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Freuen sich auf den Start ins Ferienprogramm: v.l. Monika Neubauer, Beate Widl, Elisabeth Schmidt, Franziska Grossmann mit Tochter und Matthias Grasser. 

Forstinninger Ferienprogramm

Erfolgsmodell

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Was für eine Erfolgsgeschichte: Ende des Monats startet in Forstinning zum 20. Mal das Sommerferienprogramm des Vereins „Mach mit“.

Forstinning – Vor 19 Jahren also, im Jahr 1998, gab es die ersten Angebote an Kinder und Jugendliche, die in den Ferien daheim blieben. Das waren nicht wenige. Wer kann sich schon sechs Wochen Urlaub am Stück erlauben?

544 Anmeldungen hatte man damals notiert. Hochgerechnet bis heute kommt man so auf eine Zahl betreuter Ferienkinder von weit über 10 000. Eine Zahl, die eines zeigt: Die einstige Idee von Monika Neubauer und Elisabeth Schmidt, für den Monat August und die erste Hälfte des Septembers etwas für die Kinder daheim anzubieten, hat voll eingeschlagen.

Wer wüsste das besser zu bestätigen als die Kinder selber? Franziska Grossmann und Matthias Grasser sind zwei, die bei der ersten Auflage vor 19 Jahren als junge Schülerin und Schüler dabei waren. Heute sind sie junge Erwachsene. Grasser ist 27, Franziska Grossmann schon Mutter der zweijährigen Antonia. Im nächsten Jahr könnte sie also schon mitmachen bei einem der Angebote, die „Mach mit“ inzwischen auch ganz kleinen Forstinningern macht.

Aus gutem Grund, wie die Vorsitzende Monika Neubauer erklärt. Damit vermeide man den einen oder anderen Tränenausbruch – dann nämlich, wenn ältere Geschwister schon teilnehmen dürfen, der ansonsten noch zu junge Bruder oder die Schwester aber leider nicht.

Unsicher sei man damals noch gewesen, was überhaupt man den Buben und Mädchen anbieten könnte, berichten die beiden Ferienprogramm-Mütter in der Rückschau. „Wir haben das ausgesucht, was unsere Kinder damals interessierte“, gesteht Monika Neubauer. Und das war wohl keine schlechte Idee.

Matthias Grasser war damals acht, sein Bruder Martin neun, als beide das neue Angebot erstmals nutzen. „Mach mit“ hatte nicht gekleckert, sondern gleich richtig die Werbemaschine angeworfen, so war das Ferienprogramm quasi schon in nahezu jedem Forstinninger Haushalt bekannt. Matthias Grasser entschied sich damals u.a. für einen Tennis-Schnupperkurs. Im Freundeskreis gab es Buben, die das schon machten, erinnert sich Grasser. Beim weißen Sport blieb er am Ende nicht hängen, zurzeit ist Grasser erfolgreiches Mitglied der ersten VfB-Fußballmannschaft.

Kindern in den Ferien den Zugang zu anderen, ihnen teils noch fremden Sportarten zu eröffnen, blieb aber ein Konzept in Forstinning bis heute. Beate Widl, die den Arbeitskreis Ferienprogramm leitet, berichtet, dass manche Sportvereine inzwischen über eine ungenügende Nachwuchssituation klagten. Somit könne man gut mit einem entsprechenden Angebot dazu beitragen, hier den einen oder anderen zumindest mal zu interessieren für etwas, was nicht mit Fußball zu tun hat. Die angebotene Sportpalette ist inzwischen umfangreich: Tischtennis, Klettern, Inline, Skaten, Surfen, Tauchen, Rafting, Wasserski sind nur ein paar Beispiele.

Noch mehr als an seinen Ausflug ins Tennis erinnert sich Matthias Grasser aber an eine Nacht im Zoo. Und selbstverständlich ans Lagerfeuer, ein wiederkehrendes Erlebnis, das sich bis heute gehalten hat.

Nicht ungewöhnlich war schon vor 19 Jahren, dass die Mädcheninteressen von denen der Buben weit abwichen. Franziska Grossmann erinnert sich gut an einen Trommelkurs, den sie als Zehnjährige besuchte. Die zwei Jahre jüngere Schwester Simone war auch dabei. Später wurde aus dem kleinen Mädchen dann sogar eine Kursleiterin. Es ging um einen Theaterworkshop. Den gibt es heuer noch immer, geleitet aber inzwischen von Alexandra Tschernik und Carina Seidl. Die Hintergedanken aber haben sich auch hier nicht geändert: Wenn sich junge Menschen für das Theaterspiel begeistern lassen, bleiben vielleicht ein paar hängen beim örtlichen Verein. Schön wär’s jedenfalls.

Inzwischen ist die Gruppe der Mütter – und inzwischen auch mehr und mehr Väter – groß geworden, die sich als Organisatoren von Veranstaltungen eingebracht haben. Jemand hatte Beate Widl mal gesagt: In Forstinning gehörst du nicht dazu, wenn du nicht selbst einmal einen Kurs angeboten hast. Ganz so dramatisch wird es wohl nicht sein. Anfangs hatten Monika Neubauer und Elisabeth Schmidt mögliche Kandidaten förmlich noch auf der Straße angesprochen. Neubauer: „Und so läuft das heute noch teilweise“.

In diesem Jahr hat es die erste Anmeldewelle schon gegeben. 930 feste Anmeldungen liegen vor, 140 stehen auf einer Warteliste. Und das in nur zwei Tagen. War es in der Anfangszeit noch die Ausnahme, dass Buben und Mädchen gleich mehrere Termine in den sechs Ferienwochen wahrnahmen, so ist das heutzutage fast die Regel. Beate Widl berichtet von einzelnen Kindern, die heuer gleich zehn bis zwölf Teilnahmen gebucht haben. Damals, so vermutet sie, habe es womöglich noch mehr Möglichkeiten gegeben, sich am Ort mit anderen Kindern zu eigenen Unternehmungen zu organisieren.

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