Eugenie und Gerd Meyden
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Eugenie und Gerd Meyden.

Besuch bei Forstinninger Ehepaar (84 und 81)

Aus Liebe zur Natur

  • Friedbert Holz
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Malen, schreiben, jagen: Eugenie und Gerd Meyden leben ihre Passionen. Und haben ganz klare Grundsätze dabei.

Forstinning – Obwohl sie längst im Ruhestand sind, kann von Ruhe im Hause Meyden keine Rede sein. Denn die beiden Senioren verbindet nicht nur die gemeinsame Liebe zu Natur und Jagd, sie verwirklichen sich – wenn auch ganz unterschiedlich – in zwei klassischen Kunstzweigen, dem Malen und Schreiben.

Und obwohl sie in einem schmucken Haus wohnen, das in jedem seiner Zimmer reiches Erleben atmet, verreisen sie beide gerne, wenn´s sein muss bis ins ferne Asien. Schon ihr Lebensweg könnte spannender kaum sein: Gerd H. Meyden, 84, stammt aus Königsberg in Ostpreußen. „Ich bin dort über dem gleichen Taufbecken mit Wasser gesegnet worden, wie der berühmte Philosoph Imanuel Kant“, ist Meyden heute noch stolz auf seine Heimat.

Doch schon bald musste er mit seiner Familie vor den Russen fliehen. Denn sein Vater war Major der Luftwaffe, bekam eine neue Dienststelle als Kommandant eines Fliegerhorsts im sächsischen Rodewisch, danach in Riga. Und so verschlug es auch den jungen Gerd zunächst ins so genannte Vogtland, wo er mit Mutter und Bruder auf einem einsamen Hof untergebracht war. Nach dem Krieg kommt er nach Planitz, später über Umwege und mit einer Ausbildung als Textil-Kaufmann nach Bayern, wo er bei einer Modemesse in München 1959 seine Frau Eugenie trifft, heute 81 Jahre jung.

Neben dem Beruf eine unendliche Liebe zur Natur

Auch sie hat in der Bekleidungsbranche gelernt, kommt allerdings aus einer ganz anderen Ecke Deutschlands, aus Sonthofen. Bei ihrem Onkel, der bei den Wittelsbachern Berufsjäger war, hat sie ihre Passion für das Waidwerk entdeckt, aber ihr Kunstlehrer wird auch auf ihr Talent zum Malen aufmerksam. 1964 schließlich heiraten die beiden, wohnen erst in Gröbenzell. Eugenie Meyden über ihr Hobby, das heute ihr Leben maßgeblich bestimmt: „Ich habe mich über die Jahre immer wieder im Thema Malen weiter gebildet, gehe auch heute noch zu Schulungen, etwa bei der Akademie für Freie Kunst in Gerlingen oder in Salzburg. Maltechnik, Farblehre oder Papiertechnik interessieren mich sehr, mittlerweile gebe ich Erfahrungen und Tipps aber auch an andere in Malkursen weiter.“ Ihre Liebe gilt dabei der modernen Aquarell-Malerei, „mit durchaus kräftigen Farben in moderner Technik, meist mit Motiven aus der Natur“. Diese Art des Malens stellt für sie „die höchste Form der Technik“ dar, schließlich gelte es zum Beispiel, auf die ideale Luftfeuchtigkeit zu achten, „man muss richtig mit Wasser arbeiten, es erfordert viel Konzentration“.

Leidenschaft für Jagd, Malerei und Schriftstellerei

Nicht gestört werden will auch ihr Mann Gerd, wenn er an einem seiner vielen Artikel oder etwa an einem neuen Buch schreibt, im Frühsommer 2022 soll sein sechstes erscheinen. Alles, was er zu Papier bringt, hat selbstverständlich mit Natur und Jagd zu tun. „Doch ein Buch habe ich auch autobiographisch über mein Leben von der Geburt bis zum 16. Lebensjahr geschrieben – ich hatte eine durchaus schwierige Jugend mit Erlebnissen, die ich sicher nie vergessen werde.“ Doch zurück zur Jagd und zur Schriftstellerei. „Als ich 1995 mit Freunden zur Steinbock-Jagd in die Mongolei eingeladen wurde, nach einer langen Anreise über Moskau, Peking bis Ulan-Bator, schickte ich danach einen Artikel zu einer Jagd-Fachzeitschrift. Dieser Text gefiel dem Verleger so gut, dass er mir ein Autoren-Angebot machte. Für den Verlag in Österreich schreibe ich immer noch.“

So entstanden etwa Bücher wie „Der Jäger und sein Ziel –ein Rucksack voller Jagdgeschichten“. Gerd Meyden verfasst aber neben Büchern auch Artikel für verschiedene Spezialblätter. Dabei, so beschreiben sowohl sein Verlag als auch seine Frau seinen Stil, „steht nicht das Erlegen der Beute im Mittelpunkt seiner Erzählungen, sondern das Erleben der Natur und ihrer Geschöpfe, der jeweiligen Landschaften im Wechsel der Jahreszeiten, vielfältige Stimmungen auf dem Ansitz und der Pirsch“.

Seit dem 15. Lebensjahr hat er den Jagdschein, war schon als Kind gerne draußen in der Natur, gibt auch zu, dass er „nichts Fiktives schreiben könnte, niemals etwa einen Roman“. Erste Lektorin ist stets seine Frau, die ihre Leidenschaft zum Jagen mit ihm teilt, „und sie ist sehr kritisch“.

Dafür darf er dann auch seine ungeschminkte Meinung zu ihren Mal-Ergebnissen sagen, ihr Tipps für (noch) besseres Bildgestalten geben. Dabei hat sie schon an unzähligen Ausstellungen teilgenommen, hat ihre Mal-Kunst erfolgreich präsentiert. Wenn der begeisterte Jäger und Hobby-Fotograf etwa zweimal pro Woche zur Jagd geht, steht bei weitem nicht nur das Erlegen eines Tiers auf dem Plan.

Vierbeinige Begleiter bringen Spaß ins Haus

„Ich bin oft nur auf dem Hochsitz, um die Stille des Waldes zu genießen und Tiere beobachten zu können. Denn ich sehe in den Tieren nicht nur eine Beute, sondern unseren Bruder in der Schöpfung, der faire Umgang mit ihnen sollte stets im Vordergrund stehen.“ Und so hat er beispielsweise in seinem heutigen Haus in Forstinning, das einst vom berühmten Architektur-Professor Hans Döllgast gebaut wurde, zahllose Gemsen-Geweihe hängen, alle exakt beschriftet mit Jagddatum und Ort – „auch tote Tiere haben noch eine Würde“. Um noch lebende Tiere professionell jagen zu können, braucht es aber auch Hunde. Und so teilen neben Eugenie und Gerd auch zwei Kurzhaardackel das Meydensche Anwesen. Das Ehepaar hat sie zu erfolgreichen Spür- oder Schweißhunden ausgebildet, trainiert ständig mit ihnen.

„Ähnlich wie bei der Kinder-Erziehung braucht es auch bei Hunden viel Liebe, Einfühlungsvermögen und Geduld“, weiß Eugenie Meyden. „Bei Dackeln sind zusätzlich ein eigener starker Charakter und Willen nötig. Denn diese Rasse zeigt doch großes Selbstbewusstsein, ein Befehl ist für sie maximal ein Angebot. Dafür belohnen sie einen mit unglaublich lustigen Momenten, sind sehr liebenswert“, umschreibt die Tierkennerin ihre Vierbeiner.

Was ihnen in Corona-Zeiten fehlt? „Da wir beide sehr gerne reisen, möchten wir so bald wie möglich wieder unsere Lieblings-Destinationen besuchen, die Bretagne in Nordfrankreich und die Region Umbrien in Mittelitalien. Die Natur dort ist unbeschreiblich schön, selbst ohne Jagd“.

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