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Richard Hörl, Heinz Utschig und Rupert Ostermair schauen betrübt auf den Anfang des Müllhaufens, der am Naturlehrpfad aus dem Forst geholt wurde. 

Müllberge am Forstinninger Waldlehrpfad

Jetzt wird überwacht

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Es reicht! Um den Vandalismus und Müllablagerungen am Forstinninger Waldlehrpfad einzudämmen, will die Bayerischen Staatsforsten Kameras installieren.

 Forstinning – Mit unerlaubten Abfallentsorgungen, juristisch geht es um Ordnungswidrigkeiten, hat man im Staatsforstbetrieb Wasserburg gottlob nicht allzu oft zu tun. Sagt dessen Leiten Heinz Utschig. Zum Zuständigkeitsbereich seines Betriebs gehört auch der Ebersberger Forst. Neu ist daher, dass man sich derzeit in Wasserburg doch mit einem Vorgang aus dem Forst zu befassen hat, der juristisch zwar immer noch („nur“) eine Ordnungswidrigkeit darstellt, aber längst den Unmut insbesondere von Richard Hörl erzeugt hat.

Der hat in liebevoller Detailarbeit und unter Einsatz von ganz viel Zeit und auch eigenem Geld einen Waldlehrpfad aufgebaut, der sich bei vielen Forstinningern (und darüber hinaus) großer Beliebtheit erfreut. Das Ganze befindet sich am Nordrand des Forstes nahe Forstinning, aber streng genommen auf gemeindefreien Gebiet. Dieser Lehrpfad, zu dem auch einige aus Holz zusammengenagelte Behausungen mit Infokästen zur klassischen Waldthemen gehören, ist nun schon zum wiederholten Male Ziel von Unbekannten geworden. Von Zeitgenossen, die dort mindestens dreimal Party feierten und alles, was dabei so an Abfall anfällt, nicht nur im Wald liegenließen, sondern es auch noch auf einen Umkreis von mindestens 400 Quadratmetern verteilten, wie Hörl jetzt berichtete.

Erstmals war der „Ort der Stille“, wie eine der Holzhütten genannt wird, im Mai vergangenen Jahres Schauplatz einer solchen Feier. Die damals zertrümmerten Flaschen hat Hörl, zugleich ein über die Landkreisgrenzen bekannter und geschätzter Bienenzuchtexperte, noch zähneknirschend beseitigt. Schließlich sollten die oft bei ihm zu Besuch kommenden Schüler nicht gleich Gefahr laufen, sich bei ihm zu verletzen. Im vergangenen Sommer aber bekam der Lehrpfad ein zweites Mal ungebetenen Besuch. Worauf der Forstinninger Naturliebhaber erstmals die Polizei Poing verständigte. Die tat ihrerseits das Nötigste, nahm den Vorgang auf und leitete alles weiter ans für gemeindefreie Areale zuständige Landratsamt. Mehr konnte man nicht tun, auch wenn Hörl, so scheint es, mitunter denken mag, dass man nicht mehr tun wollte. Täter jedenfalls konnten nicht ermittelt werden.

Kurz vor Weihnachten wurde die Naturerlebnisstätte ein drittes Mal Schauplatz einer Party. Und das machte Hörl nur erst richtig zornig. Zusammengetragen wurden inzwischen Dutzende geleerte oder nicht einmal geöffnete Bierflaschen, Wodkaflaschen, Sektflaschen, Chipstüten, Pizzaverpackungen eines Homeservice, Plastikflaschen, Lebensmittelreste, Pappbecher. Kurzum: Müll, der so gut wie keine Hinweise auf die gibt, die ihn einfach im Wald hinterließen.

Gefunden wurden aber auch eine Streifenkarte des MVV sowie Geschenkpapier, das mit den Namen „Melly“ bzw. „Mieszko“ beschrieben wurde. Laut Hörl gebe es auch einen Einkaufszettel in kyrillischer Schrift. Alles aber (leider wohl noch immer) zu wenig, um weitere Ermittlungen anstellen zu können, die auch erfolgversprechend seien, wie die Polizei Poing dem erbosten Hörl sowie Forstbetriebsleiter Heinz Utschig und Forstinnings Bürgermeister Rupert Ostermair bei einem Ortstermin im Bauhof der Gemeinde Forstinning jetzt mitteilte. Dort hatte man jetzt einmal das gesamte Müllaufkommen der Vorweihnachtsfeier zusammengetragen und gemeinsam beraten, wie weiter vorgegangen werden soll, um einem vierten Müll-Sündenfall vorzubeugen.

Chancen, bei solchen Delikten überhaupt etwas herauszufinden, seien sehr gering, sagen die Ordnungshüter. Einfach so gefallen lassen wolle man sich das alles aber dennoch nicht, so Heinz Utschig, der sich nun mit dem Landratsamt zusammentun will, um gemeinsam eine Videoüberwachung zu installieren.

Zu früheren Zeiten, erinnert sich Hörl, habe es schon einmal einen ähnlichen Fall gegeben, bei dem vier Forstinninger Jugendliche als Täter ermittelt werden konnten. Rund 500 Euro Schaden hätten sie damals angerichtet. Nachdem sich ihre Eltern eingeschaltet hatten, wurde schließlich alles wieder in Ordnung gebracht. Dass man diesmal den Verursachern habhaft wird, wünscht sich Hörl wieder. Gerne würde er ihnen eine exklusive Waldführung anbieten, sogar kostenlos. „Damit die mal sehen, was sie mit ihrem Verhalten anrichten und wie sehr sie die Natur kaputtmachen.“

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