Wirkten im Prozess sehr gefasst: Selina und Florian. Auf eine Entschuldigung mussten sie lange warten.
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Wirkten im Prozess sehr gefasst: Selina und Florian. Auf eine Entschuldigung mussten sie lange warten.

Opfer für immer gekennzeichnet

Dramatischer Unfall wirft Leben von Selina (17) und Florian (18) komplett aus der Bahn - Gerichtsurteil gefallen

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Ein Geschäftsmann ist vom Amtsgericht Erding verurteilt worden. Mit einem 450 PS starken Audi A4 war er bei Finsing in einer Kurve frontal in ein Motorrad gefahren. Die Opfer Florian (18) und Selina (17) leiden bis heute unter den Folgen.

Landkreis - Es war der erste schwere Motorradunfall der vergangenen Saison. Am Abend des 8. März 2020 fuhr Florian aus Forstinning mit seinem Leichtkraftrad auf der ED 11 von Finsing in Richtung Markt Schwaben. Hinter ihm saß auf der Honda die seinerzeit 16 Jahre alte Selina aus Markt Schwaben. In der Dämmerung sah der junge Mann auf einmal Scheinwerfer vor sich. In der Kurve bemerkte er zu spät, dass der schwere Audi A4 RS4 auf seiner Spur daher kam. Er hatte keine Chance mehr, den Aufprall zu vermeiden.

Ein Jahr nach schlimmem Unfall bei Finsing: Opfer leiden bis heute - Gerichtsurteil gefallen

Der hatte für die beiden Jugendlichen dramatische Folgen. Sie kamen mit Polytraumata und mehreren schweren Brüchen in die Kliniken Großhadern und Bogenhausen. Zeitweise schwebten sie in Lebensgefahr. Mehrere Operationen mussten sie über sich ergehen lassen. Bei Selina kamen lebensbedrohliche innere Verletzungen hinzu. Noch heute sind beide in Behandlung, die Folgen werden sie den Rest ihres Lebens beschäftigen. Die 17-Jährige musste ihre Ausbildung abbrechen, ihr bester Freund sein Soziales Jahr.

Ein Bild des Schreckens bot sich den Rettungskräften nach dem Unfall bei Finsing. Jetzt fand in Erding der Prozess gegen den Unfallverursacher, einen 50-jährigen Mann, statt.

Sportwagen kracht in Motorrad: Angeklagter räumt vor Gericht Fahrfehler ein

Der Angeklagte berichtete, er könne sich nicht erklären, wie er auf die Gegenfahrbahn gekommen sei. Er räume den Fahrfehler ein, er tue ihm leid. Nach dem Crash hatte er ausgesagt, dass Motorrad sei auf seine Spur geraten. Das Gutachten des Sachverständigen ließ einen schlimmen Verdacht zu: Hatte der 50-Jährige die Kurve geschnitten?

Zwar war er laut Experten nicht zu schnell unterwegs, er muss aber absichtlich nach rechts gelenkt haben. Der Frontalzusammenstoß mit der Honda ereignete sich zudem nicht nahe der Mittellinie, sondern am rechten Fahrbahnrand. Hätte er die Kontrolle über seinen Boliden verloren, wäre dieser eher nach rechts aus der Kurve geflogen.

Ein absichtliches Verlassen seiner Fahrspur war ihm aber nicht nachzuweisen. Dabei hatte Anwalt Nikolaus Kiefer ein eigenes (Gegen-)Gutachten in Auftrag gegeben. Dessen Autor sagte, die offizielle Expertise sei „sehr zu Lasten des Angeklagten“ formuliert. Dennoch sei unbestreitbar, „dass der Wagen bewusst nach rechts gelenkt wurde“.

Nach dramatischem Unfall bei Finsing: Jugendliche Opfer schildern schlimme Folgen

Die beiden Opfer schilderten die schlimmen Folgen. Selina hat bis heute Angst, in ein Auto zu steigen. Florian berichtete, wochenlang habe er sich gar nicht bewegen können. Früher sei er gern getaucht und Fahrrad gefahren. All das sei bis heute nicht möglich. Er hat noch mehrere OPs vor sich.

Die Jugendlichen traten als Nebenkläger auf. Ihre Anwälte Peter Guttmann und Till Weidinger warfen dem Verkaufsleiter vor, sich nach dem Unfall nicht bei den Opfern gemeldet zu haben. „Die haben darauf gewartet, genauso wie ihre Familien.“, erklärten die Anwälte. Einen Brief hätten sie nie erhalten.

Staatsanwältin Sandra Belling hielt dem Angeklagten zu Gute, dass er bisher straf- und verkehrsrechtlich nicht in Erscheinung getreten sei. Allerdings wiege die Schuld angesichts der Folgen schwer. Sie forderte acht Monate Haft auf Bewährung, zwölf Monate Fahrverbot und 4500 Euro zu Gunsten einer sozialen Einrichtung. Guttmann und Weidinger meinten, man könnte den Fahrer auch wegen gefährlicher Körperverletzung sowie gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verurteilen – und damit härter.

Unfall-Verursacher zu Geldstrafe verurteilt - Richterin wirft Angeklagtem „extreme Gedankenlosigkeit“ vor

Richterin Michaela Wawerla verurteilte den Manager mit 6700 Euro Netto-Monatsgehalt zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je 250 Euro, insgesamt 45 000 Euro. Sie blieb beim Tatvorwurf der fahrlässigen Körperverletzung. Vorsatz erkenne sie nicht, „aber extreme Gedankenlosigkeit“.

Strafverschärfend an diesem Augenblicksversagen seien die gravierenden Folgen. „Sie haben zwei junge Leben extremst aus der Bahn geworfen.“ Aber auch der Angeklagte sei durch das Ereignis „stark gezeichnet“. Seine Reue nehme sie ihm ab, sagt die Richterin.

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(ham)

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