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Besonderheit in Forstinning: Viele alte Stammbuchdaten besitzt die örtliche Pfarrei auf Mikrofilm. Der einstige Dorflehrer und Heimatforscher Josef Polz hatt sie organisiert. Inzwischen ist vieles digital im Netz zu finden.

Matrikelbücher der katholischen Pfarreien online einsehbar

Ahnenforschung ist eine Geduldsprobe - wird aber einfacher

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Das macht die private Ahnenforschung ein bisschen leichter. Jetzt kann man am eigenen PC nachschlagen und fündig werden.

Forstinning/Markt SchwabenSeit ziemlich genau zwei Monaten kann in den Archivbeständen des Erzbistums München und Freising von jedem PC oder Mobilgerät mit Internetanschluss und Browser kostenfrei recherchiert werden. So steht es ganz groß auf der Homepage unter der Bezeichnung „digitales-archiv.erzbistum-Muenchen.de“. Und noch viel mehr Hintergründe sind dort zu finden. Zum Beispiel, dass die hier angepriesene Online-Präsentation eine systematische Übersicht aller Bestände beinhaltet. „Zu rund der Hälfte der Bestände werden auch Findbücher angeboten, bei einer Reihe wichtiger Bestände, darunter die vielfach nachgefragten Matrikeln, schließlich auch die digitalisierten Archivalien.“

Rund vier Millionen Seiten

Gestartet wurde das Digitalangebot mit einem Grundbestand im Umfang von rund vier Millionen Seiten. In den nächsten Jahren steigt die Zahl dieser Digitalisate, wie es heißt, auf gut sieben Millionen Seiten. Quasi jede Gemeinde im Erzbistum ist vertreten. Wir machten die Probe aufs Exempel und baten Elfriede Gindert, eine Markt Schwabener Gemeinderätin mit tiefen Forstinninger Wurzeln, zusammen mit Diakon Hans Dimke und der Heimatzeitung ein wenig den eigenen Stammbaum mithilfe des neuen elektronischen, aber auch des herkömmlichen Angebots für Forstinning zu vervollständigen.

Die archivierten Dokumente in Forstinning gehen zurück auf das 17. Jahrhundert. Die Bücher für die Zeit zwischen 1900 und 1936 stehen dabei sogar am Ort im Original zur Verfügung, die neueren Dokumente sind nicht digital archiviert. Die Forstinninger Besonderheit: Örtliche Datensätze über einen längeren Zeitraum sind auch mikroverfilmt worden. Auf Betreiben des früheren Lehrers und Heimatforschers Josef Polz sind sie an Ort und Stelle sicher aufbewahrt worden. Ein Schatz also für jeden, der sich hier auf die Suche nach Ahnen und Urahnen machen möchte.

Man muss viel Zeit mitbringen

Doch das Unterfangen ist, trotz (oder gerade wegen) der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Matrikelbücher, nicht einfach. Was die katholische Pfarrei Forstinning angeht, stehen sogenannte Mischbücher zur Verfügung, dazu Unterlagen zu Taufen, Trauungen und Sterbebücher. Wer also tief in die eigene Familiengeschichte eintauchen will, muss viel Zeit mitbringen, muss mitunter in allen dieser Werke zugleich stöbern und sollte unbedingt vertraut sein mit alter deutscher Schrift, auch Sütterlin genannt (siehe Infokasten).

Elfriede Gindert mit Diakon Hans Dimke.

Machen wir also die Probe aufs Exempel: Als Elfriede Mangstl kam die heutige Marktgemeinderätin am 22. Dezember 1961 in Forstinning zur Welt. Die kirchliche Bestätigung dazu ist schnell gefunden im Originalbuch. Und man staunt gleich mal, wie viele Details noch eingetragen wurden. Der Vater: Josef, die Mutter heißt Maria. Dass sie am 24. Januar 1953 geheiratet haben. Und dass Elfriede die fünfte Geburt ist, über die sich der Eheleute Mangstl freuen durften. Ja, sogar der Name der Hebamme ist vermerkt; und dass die Geburt um 17.31 Uhr stattfand.

Pfarrer Martin Wagner, so erfahren wir, hat Elfriede dann am 7. Januar 1962 um 14.30 Uhr getauft. Die Paten werden genannt. Und zu einem späteren Zeitpunkt wurde gleich auch noch ergänzt, dass Elfriede am 25. Juni 1974 durch Kardinal Döpfner gefirmt wurde und später in Markt Schwaben heiratete.

Zwei der zahllosen Spalten ihres Eintrags sind frei geblieben – und werden es wohl auch bleiben: Die für einen etwaigen Kirchenaustritt und die für eine Weihe.

Stammbaum der Familie

Von hier aus ist es noch leicht, den Stammbaum der Familie weiter zu verfolgen. Ein Register hilft. Und es dauert nur wenige Momente, und Hans Dimke findet zusammen mit Elfriede Gindert Hinweise in den Matrikelbüchern auf die Eltern. Und auf die Großeltern. Eine Oma ist Anna Mayr, geboren 1891.

Doch nun wird es komplizierter. Weder die Markt Schwabenerin noch der Diakon noch der EZ-Redakteur können entziffern, wo Oma Mayr geboren wurde. Das ist, sagt Hans Dimke, nicht untypisch. Je älter die Dokumente werden, um so schwieriger wird es im Original wie auf dem Mikrofilm, die Schriftsätze zu entziffern. Wenn dann auch noch ein Register fehlt, wird die Recherche nach dem passenden Eintrag erst recht zu einem Vorgang wie die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. „Man muss schon starke Nerven und viel Zeit mitbringen“, weiß Dimke, der bislang aber noch nicht sonderlich viele Gäste im Pfarrhaus hatte, die sich mit Ahnenforschung befassten.

Von zwei bis drei Fällen pro Jahr erzählt er. Zumeist kamen die Interessenten aus Ottenhofen, weil die Gemeinde bis 1920 kirchlich noch zu Forstinning gehörte.

Kind stirbt an Rachitis

Inzwischen haben Gindert und Dimke einen Kaspar Mayr ausfindig gemacht, geboren am 18. April 1810 und der Ururopa mütterlicherseits. Noch ein wenig älter ist ein Eintrag vom 19. April 1798, hier wird die Geburt der Ururgroßmutter Elisabeth (vermutlich) Windhuber angezeigt. Und es braucht nochmals nur ein paar Minuten, und dann ist auch jemand gefunden, der der Onkel von Elfriede Gindert gewesen wäre, wäre er nicht schon nach ein paar wenigen Monaten verstorben. Lorenz Mayr kam am 11. Dezember 1912 in Forstinning auf die Welt; als älterer Bruder ihrer Mutter Maria. Der Bub starb aber schon am 22. März 1913 an Rachitis, wie es aus dem amtlichen Kircheneintrag hervorgeht. Elfriede Gindert kannte bis dahin einen Sterbetermin im April.

Bis hierher halfen bei den Recherchen im Stammbaum der Familie Mangstl die Originalbücher, die im Pfarrhausunter Verschluss gehalten werden. Auf das nunmehr online zur Verfügung stehende Material wurde bei der Probe noch gar nicht zurückgegriffen. Also jenes digitale Archiv, das jedermann jederzeit zur Verfügung steht. Der Aufbau dieses Archivmanagementsystems erfolgte in einem Projekt ab 2012, teilt das Erzbistum dazu mit. Das Erzbistum ist damit nach eigenen Worten die erste deutsche Diözese, die über ein funktionierendes Digitales Archiv für genuin digitale Unterlagen verfügt („digitale Langzeitarchivierung“).

Mit seinem integrierten System von digitaler Archivierung, Archivmanagement und Online-Stellung nimmt das Archiv des Erzbistums eine führende Position in der deutschen Archivwelt ein. Das älteste Dokument ist eine Urkunde Bischofs Otto I. von 1147, alle historischen Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher der Erzdiözese oder die älteste Bistumsbeschreibung von 1315.

Mit der Eröffnung des Digitalen Archivs ermöglicht das Erzbistum nach eigenen Angaben eine zeitgemäße Nutzung seiner Archivalien etwa für die Familien- und Ortsgeschichtsforschung und zugleich die dauerhafte Überlieferungssicherung von Unterlagen, wie sie in der auf digitale Aktenführung umgestellten Verwaltung entstehen.

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