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Christophe Rude (mit seiner Tochter) und Mathias Weigl bieten eine Orientierungshilfe für junge Leute an, die sich einen Beruf suchen. 

Angebot speziell für junge Leute

Augen auf bei der Berufswahl

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Wie  man sich philosophisch der Frage annähert, welchen Beruf man einmal ergreifen soll, erklären Christophe Rude und Kollegen aus Forstinning. 

Forstinning – Woher weiß ich eigentlich, was ich studieren oder arbeiten soll? Wer oder was bestimmt meine Entscheidungen? Und was ist überhaupt wirklich wichtig im Leben? Drei Fragen, deren Beantwortungen sich junge Leute irgendwann einmal im Leben stellen müssen.

Viele junge Leute verlassen sich dabei, so scheint es, auf das, was in der Schule an Berufsorientierung passiert oder bei der Berufsberatung in der Agentur für Arbeit. Manche finden gar ohne externe Unterstützung den Weg zur letztlich richtigen Entscheidung. Die allermeisten Angebote an junge Leute vor Beginn ihrer beruflichen Laufbahn aber greifen zu kurz, da sind sich Christophe Rude und Mathias Weigl einig. Genau deshalb wollen die beiden Forstinninger demnächst eine Workshopreihe gezielt für junge Menschen anbieten.

Start ist am 28. April. Weitere Termine gibt es am 5. und 12. Mai, jeweils ab 15 Uhr, im Rupert-Mayer-Haus. Zum Abschluss folgt noch ein Elternworkshop mit dem Thema „Dein Berufsweg - unsere Entscheidung?“ am 17. Mai, um 20 Uhr, im Café Zeitschmiede in der Mühldorfer Straße neben dem Rathaus.

Mit Rude, der zusammen mit seiner Kollegin Kathrin Nüßlein als Referent zur Verfügung steht, und Weigl kümmern sich Fachleute um ein wirklich wichtiges Thema, mit dem irgendwann einmal jeder junge Mensch konfrontiert sein wird. Rude, 39, hat selbst lange Jugendarbeit im Sport und der Politischen Bildung gemacht, hat Politikwissenschaften und Philosophie studiert und leitet seit 2013 die in München ansässige „Akademie Kinder philosophieren“, eine Einrichtung in Trägerschaft des Bildungswerkes der bayerischen Wirtschaft. Weigl ist Sozialer Ansprechpartner in den Gemeindeverwaltungen Forstinning und Forstern.

Beide sind Forstinninger und kennen sich schon seit Jahren. Unter anderem haben sie beim Wertebündnis Bayern zusammengearbeitet. Das ist ein Netzwerk von Organisationen, Stiftungen und Verbänden, das sich um die Wertebildung bei Kindern und Jugendlichen außerhalb des normalen Schulbetriebes kümmert.

Um Urteilskraft, erklärt Rude, gehe es dabei. Aber nicht in der Form, dass den jungen Leuten gesagt werde, was gut und was schlecht sei, also die klassische Wertevermittlung mit dem erhobenen Zeigefinger. Der Ansatz zielt vielmehr in die Richtung, dass die Jugendlichen im Idealfall eigenständig erkennen und dann auch leben, welche Werte in bestimmten Situationen gut sind und welche nicht.

Beim Thema Berufswahl, so der zweifache Familienvater, stecke nach seiner Erfahrung stark auch das Thema Werte drin. Sein Ansatz: Die Schüler zu sensibilisieren in der Frage, was ihnen bei der Berufswahl wichtig ist. Rude: „Da geht es zum Beispiel um die Fragen: Wie wichtig ist mir Familie? Was erwarte ich von meinem Leben? Wo und wie viel will ich arbeiten?“ Und Weigl ergänzt: „Den jungen Leute soll bewusst werden, wie sie selber ticken. Wir wollen, dass die Teilnehmer nachher besser wissen, wonach sie suchen sollen“.

Beiden ist klar, dass nach drei bis vier Workshop-Terminen nicht jeder direkt sagen kann: „Jawohl, jetzt weiß ich es“. Wenn es aber gelinge, Gedankenanstöße zu geben und den Jugendlichen die Wichtigkeit des Themas bewusst zu machen, sei die Initiative aus ihrer Sicht schon erfolgreich.

Die normal gängigen Angebote an die jungen Leute könnten das allein nicht leisten. Im Gegenteil: Das G 8 etwa, so Christophe Rude kritisch, biete viel zu wenig Gelegenheit für derartige Berufsorientierung. Nach dem Abitur fehle es dann an Kenntnis über sich selbst, an realistischer Selbsteinschätzung und am Wissen über die verschiedenen sich bietenden Alternativen.

Manches, so ergänzt Weigl, leisteten dagegen immerhin Vereine und Verbände, wie es sie gottlob noch viele gebe in den Gemeinden. Er spricht dabei von Kompetenzen wie Teamgeist, Kooperationsbereitschaft oder das Finden von Problemlösungsstrategien.

In Forstinning wird der Berufsorientierungsworkshop erstmals angeboten. Wer Interesse hat, sollte sich umgehend bei Mathias Weigl unter (0 81 21) 93 09 25 oder per Mail unter weigl@forstinning.de anmelden. Es sind noch ein paar Plätze frei. Die Teilnahmegebühr beträgt 25 Euro. Gesponsert wird die Aktion von der „Akademie Kinder philosophieren“ und den örtlichen Firmen Frisch und Hörndl.

Internet

www.kinder-philosophieren.de

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