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Gut 100 Forstinninger verfolgten die Gemeinderatssitzung im Pfarrheim. Ausnahmsweise hatten sie Rederecht. Und davon wurde rege Gebrauch gemacht.

Ortsumfahrung

So soll's um Schwaberwegen herum gehen

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Forstinning - Das Staatliche Bauamt Rosenheim hat einen Plan für eine kleinräumige Umfahrung von Schwaberwegen und Moos in der Gemeinde Forstinning vorgelegt. Die einen sind dafür, die anderen strikt dagegen. Jetzt wird sich der Gemeinderat damit befassen.

Bernhard Bauer ist ein erfahrener Straßenplaner beim Staatlichen Bauamt Rosenheim. Ostermünchen hat er erlebt, Grafing, das Scheitern in Ebersberg, um nur drei lokale Projekte im Zuge der Staatsstraße 20 80 zu erwähnen. Es scheint in der Natur der Sache zu liegen, dass sich Straßenplaner mit dem, was sie fabrizieren, zwangsläufig entweder Freunde oder Feinde schaffen. Realistische, bezahlbare Lösungen, die alle auf einen Schlag zufrieden stellen, scheint es in ihrer Welt nicht zu geben.

Auch nicht in Schwaberwegen und Moos. Seit Jahrzehnten bereits verläuft eine Art unsichtbare Grenze durch den Forstinninger Ortsteil. Hier die Bürgergruppe Schwaberwegen/Moos, die seit 1985 versucht, eine Ortsumgehung zu bekommen. Vorwiegend sind dabei Bürger locker versammelt, die direkt an oder nahe der Ebersberger Straße wohnen. Jener Staatsstraße also, die die direkte Verbindung zwischen der Kreisstadt und der A 94 verkörpert und von ca. 9000 Kraftfahrzeugen/Tag benutzt wird. Zu viel, zu laut, unerträglich, gefährlich: Das sagen die einen. Und fordern: Eine Umgehung muss her, besser gestern als morgen.

Auf der anderen Seite gibt es die keineswegs weniger lauten Vertreter vorwiegend aus dem westlichen Schwaberwegen. Bürgerinitiative gegen die geplante St 20 80 Markt Schwaben-Ebersberg- Ortsumfahrung Schwaberwegen nennen sie sich. Motiviert durch die Sorge, eine Umgehung könnte zu nah an ihren Anwesen vorbeiführen, in einer technisch womöglich nur bescheidenden Ausführung gebaut werden und so für neuen Lärm in ihrem Siedlungsteil sorgen. Eine kleinräumig angelegte westliche Umfahrung ist in ihren Augen bestenfalls eine teure Lösung, die das Hauptübel, den Verkehrslärm, lediglich um ein paar hundert Meter verlagert.

Das und noch viel mehr prasselte am Mittwoch einmal mehr ein auf Bernhard Bauer. Die Argumentationslinien waren ihm vertraut. Dass er trotz der Schärfe des zeitweise gepflegten Vokabulars weitgehend die Ruhe behielt, ist wohl nur mit der Routine des Ingenieurs zu erklären.

Was soll laut Vorplanung überhaupt gebaut werden? Bauer und seine Mitarbeiterin Sabine Rödl stellten eine Konzeption für ein 2,4 km langes Teilstück zwischen der A 94 und der St 20 80 südlich von Schwaberwegen (siehe Grafik) vor. Ab Moos schwenkt die Staatsstraße der Planung nach Westen und führt entlang der Firma Boesner in Richtung Niederried. Hier wird es auch die Anbindung an die künftige Gewerbegebietserweiterung Moos geben. Die Kreisstraße EBE 5, die frühere B 12 zwischen Schwaberwegen und Anzing, wird mit einem Kreisel angebunden. Danach macht die Umgehung einen Bogen um die westlichen Bereiche Schwaberwegens, also durch bisheriges Waldgebiet.

In diesem Bereich rückt die Trasse an der engsten Stelle bis auf 82,04 Meter an die Bebauung im Westen Schwaberwegens heran. Bei anderen Anwesen sind es deutlich über 100 Meter. Das Bauamt sieht vor, diesen Bereich mit einer Schallschutzwand auf 350 Metern Länge und einer Höhe von zwei Metern (!) abzuriegeln. Außerdem wurde auf den geplanten Einsatz von schallminderndem Asphalt verwiesen. Die Straße muss wegen der Grundwassersituation jedoch auf einem gut einen Meter hohen Damm gebaut werden.

Mittels einer Brücke soll im weiteren Verlauf Richtung Süden der von Schwaberwegen kommende Radlweg unter der Umgehung durchgeleitet werden. Etwa 300 Meter südlich des heutigen Ortseingangsschildes Schwaberwegens trifft die Umgehungstrasse wieder auf die alte Trasse. Neben der Entlastung der Ortsteile vom Durchgangsverkehr erhofft man sich in Rosenheim mit dieser Variante auch eine Entschärfung des innerörtlichen Kreuzungspunktes beim Vaas, einem Unfallschwerpunkt und ein Stauverursacher zugleich. Die Kosten für das vorgestellte Projekt sollen 5,8 Mio. Euro betragen, 4,9 für den Bau und 900 000 für den Grunderwerb.

Vorentwurf werde zur weiteren Prüfung an die Regierung von Oberbayern gehen, hieß es, beurteilt etwa auf Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit und Fördermöglichkeiten und dann weitergeleitet an die Oberste Baubehörde.

Um einen ökologischen Ausgleich zu schaffen, sind dem Vernehmen nach Extensivierungen auf einer Ökokontofläche im Laufinger Moos bei Ebersberg auf 1,83 ha nötig, dazu ein Waldumbau in naturnahe Buchenbestände auf 5,05 ha und eine Neuanlage eines Buchenwaldes direkt angrenzend an den Forst (jedoch nicht zwingend im Bereich Forstinnings) auf 2,58 ha. Die Baumaßnahme verlangt nämlich insgesamt einen Flächenbedarf von 3,82 ha, wovon 3,13 ha später als Straßenfläche versiegelt werden und 0,69 ha für Nebenflächen einschließlich Böschungen Verwendung finden. Landschaftsarchitekt Thomas Heinemann (Freising) erläuterte, dass bei Beachtung eines schonenden Umgangs in der Bauphase mit Natur und Umwelt aus landschaftsplanerischer Sicht nichts gegen das Vorhaben spreche.

Mit dieser Faktenpräsentation war also ausreichend Munition geliefert worden insbesondere für die Initiative, die sich seit Jahren gegen das Vorhaben ausspricht. Auch am Mittwoch wurde aus dieser Richtung gleich eine ganze Batterie an Argumenten abgefeuert, die gegen die Umfahrung und damit gegen das noch einzuleitende Planfeststellungsverfahren sprechen. Der Lokalpresse wurde dazu sogar ein 14-seitiges Schreiben zur Verfügung gestellt. Das erwähnte Feststellungsverfahren wird aber eben erst noch eingeleitet und erfolgreich mit einem so genannten Feststellungsbeschluss abgeschlossen werden müssen. Rechtsmittel können dabei immer noch eingelegt werden. In diesem Verfahren wird u.a. geprüft, ob die Vorplanung unter Einhaltung strenger Prinzipien (Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit, Notwendigkeit, Naturschutz, „Gibt es Alternativen?“, Kosten-Nutzen-Vergleich etc.) auch weiterhin aufrecht erhalten werden kann und darf. Und auch der Gemeinderat wird sich, so versicherte Bürgermeister Rupert Ostermair, zeitnah nochmals mit dem Thema befassen und nach Sichtung der nun vorgestellten Unterlagen Stellung beziehen.

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