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Christine Welsch will Jugendliche motivieren.  

Initiative in Forstinning

Jugendliche sollen sich in Lokalpolitik einmischen

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Christine Welsch aus Forstinning versucht, Jugendliche für Lokalpolitik zu begeistert. Das ist kein einfacher Weg.

Forstinning – Drei eigenrecherchierte Zahlen machten Christine Welsch stutzig. Die Wirtschaftsinformatikerin hatte mit Hilfe einer besonderen Software herausgefunden, dass auf der Homepage der Gemeinde Forstinning in den letzten vier Jahren 960 Mal irgendwas mit dem Thema Bau und Bauen auftauchte, das Stichwort Jugend allerdings nur dreimal vorkam. Und, dass der Altersdurchschnitt des aktuellen Gemeinderats bei derzeit 52 Jahren liegt. Das kann man nun so hin- und zugleich annehmen, dass es siedlungspolitische Schwerpunkte und in der Ortspolitik unterrepräsentierte Jugendliche auch in anderen Gemeinden im Landkreis Ebersberg und anderswo gibt. Die 38-Jährige ließ das alles aber nicht auf sich sitzen, sondern setzte sich daran, dieses Thema zu einem zweiminütigen Video zu verarbeiten und es über die Plattform YouTube ins Internet zu stellen.

Aufklärungsarbeit auf YouTube kommt an

Mit viel aufklärerischen Anmerkungen zum Thema Wahlen. Und mit einer ganz klaren Botschaft an alle jungen Leute in Forstinning: Es lohnt sich, sich einzumischen. Und zwar nicht nur unmittelbar vor Wahlen und, wenn man schon das aktive und passive Wahlrecht hat, eventuell auch als potenzieller Gemeinderatskandidat – sondern auch, wenn man noch deutlich unter 18 Jahre alt ist und Kommunalwahlen nicht gerade im allgemeinen Fokus stehen.

„Selbstbestimmt statt fremdbespaßt“ hatte die zweifache Mutter einen Vortrag genannt, zu dem sie, mit Unterstützung der örtlichen SPD, neulich ins Café Zeitschmiede einludt. Bis zum Veranstaltungstag hatten immerhin 250 ihr Video gesehen, in dem ebenfalls auf den Termin aufmerksam gemacht wird. Nur gekommen war dann niemand.

Keiner kommt zum Infonachmittag

Der Nachmittag sollte, soweit die Theorie, zunächst dazu dienen, herauszufinden, wo der sprichwörtliche Schuh drückt. Um danach möglichst unkompliziert ins lockere Gespräch zu kommen. Der Termin wäre zugleich ein erste Plattform gewesen, jungen Leuten davon zu erzählen, dass es sich lohnen kann, für eine Sache zu kämpfen, auch wenn das zu glauben vielen jungen Bürgern womöglich schwerfällt.

Das beste Beispiel, dass es doch geht, kann die engagierte Forstinningerin übrigens selber liefern. 1997 war es, als sie sich, damals noch ein Teenager, im badischen Mosbach erstmals politisch einsetzte. Es ging, erzählt sie, darum, einen Basketballkorb zu erhalten, den die Gemeinde hatte abbauen wollen, weil sich dort ein angeblich für die Allgemeinheit unliebsamer Treffpunkt der Dorfjugend entwickelt hatte. Christine Welsch wollte das verhindern, ließ sich in einen Jugendgemeinderat wählen, den es in Baden Württemberg bis heute gibt. Und sprach seither mit, wenn es um kommunale Entscheidungen ging. Später sogar auf Landesebene als Sprecherin der baden-württembergischen Jugendgemeinderäte.

Sogar im Bund war man schließlich auf das Mitbeteiligungsprinzip junger Bürger im Ländle aufmerksam geworden, erzählt die junge Frau, die seit nunmehr 18 Jahren Mitglied bei der SPD ist und seit zwei Jahren in Forstinning wohnt.

Christine Welsch engagiert sich seit Jahren für die Sache der Jugend

In Mosbach gibt es den Basketballkorb übrigens noch heute. Und in Forstinning sicherlich ähnliche Anliegen, von denen sie und ihre Mitstreiter gerne erfahren hätten. Methoden, wie man es doch noch hinbekommt, die Jugend ein wenig näher an handfeste Politik zu bringen, glaubt die Neuforstinninger jedenfalls zu kennen. Sie verweist etwa auf bestehende und schon bewährte politische Plan- und Rollenspiele. Fordert aber zugleich auch innerhalb der bestehenden Gemeinderäte ein, grundsätzlich offener zu werden, eine andere Diskussionskultur zu pflegen, neue Medien zu nutzen und insgesamt wesentlich transparenter zu werden.

Politische Verdrossenheit bei jungen Leuten, sagt die 38-Jährige, könne sie jedenfalls mit Blick auf Friday for Future, Greta und Blogger wie Rezo (der blauhaarige junge Mann, der unlängst die CDU auf Bundesebene mit einem You-Tube-Video herausforderte) nicht erkennen. Im Gegenteil: Die Jugend stehe mehr denn je zu ihren Werten. Ob das in Forstinning anders sei, könne sie aber nicht bewerten. Noch nicht.

Christine Welsch jedenfalls will sich auch nicht durch den Rückschlag neulich entmutigen lassen. Und, wenn die Wahl Geschichte sein sollte, einen neuen Anlauf unternehmen. Vielleicht startend mit einer Party und dann hoffend, dass sie so was wie ein Schneeballeffekt einstellt. „Es geht darum, herauszufinden, was gewollt ist und darum, danach zu sehen, was aus eigener Kraft umgesetzt werden kann“, sagt sie. An ihrem Video kann es nicht gelegen haben. Auf Facebook ist es durchweg positiv kommentiert worden.

Hier ist das Video von Christine Welsch

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