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Deutsche Meisterschaft

Keiner sägt wie Ulrich Huber

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Waldarbeit ist Leistungssport -  und Ulrich Huber ist der Beste: Jetzt hat sich der Forstinninger nach einigen anderen Titeln auch die deutsche Meisterschaft geholt.

Forstinning  – Mentale Stärke, eine ruhige Hand, gutes Material, Routine und ein geschicktes Zusammenspiel aus Technik und Kraft: Eigenschaften, die Ulrich Huber sofort einfallen, wenn man ihn befragt danach, was nötig ist, um bei Waldarbeitermeisterschaften einen Titel zu erringen. Es sind wohl auch die gleichen Tugenden, die erforderlich sind, wenn man bei jedem anderen Leistungssport oben aufs Treppchen kommen möchte. Waldarbeit ist folglich Leistungssport. Eine Gleichung, die Huber garantiert sofort unterschreiben würde.

Wer wüsste es auch besser? Am Pfingstwochenende glückte dem Forstinninger der ganz große „Wurf“. In Gräfendorf im Landkreis Main-Spessart sicherte sich der 50-Jährige erstmals nach dem bayerischen Landes- und dem Weltmeistertitel auch die nationale Deutsche Meisterschaft. Damit ist der zweifache Vater (die Kinder sind inzwischen 22 und 25 Jahre alt) der erste Waldarbeiter, der jemals alle drei Titel gewonnen hat, auf bayerische und nationaler Ebene sowie weltweit.

116 Teilnehmer stellten sich in Gräfendorf den Prüfungen mit der Motorsäge, hier eher als Sport- denn als Arbeitsgerät zu verstehen. 68 traten wie Huber in der Profi-Klasse an, die anderen verteilten sich auf die U-24-Klasse (der Nachwuchs also) und auf Gäste aus dem nahen Ausland: Tschechien, die Schweiz, Österreich und Norwegen.

Traditionell geht es bei den Titelkämpfen der Waldarbeiter um die Disziplinen Fällung, Kettenwechsel, Kombinationsschnitt, Präzisionsschnitt und Entastung. Letzteres sozusagen die Spezialität des Forstinningers, der hauptberuflich beim Gemeindlichen Bauhof in Poing beschäftigt ist.

Den Weg zum ersten nationalen Titel ebnete sich Huber mit einem persönlichen Rekord. Den Kettenwechsel brachte der neue Champion in 9,95 Sekunden zustande. Seine vorherige persönliche Bestmarke lag bei 9,98 Sekunden, aufgestellt vor zwei Jahren in Berlin. „Ich hatte im Winter leichte Umstellungen vorgenommen“, erzählt der frisch gebackene Meister, der bei den letzten Deutschen Meisterschaften 2015 in Baden Württemberg noch Zweiter im Gesamtklassement war. Und er fügt an: „Es hat gepasst“.

Nächstes großes Ziel ist jetzt natürlich die Verteidigung des Weltmeistertitels im kommenden Jahr in Norwegen. Doch ob der Forstinninger als deutscher „Champ“ dabei sein darf, entscheidet sich erst noch in gut vier Wochen. Dann findet die Qualifikation und Kaderfindung für das deutsche Nationalteam statt. Und hier will jeder aus der Gruppe die besten zehn deutschen Kräfte dabei sein.

Der Deutsche Meister, das ist bitter für den neuen Titelträger, ist nämlich nicht automatisch im Nationalkader – und schon gar nicht bei der WM dabei. Ob es nochmals gelingen wird, wird maßgeblich von der Tagesform abhängen. Ulrich Huber: „Die Leistungsdichte ist enorm in Deutschland“.

Das hatte die DM im Mai-Spessart-Kreis auch eindrucksvoll gezeigt. 15 Waldarbeiter lagen dort nach Anschluss des Fünfkampfes so dicht beieinander, dass jeder von ihnen den Titel hätte gewinnen können. „Ein kleiner Fehler zu viel kann bei uns entscheidend sein“, berichtet Ulrich Huber, gelernter Forstwirt und inzwischen qualifizierter Baumkontrolleur. Bei der Deutschen Meisterschaft 2017 hatten sich die Anderen diese kleinen Fehler ein paar Mal zu viel geleistet.

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