologie, Umweltschutz und Nachhaltigkeit so tief im Herzen zu tragen scheint wie die gelernte Fachinformatikerin.

Es war die Debatte um eine mögliche Umfahrung Schwaberwegens, erzählt sie, die sie vor knapp zwei Jahren politisch hat werden lassen. Im Saal saßen Gegner des Projekts, das vorsieht, im Forst Bäume zu roden, um dort eine neue Straße zu bauen. Drei Stunden sei damals heiß debattiert worden, erinnert sich die junge Frau. Und immer wieder hätten Leute geäußert, man müsse doch mal dafür sorgen, dass frischer Wind in den Forstinninger Gemeinderat einziehe. Jenen Rat, der sich nahezu einmütig für die umstrittene Umfahrungslösung ausgesprochen hatte.

Frischer Wind im Gemeinderat

Das mit dem frischen Wind schien der jungen Besucherin eine richtige und nachvollziehbare Forderung zu sein. Aber zugleich wuchs die Erkenntnis, dass man schlecht gegen oder für etwas sein kann, um danach nichts zu tun außer zu meckern.

Heute, in der Rückschau, kann man wohl sagen, dass in diesem Gesamtzusammenhang die Geburtsstunde der Forstinninger Grünen schlug. Niemand, so Lisa-Marie Bötsch, habe damals geglaubt, dass mit Gründung eines Ortsverbandes auch der Einzug in den Gemeinderat ab 2020 verbunden sein würde. War es aber, weil die ganze Geschichte in eine Zeit fiel, als Grün auf einer Welle der Euphorie zu reiten schien.

Für Lisa-Marie Bötsch kam aber plötzlich ein neues, ganz besonderes „Problem“ dazu. Weil auf Listen der Bündnisgrünen grundsätzlich zuerst eine Frau zu stehen hat, landete die damals 19-Jährige bei der Kommunalwahl – mangels Mitstreiterinnen – gleich auf Platz eins. Und damit sicher im neuen Rat.

Das alles ist längst Schnee von gestern. Inzwischen, sagt sie und lächelt dabei, habe sie sogar Gefallen gefunden an Themen wie Bebauungsplänen etc.. Ihr allergrößtes Augenmerk aber gilt der Jugend am Ort. Den „Culture Club“, das autonome Jugendzentrum im Keller des Sportlerheims, nennt sie gar ihr Steckenpferd. Leider sei der Betrieb erst im Juni halbwegs wieder gestartet. Corona ließ grüßen.

Culture Club als Steckenpferd

In der ersten Ferienwoche gab es schon mal einen gutbesuchten Kinoabend. Viele durften aber wegen der Auflagen nicht kommen. Am Donnerstag, 9. September, ist ab 19.30 Uhr eine Neuauflage geplant. Welchen Film es geben wird, ist noch ein Geheimnis. Wer teilnehmen will, sollte sich auf der Homepage von „Mach mit“ erkundigen.

Vor gut zwei Wochen fand zudem ein offener Treff statt. Es sei so etwas wie eine Hauch Normalität entstanden, so Lisa-Marie Bötsch, gebürtig aus Unterfranken übrigens. Was ihr besonders aufgefallen war nach der Party: Die riesengroße Dankbarkeit der anderen Jugendlichen.

Dankbar aber ist sie auch anderen. Zum Beispiel Mathias Weigl, dem Ansprechpartner der jungen Forstinninger im Rathaus. Er habe immer wieder geholfen. Auch, dass Lisa-Marie Bötsch ihre Funktion als Jugendsprecherin bestmöglich wahrnehmen konnte.

Kümmern um die Jugendlichen auf der Straße

Den Betrieb im Culture Club so schnell als möglich in Gang bringen – das ist jetzt das erklärte große Ziel. Aber auch sich noch mehr mit den jungen Leuten zu befassen, die sie die „Straßenjugend“ nennt. Jene, die weder in der Kirche, noch im Sport noch sonst wo in Vereinen organisiert sind und sich gern mal auf dem Pausenhof oder auf dem Parkplatz des Sportzentrums treffen.

Und sonst? Eigene konkrete politische Ziele gebe es (noch) nicht, sagt sie. Freut sich aber, dass der Forstinninger Gemeinderat schon etwas grüner geworden sei als das Vorgängergremium.

Und wie lautet ein erstes Fazit nach eineinhalb Jahren im Rat? Es habe sich, sagt die Schwaberwegenerin, gezeigt, dass es lohne, sich auch mit jungen Jahren schon kommunalpolitisch zu engagieren. Auch wenn es mal mit Aufgaben verbunden ist, die zusätzlich Arbeit machen. Zurzeit liegt nämlich die Homepage der Orts-Grünen auf Eis. Technische Probleme hat’s gegeben.

Im Dunstkreis der Ortspartei aber gibt es momentan nur eine, die helfen kann: Lisa-Marie Bötsch, die inzwischen als Systemadministratorin ihr Geld verdient.

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