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Wohnzimmeratmosphäre: (v.l.) Andreas und Anton Löffl mit Moderatorin Monika Dimitriakopoulos.  

Erzählcafé

Beruf Müller: Nur was für ganz Eigenwillige

„Wenn ich noch einmal wählen könnte, würde ich wieder Müller werden.“ Mit diesem Bekenntnis   begeisterte Anton Löffl die rund 50 Zuhörer im „Erzählstüberl“ des Mach-mit-Vereins.

Forstinning – Anton und sein Sohn Andreas Löffll  standen Moderatorin Monika Dimitriakopoulos zur Geschichte der Löffl-Mühle zwischen Forstinning und Markt Schwaben Rede und Antwort, überraschten das Auditorium mit bisher unbekannten Details.

„Einst gab es zwischen Markt Schwaben und Erding 17 Mühlen, heute nur noch eine: unsere.“ Mit Wehmut schilderte Andreas Löffl, der „als Quereinsteiger, ich hatte Flugzeugmechaniker gelernt“ seit 21 Jahren die Mühle managt, den Niedergang dieses Gewerbes. Längst werden aber hier nicht nur rund 300 Tonnen Mehl pro Jahr aus Weizen, Roggen und Dinkel produziert. In der Löffl-Mühle gibt es zusätzlich einen Hofladen, ein Bier-Garten-Café und Räume für Festlichkeiten aller Art.

„Nur wer auf mehreren Beinen steht, kann heute mit einer Mühle überleben“, weiß Senior Anton Löffl. Schon im Alter von zwölf Jahren wusste er, dass er Müller werden wollte, konzentrierte sein Interesse mehr auf das Schärfen des Mühlsteins als auf lästige Hausaufgaben – „sehr zum Verdruss meiner Mutter“. Und nach drei Jahren Lehre in München stieg er zuhause in der elterlichen Mühle, die seit 1645 besteht, als Geselle ein. „In den theoretischen Fächern war ich nie besonders gut, denn ich bin etwas schwerhörig, seit ich als Fünfjähriger vom Heuboden gefallen bin. Aber in der Praxis hat mir keiner was vorgemacht.“

Anton Löffl ist durchaus stolz auf das Erreichte, freut sich, obwohl er mittlerweile auf das 84. Lebensjahr zugeht, immer noch am vielfältigen Treiben im Familienbetrieb. Er schätzt trotz vieler Mühen seine Unabhängigkeit, Freizeit kennt er kaum, „nur die Arbeit am Computer hasse ich“. Doch an der modernen Welt führt kein Weg vorbei, und Sohn Andreas, 47, pflichtet dem Vater bei, wenn er drastisch formuliert, dass es heutzutage eine gewisse Verrücktheit brauche, um noch diesen Beruf zu ergreifen: „Irgendwie haben Müller alle einen Schlag weg.“

Trotzdem gelte es, kreativ zu sein und neuen Ideen gegenüber offen zu bleiben. Als nach der Kernkraft-Katastrophe von Tschernobyl zunächst kein Mehl mehr verkauft werden durfte, entschloss sich die Familie, 1986 einen Bioladen zu eröffnen.

„Wir haben damals zunächst Sauerteig und Müsli verkauft, bekamen durch Mundpropaganda immer mehr Kundschaft. Auch 300 Schweine hatten wir mal hier und es hat mich nicht gestört, Bio-Toni gerufen zu werden, wenn ich ins Wirtshaus kam“, erinnert sich Anton Löffl an eher schwierige Zeiten von damals.

„Allerdings“, so gibt Sohn Andreas zu bedenken, „würden wir uns wünschen, dass uns die Politik etwas mehr unterstützt und bei Schwierigkeiten nicht nur großen Firmen hilft“.

Und dann stimmt Senior Anton, spontan wie immer, das Lied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ an. Die Zuhörer sind begeistert und singen mit, haben sie doch einen authentischen und spannenden Einblick in ein Berufsbild bekommen, das allmählich auszusterben droht.

Friedbert Holz

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