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Heu für die Bullen: Franziska Pfluger im Stall am Hof in Zorneding. 14 Monate werden die Tiere gemästet, bis sie geschlachtet werden. Der Hof ist ihr Leben, sagt die 25-Jährige.

Projekt unserer Zeitung

Franzis Hofleben

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Viele Menschen hören nur Skandale, von misshandelten Schweinen, sagt Franziska Pfluger. Sie will aufklären. Sie ist mit 25 Jahren die jüngste stellvertretende Kreisbäuerin Bayerns. Wir begleiten sie ein Jahr lang und tauchen ein in ihr Hofleben. 

Zorneding – Die armen Schweine. Die liegen verwahrlost an der Betonwand, die Haxen in alle Richtungen gestreckt. Schlimm! Eine Qual muss das sein, für die Viecher, die nichts dafür können, wahrscheinlich vom Bauern schlecht behandelt und geschlagen werden und zu wenig Platz haben. Kein fröhliches Grunzen, sondern ein raues Murren.

Franziska Pfluger schüttelt den Kopf, sie lächelt, gezwungenermaßen. Doch lustig findet sie nicht, was die Leute oft denken. Dass es den Tieren schlecht geht, weil sie in der Gruppe eng aneinander liegen und die Haxen strecken. Sie schaut in die Zeitschrift, die vor ihr auf dem Holztisch mit der weißen Tischdecke und den roten Stickereien liegt. Eine Umfrage hat das Medium gemacht und den Menschen Bilder von rosafarbenen Schweinen in Ställen mit braunem Spaltboden aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Im Bild liegen ein paar Tiere am Boden. Den meisten Befragten, die das Bild anschauten, stieß es sauer auf; sie bewerteten es negativ. Vielleicht dachten sie, wieder ein Tierskandal.

Franzi gehört nicht zu dieser Mehrheit. Sie sagt: Den Schweinen geht es gut, sie fühlen sich wohl, liegen entspannt nebeneinander, rekeln sich. 25 Jahre ist Franziska Pfluger alt, braune Haare, Brille, Bäuerin auf einem Hof in Zorneding, wo es neben einem Hofladen noch 80 Rinder, dutzende Hühner und ein über 100 Jahre altes Bauernhaus gibt. Franziska Pfluger kennt sich aus, mit Tieren, mit der Landwirtschaft.

Den Schweinen geht‘s nicht schlecht!

Seit einem Jahr ist sie stellvertretende Kreisbäuerin im Landkreis und damit die Jüngste in ganz Bayern. „Mir ist es wichtig, die Menschen, die Verbraucher aufzuklären“, sagt sie. Bauern seien keine schlechten Menschen. Dass gute Lebensmittel aus der Region kommen, müsse noch viel bekannter werden. Pfluger will mehr als aufklären. Sie will wachrütteln. Will sagen, schaut euch Höfe und die Arbeit von Landwirten doch an, bevor ihr urteilt, und denkt, Schweinen geht’s schlecht, wenn sie rumliegen. Dass der Rosenkohl an einer Stange wächst, und wie Beeren daran klebt, wüssten Wenige. „Was ist das“, fragen Kunden im Hofladen. „Hopfen?“ „Rosenkohl!“ Kopfschütteln – jetzt beim Kunden.

Anders sei der Kunde, wenn es darum geht, dass etwas schlecht ist. „Es sind nur immer die Skandale, über die die Medien berichten.“ Und das bliebe eben bei den Menschen haften. Das Schlechte, sagt die 25-Jährige. Das Insektengift Fipronil, mit dem Eier in einigen europäischen Ländern verunreinigt wurden, zum Beispiel. Die schlimmen Zustände in großen Schlachthöfen. Und das Glyphosat! Aber nicht jeder Bauer sei deswegen ein Tierquäler, nicht alle Eier seien giftig und Glyphosat werde nicht überall verwendet. „Es gibt Verbraucher, die sagen, wir verwenden Glyphosat für alles, für unsere Kartoffeln, die vor der Haustüre angebaut werden. Das stimmt einfach nicht“, sagt Franziska Pfluger. Sie will erklären. Überzeugen, dass Gutes nah sein kann. Und dass Schweine Schweine sind, die natürlich in Ställen leben, die nicht blütenrein sind; aber es den Tieren trotzdem gut gehen könne. „Viele Menschen sind verunsichert.“

Der Opa, das große Vorbild

Franziska Pfluger schlendert durch das Bauernhaus, ihr Elternhaus und das, in dem auch Groß- und Urgroßeltern gewohnt haben. An der Wand im Gang mit den roten Steinfließen hängt eine Ehrenurkunde der Feuerwehr, für jahrzehntelange Dienste heißt es da: Nikolaus Pfluger steht in der Mitte. Es ist der Opa. Das Vorbild von Franziska Pfluger: engagiert, zielstrebig, vernetzt. „Einer, den jeder kannte“, sagt sie. Und der den Hof und die Landwirtschaft geliebt habe. „Der mich als Kind schon immer auf dem Bulldog mitgenommen hat.“ Und der richtig stolz war, als seine Franziska als Ministrantin in der Zornedinger Kirche das erste Mal neben dem Pfarrer stand. 2010 ist er gestorben, der Opa, das Vorbild, der Freund.

Franziska Pfluger ist Hauswirtschafterin und die jüngste stellvertretende Kreisbäuerin in ganz Bayern. Der Münchner Merkur/ Ebersberger Zeitung taucht ein Jahr in das Leben der 25-Jährigen ein. Mit Gastbeiträgen und Bildern zur Landwirtschaft, zum Umgang mit Tieren und zu ihrem Ehrenamt im Bauernverband wird Franziska Pfluger die Leser einen Blick hinter die Kulissen werfen lassen. Wir begleiten sie unter anderem mit aufs Feld zum Krautpflanzen-Setzen und mit in den Stall, wenn die Tiere vom Schlachter geholt werden.

„Ich bin ein Familienmensch“, sagt Franziska Pfluger. Gemeinsames Frühstück, Brotzeit am Abend, das gehöre dazu. Dann kommen ihre Oma, die Eltern, und ihre zwei Schwestern zusammen. „Gut, die Schwestern nicht immer“, sagt die 25-Jährige und zwinkert mit den Augen. „Wenn sie halt da sind.“ Maria, 21, studiert in Weihenstephan, Barbara, 19, arbeitet bei einer Bank.

Die Romantik vom Hofleben - und die schwarzen Schuhe

Franziska hat sich für den Hof entschieden. Nicht, weil es eine machen musste. Ihr Herz stecke darin, wie sie selber sagt. Sie machte eine Ausbildung als Hauswirtschafterin. In der Meisterprüfung hatte sie ein Projekt, das ihren Lebensweg daheim in Zorneding bestimmte. Einen Hofladen sollte sie konzeptionieren und umsetzen.

Seit Dezember 2014 gibt es den Hofladen, den derzeit Mutter Renate führt. „Früher war es ein Stierstall“, sagt Franziska Pfluger. Das einzige Tier im Laden heute ist ein schwarzes Huhn auf einem Bild an der Wand. Auf den hellen Holzregalen liegen Kraut und Kartoffeln. Die Landwirtschaft sei nicht mehr so wie vor 50 Jahren, sagt Franziska Pfluger. Keine Frauen mit bunten Kopftüchern und Gummistiefeln? „Das ist eine romantische Vorstellung.“ Sie schmunzelt. Natürlich habe sie auch Gummistiefel und Kopftücher. Für lange Stallzeiten. Aber sicher nicht für den Hofladen. Eher schwarze stabile Arbeitsschuhe, die wie legere Sportschuhe ausschauen. Über den Hof hallt es, die Bullen plärren im Stahl. „Keine Sorge“, sagt sie. „Denen geht’s gut. Das gehört dazu.“

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