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Ein Plakat macht den Protest deutlich entlang der Ebersberger Straße in Schwaberwegen. Es gibt aber im Ortsteil auch ganz andere Ansichten; und neuerdings einen neuen Verein.

Umstrittene Westumfahrung für Schwaberwegen

Neuer Verein will „No-Go-Klima“  schaffen

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Nach Infoabend und Bürgerversammlung im vergangenen Jahr war es um das Thema Schwaberwegener Ortsumfahrung vergleichsweise ruhig geworden. Aber nur bei oberflächlicher Betrachtung. Neu sind inzwischen aufgehängte Plakate; und einen neuen Verein gibt’s auch.

Forstinning – Ludwig Seebauer, Anlieger aus der Buchenstraße im Ortsteil Schwaberwegen, wollte es Mitte Januar genauer wissen. 16 mit erkennbarer Mehrheit bestätigte Bürgeranträge hatte der Arzt im Verlauf der Forstinninger Bürgerversammlung am 24. November vergangenen Jahres gezählt. Die meisten davon bezogen sich auf die von vielen als unerträglich empfundene Verkehrssituation in Schwaberwegen; speziell in der Ebersberger Straße. „Was ist aus den Anträgen geworden?“, wollte Seebauer nun wissen. Und schrieb Bürgermeister Rupert Ostermair einen entsprechenden Brief; verbunden mit der Bitte um eine Beantwortung innerhalb von zwei Wochen.

Eine entsprechende Rückantwort erhielt Seebauer auch. Zwar mit leichter Verspätung, aber immerhin. Dabei bezieht sich Ostermair auf die Dezember-Gemeinderatsitzung, in der er im öffentlichen Teil zu einigen Bürger-anregungen bereits Stellung bezogen habe. Ansonsten verweist der Rathauschef darauf, die von Anliegern angesprochenen Punkte an die zuständigen Behörden im Landratsamt sowie an das Staatliche Bauamt Rosenheim weitergeleitet zu haben. Abschließend bittet Ostermair, auf Sachstandsinformationen in den weiteren öffentlichen Ratssitzungen sowie auf das gemeindliche Mitteilungsblatt zu achten.

Was besonders auffiel in dem Seebauer-Brief ans Rathaus: Der Absender hatte die Anfrage nicht als normaler Bürger und Betroffener weggeschickt, sondern unterschrieben als Vorsitzender der Bürgerinitiative St 2080-Schwaberwegen und Moos als einem „Verein in Gründung“. Vollzogen übrigens auf einer Versammlung am 29. Januar in Schwaberwegen. „Lediglich die Eintragung ins Vereinsregister stehe noch aus“, sagt Ludwig Seebauer. Man warte darauf.

Aus einem über Jahre hinweg bestandenen lockeren Verbund von Bürgern ist also ein Verein mit derzeit 15 Mitgliedern geworden, dessen Ziele und Zwecke in der Satzung klar formuliert sind. In § 2 heißt es; Zitat: „1. Ziel des Vereins ist der Schutz und die Erhaltung von Umwelt und Natur, einer lebenswerten Umgebung sowie die Vermeidung von Wald- und Landverbrauch im Umfeld von Schwaberwegen und Moos.

2. Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke...

Diese werden insbesondere erreicht durch:

• Förderung des Naturschutzes und der Landschaftspflege,

• Erhalt der Schwaberwegener und Mooser Natur- und Kulturlandschaft,

• Verbreitung von Informationen zur Staatsstraße 2080 (St 2080) und beabsichtigten Ortsumgehungen an die Allgemeinheit,

• Förderung von Initiativen gegen Wald- oder Naturzerstörung, wie zum Beispiel Ortsumgehungen der St 2080 durch den Ebersberger Forst oder Teilen davon,

• Beiziehung und Beauftragung von Experten, besonders von Naturschutzfachleuten, Fachanwälten u. ä., zur fachlichen und rechtlichen Beratung und Vertretung in allen anstehenden Verwaltungsverfahren bis zum Abschluss von Planfeststellungsverfahren,

• finanzielle Unterstützung von Klageverfahren und Eilanträgen gegen dem Vereinszweck widersprechende Planfeststellungsbeschlüsse zu Ortsumgehungen der St 2080 oder ähnlichem.“

Kurzum: Dem neuen Verein, Sitz ist übrigens die Schwaberwegener Privatadresse Seebauers, geht es darum, die in seinen Augen völlig falsche Planung einer Ortsumgehung für Schwaberwegen und Moos, so wie sie von den Rosenheimer Straßenbauexperten im vergangenen Jahr im April im Pfarrheim vorgestellt wurde und auf deren Grundlage derzeit das Planfeststellungsverfahren vorbereitet werden soll, mit allen Mitteln zu verhindern. Durch eine westliche Umfahrung der St 20 80 durch den Forst (Bannwald) und durch landwirtschaftlich genutzte Flächen im weiteren nördlichen Verlauf werde auf zwei Hektar wertvoller Wald zerstört. Der Nutzen dieser Maßnahme stehe, so Seebauer und seine Mitstreiter, in keinem Verhältnis zu dem ökologischen Schaden, der mit einer solchen Straße angerichtet werde.

Darauf öffentlich immer wieder aufmerksam zu machen, sei das Hauptziel, so Richard Paul, Anlieger aus Moos und einer der Unterstützer des Vereins. Paul und Seebauer sind sich sicher, nach intensiver Lektüre auch alter Akten zu dem Dauerthema Schwaberwegen nach wie vor auf der richtigen Seite zu sein. Von weit zurückliegenden, eklatanten Planungsfehlern sprechen sie beispielsweise. Davon, dass die Folgen von geschaffenem Wohnraum nahe der Ebersberger Straße einst völlig falsch eingeschätzt worden seien.

Dass die Belastungen der direkten Anlieger an der Ebersberger Straße zwischen Ortseingang und der Schwaberwegener Kreuzung riesengroß seien, stellen die erklärten Gegner der Westumfahrung dabei überhaupt nicht in Abrede. Nach wie vor spricht sich der Verein, vormals die Bürgerinitiative, für eine Umfahrung Schwaberwegens aus, aber auf einer östlich verlaufenden Trasse. Die sei zwar womöglich teurer, schaffe aber langfristig weniger Probleme. Problem nur hier ist: Diese Straße würde Schwaberwegen vom Hauptort Forstinning trennen, weshalb sie im Gemeinderat nicht mehrheitsfähig ist.

Noch besser sei aus Sicht der Initiatoren eine von der Bürgerschaft im Raumordnungsverfahren 1985 als sogenannte Nulllösung angeregte Variante. Warum die nicht mehr zum Tragen kommt, da gibt es innerhalb des neuen Vereins zumindest Vermutungen. Eine lautet, dass die Westumgehung nicht nur dazu herhalte, Schwaberwegener Verkehrsprobleme lösen zu wollen, sondern zugleich auch dazu dienen könne, die Tür für eine Gewerbegebietserweiterung in Moos weiter zu öffnen. Die Erschließung könne dann, so die Sorge, unmittelbar über die neue Ortsumgehung erfolgen.

Ludwig Seebauer vermutet, dass es mittel- bis langfristig nicht bei dem jetzigen Umgriff des Gewerbegebiets Moos bleiben, sondern dass es deutlich größer werde. Er verweist, wie er sagt, auf gewisse „Ungereimtheiten“. Zitat: „Auch die Gemeinde Forstinning war über Jahrzehnte hinweg stets entschieden gegen diese westliche Ortsumgehung; 2016 fiel sie dann um – ganz offensichtlich nur wegen einer mit der Ortsumgehung verbundenen Gewerbegebietsausweitung und vieler Euros.“

Zusammen mit den anderen Vereinsmitgliedern hat man sich zur Aufgabe gemacht, ab sofort entsprechenden Druck aufzubauen und eine Westumfahrung in der allgemeinen Wahrnehmung zu einem „No-Go“-Thema zu machen. Nächster Schritt nach der bislang im Verborgenen durchgeführten Vereinsgründung: Eine Plakat- und Protestaktion am Samstag, 11. März, ab 12 Uhr, am Schwaberwegener Hauptgeräumt. Erreichbar, wenn man von Ebersberg kommt, gleich hinter dem Ortseingangsschild nach links abbiegend in den Wald.

Internet

www.2080-Forstinning.de

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