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Foto 2011: Zauber des ganz Normalen

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Markt Schwaben - Ein Blaubeerkuchen mit Holzperlen ist wahrscheinlich nicht sehr bekömmlich. Doch als witzige Bildmontage fasziniert er die Betrachter der Jahresausstellung Foto 2011 im Foyer des Rathauses ebenso wie viele andere Motive, wieder einmal liebevoll zusammen getragen von den engagierten Mitgliedern des Camera-Clubs.

„Das Besondere im Alltäglichen“ lautet das Motto der diesjährigen Ausstellung, die am Samstag vom Clubvorsitzenden Günther Keil eröffnet wurde. „Um den Zauber des ganz Normalen zu erfassen, braucht man hier nicht weit zu gehen, bei manchem eröffnen sich bereits auf dem Balkon Blicke, die als besonders gelten dürfen. Wir haben unseren Mitgliedern diesmal auch keine festen Format-Vorgaben auferlegt - jedes Foto soll diejenige Größe haben, die es benötigt.“

Tatsächlich entdeckt der Besucher viele ungewöhnliche Alltagsmomente, vom ruhig schwimmenden Blatt auf der Pfütze, das im Wetteifer mit den Lichtreflexen von Walter Keilhauer „ertappt“ wurde, über die sehenswerten Wetterbilder von Robert Heitzer bis hin zu den überdimensionalen Blumen von Dagmar Kunz.

Neben der Natur spielt auch Kultur wieder eine Rolle. Günther Keil etwa hat Clowns im Zirkus Roncalli bei ihrer Arbeit beobachtet, Erika Müller erlebte den Venedig-Spaziergang durch das Objektiv ihrer Kamera, Bernd Rakowsky beobachtete Straßenmusikanten. Überhaupt menschliche Gesichter: Da sind nicht nur die gleichermaßen sinnlich wie besinnlich drein schauenden Mädchen von Franz Prösl zu erwähnen, da fallen auch die Porträts von Indern auf, die, eingefangen von Karl Huber, jenseits von Bollywood freundlich jede Kulturbarriere weglächeln. Wer durch die Reihen der aufgestellten Fotowände schlendert, entdeckt aber auch jenen 180-Grad-Rundblick über den Landschaftspark Duisburg-Nord, den Gerhard Kittel aus zwölf Einzelbildern im Fotoshop-Verfahren zusammen gesetzt hat. Sein Blick zeigt die Veränderung einer Szenerie, die Serie von Walter Daschner hingegen die Bewegungsveränderung einer Tänzerin - mal schwebt sie fast wie ein Schmetterling, mal tritt sie kräftig auf.

Männeraugen lösen sich nur ungern von jener Sofia am Fenster, die Johann Schubert durch Einsatz eines Blitzgerätes gekonnt gezeichnet hat, ein freier Oberkörper als Kunstwerk. Ganz anders, aber keinesfalls weniger spannend, die tanzenden Menschen von Hans-Jürgen Fess, gleich daneben die geballte Fitness der jungen Giselle oder: Wenn Bewegung für einen kurzen Moment innehält. Auch scheinbar verrückte Blickwinkel sind dabei wie die Fischaugen-Objektiv-Experimente auf der Treppe ins Obergeschoss, die den „Planet Markt Schwaben“ zeigen. Oder die Zwischenmahlzeit von Ernst-Otto Kunz, ein ausgestochener Löwenzahn samt Erde auf dem Teller. Der „äußerst lebendige Verein“, wie Bürgermeister-Vertreter Bernd Romir den Camera-Club beschreibt, hatte im Keller des Rathauses auch wieder eine audio-visuelle Schau aufgebaut, und wer wollte, konnte sich - als historischer Marktbesucher verkleidet und abgelichtet - ein Erinnerungsfoto mitnehmen.

Von Friedbert Holz

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