Honigbienen in einer Holzkiste.
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Dieses Jahr taten sich die Honigbienen wegen des schlechten Wetters schwerer als sonst.

Imker melden niedrige Erträge

Honigernte fällt ins Wasser – Bienenvölker kämpfen mit nasskalter Witterung

  • Raffael Scherer
    VonRaffael Scherer
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Wegen des kalten und nassen Wetters konnten die Bienen dieses Jahr weniger Honig produzieren. Vor allem zwei Honigsorten sind davon besonders betroffen.

Landkreis – „Du hast im April und Mai sofort gemerkt, dass es zu kalt war“, erzählt Franz Emmerig ein wenig niedergeschlagen. „Der Frühjahrshonig ist nahezu ausgefallen“. Es ist für den Vorstand des Bienenzuchtvereins Glonn, Baiern und Umgebung schon das zweite Jahr, in dem die Honigernte schlecht ausfällt. Vergangenes Jahr war es zu heiß, 2021 zu kalt.

Bei den meisten seiner Bienenvölker habe sich das Herausholen der kläglichen Honigmengen gar nicht gelohnt. Jeder Schwarm braucht schließlich auch Reserven, um über den Winter zu kommen.

Magere Honigernte: Kälte machte besonders den Blüten von Obstbäumen zu schaffen

Im Frühjahr kommt der Honig laut Emmerig hauptsächlich von Löwenzahn-Gewächsen und Obstbäumen: „Ich habe es an meinem Apfelbaum gesehen, dass es den Blüten zu kalt war und sie kaum honigen“, sagt der Hobbyimker aus Moosach. Die Blüten gaben also kaum Nektar ab.

Gerade die kalte Frühlingszeit machte auch Imker Franz Hundschell zu schaffen. „Bienen fliegen erst ab etwa 15 Grad, denen war es im April und Mai einfach zu kalt“, sagt der Forstinninger. Und das, obwohl die Bodenfeuchtigkeit für die Rapsfelder rund um Forstinning ideal zum „honigen“ gewesen wäre. Auch bei ihm fiel daher die erste Tracht gering aus.

Magere Honigernte: Ganz helle und ganz dunkle Honigsorten sind besonders betroffen

Die Honigernte von Hobby-Imker Franz Hundschell in Forstinning fiel dieses Jahr sehr gering aus.

Insgesamt war Hundschells Honigernte rund 40 Prozent niedriger als gewöhnlich: „Normal produziert ein Bienenvolk im Durchschnitt zwischen 30 und 40 Kilo Honig, dieses Jahr waren es höchstens 20“, erklärt er. Laut Emmerig müsse bei der Honigernte immer mit Schwankungen um den Faktor sechs gerechnet werden: „Mal sind es 60 Kilo, mal 360“, erklärt er die Extremwerte bei seiner Gesamternte.

Vor allem Freunde des cremigen, hellen Honigs müssen wegen der kalten Frühjahrstemperaturen dieses Jahr geduldig sein. Aber auch der ganz dunkle Waldhonig litt unter dem Regenwetter: „Unter den Tannennadeln leben Läuse, die den Zuckersirup ausscheiden“, erklärt Hundschell das Entstehen. „Die sind durch die starken Regenfälle aber heruntergewaschen worden.“

Trotz magerer Honigernte: Die beiden Hobbyimker wollen nicht mehr Geld verlangen

Die Aussichten für die mittleren bis dunklen Honigsorten sahen dagegen zum Sommeranfang wieder süßer aus: „Als es im Juni dann wärmer geworden ist, hat sich das Bild sofort gewandelt“, erinnert sich Emmerig. Fleißig wie seine Bienen schleuderte er Ernte um Ernte. Zumindest der Sommerhonig war dank der steigenden Temperaturen gesichert und die Bienen konnten sich für den Winter versorgen – und für den jährlich wiederkehrenden Kampf mit dem Problemschädling Varroa-Milbe.

Mit höheren Kosten für die knappe, klebrige Masse müssen Honigliebhaber bei den beiden Imkern ihres Vertrauens jedoch vorerst nicht rechnen: „Das spielt bei mir keine Rolle, denn ich bin Kleinimker und verkaufe hauptsächlich an der Haustür“, sagt Hundschell. Sein Honigpreis bleibt also vorerst der Gleiche. In der großen Honigindustrie dagegen sorge die EU durch Ausgleichszahlungen dafür, dass der Preis nicht steil nach oben schießt, erklärt Hundschell. Doch auch für ihn geht es bei der Honiggewinnung mehr um die Liebe zum Hobby, als um Gewinnerzielung.

Hilfe für die Bienen: Imker raten den Menschen seltener ihren Rasen zu mähen

Und der Spaß an der Imkerei reißt nicht ab. So durften beide Vereine dieses Jahr mehrere neue Mitglieder begrüßen. Doch auch ohne eigene Bienenvölker kann jeder den Bienen etwas Gutes tun, erklärt Emmerig: Nämlich weniger Rasenmähen. „Auch wenn es von manchem als unschön empfunden wird, für Bienen sind Blüten viel wertvoller als ein gemähter Rasen“.

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