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Wo Freude einziehen soll: Wohnzimmer-Konzerte starten demnächst in der Wolf-Mühle

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Von: Jörg Domke

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Kathrin Nagy und Andreas Löffl in ihrem „Wohnzimmer“: Gemeint ist ein gastronomisch benutzbarer Saal in der Wolf-Mühle, in dem künftig regelmäßig Kleinkunstveranstaltungen stattfinden sollen. Auftakt ist bereits am 8. Dezember.
Kathrin Nagy und Andreas Löffl in ihrem „Wohnzimmer“: Gemeint ist ein gastronomisch benutzbarer Saal in der Wolf-Mühle, in dem künftig regelmäßig Kleinkunstveranstaltungen stattfinden sollen. Auftakt ist bereits am 8. Dezember. © Dziemballa

Schluss mit der Traurigkeit: Für ein wenig Heiterkeit wollen Kathrin Nagy und Andreas Löffl sorgen. Auf ihrem Anwesen Wolf-Mühle (Forstinning) sollen ab 8. Dezember regelmäßig Kleinkunsttermine laufen. Den Auftakt bestrietet Löffl persönlich.

Forstinning – An der Eingangstür zu einem gastronomisch gut nutzbaren Saal mit klassischem Wohnzimmerflair, der quasi inmitten des Anwesens Wolf-Mühle liegt, klebt gerade eine Stellenanzeige. Der Chef, Andreas Löffl, sucht demnach einen jungen Mann oder eine Frau, der/die in Verfahrenstechnologie in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft ausgebildet werden möchte.

Der Begriff geht Löffl spürbar schwer über die Lippen. Früher, sagt er, habe man vom Müller gesprochen. Und deshalb schreibt er in der Stellenanzeige auch: „Gerne bilden wir Dich zum MÜLLER mit Schwerpunkt ökologische Lebensmittel aus“.

In der Wolfmühle kennt man sich damit aus. Die Müllerei dort reicht weit zurück bis ins Jahr 1654. Die Familie Löffl ist bereits in vierter Generation dem Kunsthandwerk treu geblieben. „Regionales, ökologisches Getreide behutsam zu vermahlen ist uns ein großes Anliegen“, heißt es auf der Homepage. Das Korn liefern Bio-Bäuerinnen und -Bauern aus den Landkreisen Ebersberg, Erding, Landshut und Rosenheim.

Zurzeit wird dringend ein neuer Lehrling gesucht

Für einen neuen Azubi gebe es, ohne Zweifel, viel zu erleben hier an der Sempt, direkt zwischen Forstinning und Markt Schwaben. Wie überhaupt der Müller-Beruf (bleiben wir mal bei der herkömmlichen Bezeichnung) noch immer eine gewisse Faszination auszuüben scheint.

Erst vor ein paar Wochen war Löffls Vater, Anton, zu Gast im Heimatmuseum in Markt Schwaben, um dort über seinen Beruf zu erzählen. Viele lauschten interessiert zu, wie es so zuging speziell nach dem Krieg. Anton Löffl (88) ist zwar noch immer täglich auf den Beinen und unterwegs auf dem Betriebsgelände, aber nicht mehr im operativen Geschäft. Das hat längst sein Sohn Anderl als Müllermeister übernommen. Und auch er kann inzwischen reichlich Geschichten erzählen von einem Beruf, den so mancher womöglich nur –verbunden mit reichlich Verklärung – aus Märchen kennen mag.

Das Leben eines Müllers sei hart, sagt Andreas Löffl. Gerade auch jetzt in Krisenzeiten. Aber eine Besonderheit will er in dieser Aussage nicht sehen. Hart sei auch jedes andere Handwerk. Andreas Löffl spricht vom täglichen Kampf der Kleinen gegen die Großen. Gegen die Widrigkeiten des Alltags, die ihm und seinem Team vor allem Flexibilität abverlangten. Jeder Tag werde zu einer Herausforderung. Aber, wie gesagt, so ergehe es gerade vielen.

Löffl berichtet, von Musik begleitet, über seinen Beruf

Dass es in Ostdeutschland einen Kollegen gab, der sich jahrelang vehement und erfolgreich einsetzte für den Erhalt der alten Berufsbezeichnung, hat den Forstinninger nach eigenen Worten geradezu motiviert. Der Begriff Müller sei in Deutschland inzwischen immaterielles Kulturerbe. Und das sei für ihn persönliche Antriebsfeder.

Was Löffl auch motiviert: Die Sorge, die nächste Generation könne mit dem Wort Müller bald nichts mehr anfangen. Außer, man rede über berühmte Fußballspieler aus München.

Löffl hat, ohne Frage, viel zu erzählen; gerade auch mit Blick auf Corona und Krieg, aber auch verbunden mit Gedanken, wie es einmal weitergehen kann und muss. „Aus dem Leben eines Müllers“ wird er am Donnerstag, 8. Dezember (Einlass um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr) berichten. Es handelt sich dabei zugleich um den Auftakt einer Kulturreihe namens Wohnzimmer-Konzerte. Andreas Löffl erzählt nicht nur, sondern wird zugleich von seinen Spezl Sebastian Brandl (Biobauer aus Reithofen) und Anton Deuschl (Harfe) begleitet. Und Kulinarisches gibt es auch.

Die Idee dazu hatte Kathrin Nagy, Löffls Ehefrau. Ihre Philosophie: Es wird Zeit, die Krisenzeiten wenigstens ein Stück weit hinter sich zu lassen und stattdessen die Herbst- und Winterzeit mit schönen Abenden im Kreis von Freunden zu genießen. Und zwar unter einem urtümlichen Gewölbe in Wohnzimmeratmosphäre und in einem begrenzten Rahmen, denn mehr als 70 Besucher sollten es nach Vorstellung der Mühlen-Chefin nicht unbedingt werden. „Ich mag einfach nicht mehr traurig sein nach all diesen Krisen“, sagt sie voller Tatendrang und optimistisch in einem Gespräch mit der EZ.

Erst einmal sind sechs Kleinkunsttermine vorgesehen

Fünf weitere Termine stehen schon fest. Rock und Blues gibt es am Donnerstag, 22. Dezember, mit der Band „I see light“. Die Band stammt aus Finsing und Poing und probt schon seit einiger Zeit regelmäßig auf dem Mühlengelände.

Das Trio „Café Voyage“ spielt Caféhausmusik am Donnerstag, 12. Januar. Um Erzählkunst für Erwachsene geht es am Donnerstag, 26. Januar, mit Livia Jansen und Simone Wanzek Weber. Heimische Klänge liefert das Forst-inninger Saitenspiel mit Christine Reichl Gumz, Sylvia Zoellner und Veronika Herzog am Donnerstag, 9. Februar. Und am 23. Februar, ebenfalls einem Donnerstag, wird Folkmusik vorherrschendes Thema sein. „The Lairy Fairies“ haben Celtic Folk im Repertoire.

Am liebsten wäre Kathrin Nagy übrigens, wenn Karten online über die Homepage www.wolfmuehle.de bestellt würden. Was noch übrig bleibt, kommt in den Verkauf an der Abendkasse.

„Man muss mal sehen, wie das alles angenommen wird“, sagt sie. Eine Fortsetzung im kommenden Herbst und Winter ist also nicht ausgeschlossen.

Bis dahin aber, so hoffen sie und ihr Mann, können sie die Stellenanzeige an der Eingangstür zum Saal getrost wieder abhängen; wenn sich nun auch noch ein Lehrling finden sollte, der Verfahrenstechniker werden will.

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