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Kreative Drogen-Prävention: Gemeinde informiert Jugendliche am „Kifferbankerl“

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Von: Jörg Domke

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Am „Kifferbankerl“ mit dem QR-Code: Matthias Weigl, Ansprechpartner für soziale Fragen im Rathaus und Rupert Ostermair, Bürgermeister der Gemeinde Forstinning.
Am „Kifferbankerl“ mit dem QR-Code: Matthias Weigl, Ansprechpartner für soziale Fragen im Rathaus und Rupert Ostermair, Bürgermeister der Gemeinde Forstinning. © Jörg Domke

Die Gemeinde Forstinning im Landkreis Ebersberg bietet jugendlichen Cannabis-Konsumenten ein ungewöhnliches Aufklärungsangebot direkt an einem Konsum-Hotspot an.

Forstinning – Drogenkonsum unter Jugendlichen ist längst kein Problem der größeren Städte und Gemeinden mehr. Vor ein paar Monaten wurde Mitarbeitern im Rathaus Forstinning eher zufällig bekannt, dass zum wiederholten Mal Jugendliche aus der Gemeinde am nördlichen Rand des Ebersberger Forsts mit Drogenkonsum und Drogenhandel in Verbindung standen. Forstinning hat sich nun einen kreativen Weg überlegt, die Jugendlichen auf die Problematiken beim Cannabis-Konsum aufmerksam zu machen – direkt vor Ort am „Kifferbankerl“, einem Konsum-Schwerpunkt in der Gemeinde.

„Kifferbankerl“ in Forstinning: Anlass ist ein Fall vor Ort

Die Mutter eines betroffenen Jugendlichen hatte sich Matthias Weigl anvertraut, Ansprechpartner für soziale Fragen in Forstinning. Ihr Sohn hatte demnach nicht nur selber Cannabis konsumiert, sondern auch von regelmäßigem Drogenhandel an seiner Markt Schwabener Schule berichtet. Kein neues Problem für Weigl und seine Sozialarbeiterkollegen in der Nachbarschaft.

Der QR-Code am „Kifferbankerl“
Der QR-Code am „Kifferbankerl“ © jödo

Man habe direkt Kontakt zu einschlägigen Fachstellen und kompetenten Kollegen gesucht, berichtet Weigl. Darunter die Jugendbeamten der Polizei Poing, die Suchtprävention in Ebersberg, das Kreisjugendamt sowie die Sozialarbeiter an Markt Schwabener Schulen.

Polizei und Schulsozialarbeit sehen Anzeichen für Drogenprobleme

Polizei und Schulsozialarbeit sehen laut Weigl Anzeichen für einen aktuell regelmäßigen Konsum und Handel mit Drogen. Vom Gemeinderat hatten Sozialpädagoge Weigl und Bürgermeister Rupert Ostermair (CSU) den inoffiziellen Auftrag erhalten, das Thema im Ort öffentlich anzusprechen – und in den umliegenden Kommunen, da es wohl auch dort manifest sei. Das Ziel: durch geeignete Maßnahmen für das Thema zu sensibilisieren und mit den Nachbarn in möglicht engem Schulterschluss zusammenzuarbeiten.

Bürgermeister Ostermair sagt: „Wir wollen den angesprochenen Fall zum Anlass nehmen und gezielt über die teils schwerwiegenden Folgen von Drogenkonsum aufklären.“ Ein Plan ist laut Weigl etwa, Kontakt mit einem ehemaligen Drogenabhängigen aufzunehmen. Er soll in absehbarer Zeit in Schulklassen erzählen.

Sofortmaßnahme: QR-Code, der auf eine Info-Seite der Gemeinde verweist

Als eine Sofortmaßnahme ist die Gemeinde Forstinning öffentlichkeitswirksam am sogenannten Kifferbankerl tätig geworden. Gemeindeverwaltung und Gemeinderat hatten nämlich festgestellt, dass es im Dorf drei Treffpunkte gebe, wo sich Drogenkonsum speziell Jugendlicher abspiele. Etwa beim Biotop hinter dem Gemeinde-Bauhof. Auf einer dortigen Holz-Sitzbank prangt nun ein QR-Code. Wer ihn mit dem Smartphone scannt, wird automatisch auf Internetseiten und Kontakte zu lokalen Fachstellen verwiesen, die sich mit Drogenprävention und Suchthilfe beschäftigen. Aber es gibt auch Basisinformationen über Hanf und Cannabis, Hinweise auf gesundheitliche und psychische Folgen.

„Hi, wusstest du, dass...“, werden die Jugendlichen begrüßt. Es folgen Hinweise, dass Cannabis trotz des Status als „weiche Droge“ schwerwiegende Auswirkungen auf Psyche und Intelligenz haben könne. Dass es zwar medizinische Einsatzgebiete gebe, aber auch potenziellen Ärger mit der Führerscheinstelle, wenn man erwischt wird.

Immerhin rund 100 Klicks zum Start

Die Seite, betrieben, von der Gemeinde Forstinning, kann man auch so im Internet aufrufen. Sie heißt: kifferbankerl.de. Laut Weigl wurde sie in den ersten eineinhalb Monaten über 100 Mal angeklickt. Diese Art Präventionsarbeit gilt als bislang weit und breit einmalig. Ob der QR-Code ein Erfolgsrezept ist, muss sich noch zeigen.

Die Idee stammte ursprünglich aus Reihen des Forstinninger Gemeinderats. Eltern betroffener oder gefährdeter Jugendlicher raten Weigl und Ostermair einstweilen, sich vertrauensvoll an die vielfach zu Verfügung stehenden Fachleute im Landkreis zu wenden. Hinweise auf einen möglichen Drogenkonsum könnten das Nachlassen schulischer Leistungen sowie radikale Veränderungen innerhalb der Freundeskreise sein. Väter und Mütter sollten in solchen Situationen unbedingt ein offenes Ohr für die Kinder haben. Einen offenen Umgang zu pflegen sei das A und O, betonte Rupert Ostermair.

Kontakt und Beratung

Der Ansprechpartner für soziale Fragen im Rathaus Forstinning, Mathias Weigl, ist erreichbar unter Tel. (0 81 21) 93 09 25 oder E-Mail weigl@forstinning.de. Er rät beim Thema Drogenkonsum und Jugend zu diesen Kontaktstellen:

NEON Rosenheim ist eine Fachstelle, die auch oft im Landkreis Ebersberg Vorträge anbietet. www.neon-rosenheim.de/drogen/

Die Erziehungsberatungsstelle www.caritas-nah-am-naechsten.de/kjf-eltern-beratungsstelle-ebersberg

Caritas-Suchtberatung: www.caritas-nah-am-naechsten.de/fachambulanz-fuer-suchterkrankungen-ebersberg

Telefon: (0 80 92) 232 41 50 oder E-Mail: fachambulanz-ebe@caritas-muenchen.de

Gesundheitsamt Ebersberg: E-Mail: suchtpraevention@lra-ebe.bayern.de

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