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„Macht einen auf Dauer fertig“: Beliebte Metzger schließen ihr Geschäft

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Von: Friedbert Holz

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Geben ihr Geschäft auf: die Metzgermeister Franz (li.)  und Hans Scherl.
Geben ihr Geschäft auf: die Metzgermeister Franz (li.) und Hans Scherl. © J.Dziemballa

Traurige Nachricht für Forstinning: Die Metzgerei Scherl schließt zur Monatsmitte. Franz und Hans Scherl wollen und können nicht mehr. Ihnen reicht die Schufterei auf Kosten der Gesundheit.

Forstinning – Wenn die beiden Brüder Franz und Hans Scherl am Mittag des 13. August die Ladentüre ihrer Metzgerei zusperren, wird definitiv Schluss sein mit diesem bekannten und beliebten Geschäft in der Ortsmitte. „Es ist körperlich wie auch mental jetzt genug“, erklärt Franz, mit 63 Jahren der ältere der beiden Metzgermeister. Der fünf Jahre jüngere Hans sieht es genauso. Damit entfällt ein wichtiger Nahversorgungs-Betrieb in Forstinning, künftig sollen dort Mietwohnungen entstehen.

Sie kamen mit ihren Eltern aus dem kleinen Ort Bruch in der Oberpfalz 1966 nach Forstinning, denn ihr Vater, auch Metzger, hatte in seiner Heimat ein eigenes Geschäft kaufen wollen. Als sich dieser Wunsch dort aber nicht erfüllen ließ, fand er als Alternative jenes Gebäude gegenüber der Kirche, in dem sich auch noch ein Friseurgeschäft befindet. „Damals gab’s auch noch ein kleines Wirtshaus hier“, erinnern sich die Brüder, „aber nur für wenige Gäste, bis etwa zum Jahr 1996“.

Metzgerei Scherl schließt: „Es ist körperlich wie auch mental jetzt genug“

Beide wuchsen hier am Ort auf, besuchten die Schule, mussten schon früh im elterlichen Betrieb mithelfen. „Ich stehe jetzt seit gut 50 Jahren in Gummistiefeln, das ging an meinen Füßen nicht spurlos vorüber“, schildert Franz Scherl ein berufstypisches Syndrom. Am 1. Januar 1988 hatten die Brüder die Metzgerei vom Vater übernommen und eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet.

„Zuvor waren wir bei der Bundeswehr, haben an verschiedenen Stellen in Oberbayern gelernt und schließlich als Meister und Betriebswirte abgeschlossen. Zuletzt hatten wir sieben Angestellte hier im Betrieb, davon zwei Teilzeitkräfte. Aber während der Pandemie-Zeit blieben uns nicht alle erhalten, so wollte etwa eine Verkäuferin nicht mit Maske arbeiten“, erklären die beiden.

So schön Selbständigkeit sei, so hart wirke sie sich aber auch aus, schildert Hans Scherl: „Wir hatten hier normalerweise eine Siebentage-Woche, mit mindestens 70 Stunden Arbeit, das macht einen auf Dauer fertig. Im Lockdown war es besonders heftig, teilweise hatten wir noch mehr Arbeit, zudem musste das ganze System am Laufen gehalten werden“.

Beliebte Metzgerei schließt: Alt genug, um ans Aufhören zu denken

Jetzt, so sagen beide, hätten sie ein gewisses Alter erreicht, in dem der Gedanke ans Aufhören durchaus angebracht sei. Und so beschlossen sie schon im vergangenen Jahr, nun Mitte August einen Schlussstrich zu ziehen. Dieses Datum habe sich vor allem aus den diversen Kündigungsfristen für ihre Mitarbeiter so ergeben. Was ihren Entschluss, nicht mehr weiter zu machen, bekräftigt hatte, war die auch die Situation am Markt.

„Wir als gelernte Metzger haben den Anspruch, unseren Kunden gute Ware zu liefern. Das wird heutzutage immer schwieriger, weil doch manche lieber billiger beim Discounter kaufen wollen, teilweise ohne Berücksichtigung der nicht immer vergleichbaren Qualität. Die Preise, die dort aufgerufen werden, können wir nicht parieren: Zum Preis eines marinierten Schweinenacken-Steaks beispielsweise, grillgerecht für den Kunden verpackt, bekommen wir nicht einmal unser Basis-Fleisch, die Marinade ist noch gar nicht berücksichtigt“, rechnet Franz Scherl frustriert vor.

Leider, so beklagen beide, gehe derzeit alles nur noch über den Preis. Sie haben zwar Verständnis dafür, dass immer mehr Kunden aufgrund von Inflation und höheren Energiekosten weniger für Lebensmittel ausgeben können. „Dabei haben aber auch schon vor diesen neuen Problemen viele nur wenig Wert auf gutes Fleisch gelegt – da sind wir Deutsche, trotz hoher Kaufkraft, am Ende jener Ländertabelle in Europa, was generell Ausgaben für Lebensmittel angeht.“

Metzgerei Scherl schließt: Friseur im Haus bleibt erhalten

Sie wissen, dass die Gemeinde sie und ihr Geschäft gerne am Ort halten würde. Doch sie verfolgen eine andere Idee, wollen, wenn Genehmigungen dafür da sind, einige Mietwohnungen in ihrem dann umgebauten Haus anbieten.

„Das Friseurgeschäft aber bleibt erhalten“, erklärt Franz Scherl, „und mein Sohn Alexander, jetzt 26 Jahre alt und ebenfalls Metzger, wird anderswo arbeiten“. Er selbst aber freut sich auf Freizeit.

„Bisher war es doch so“, ergänzt sein Bruder Hans, „dass wir bei drei Wochen Betriebsruhe immer noch ein paar Tage arbeiten mussten, um nicht alles still zu legen. Und kurz vor der Wiedereröffnung war wieder alles für den Verkauf vorzubereiten“. Nun aber gönnen sie ihren geschundenen Beine erst einmal entweder Ruhe oder erholsame Wanderschritte.

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