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Zwischen sexy und schwerer Arbeit: Das geht wunderbar.

Mal eine schöne Nachricht

Frauen im Handwerk: So attraktiv kann harte Arbeit sein

Pliening - Was das Handwerk angeht, hört man in letzter Zeit meistens diese Meldung: Zu wenig Lehrlinge, zu wenig Fachkräfte. Wie schön der Beruf sein kann -wortwörtlich - lässt sich aber auch in der Region sehen.

Gut, man sollte nicht all zu zierlich sein für diesen Beruf, sagt Stephanie Schuler. „Aber die Spenglerarbeit ist an sich nicht so schwer, wie sie aussieht.“ Bleche biegen und hämmern in der Werkstatt und draußen auf der Baustelle montieren. Nicht nur Dachrinnen und Gauben, „wir machen viele filigrane Sachen“. Bei jedem Wetter. Die 24-Jährige aus Pliening ist eine von wenigen Frauen in Bayern, die diesen Beruf erlernt haben. Genaue Zahlen gibt es nicht, Schuler aber weiß: „In meinem Jahrgang waren wir drei, eine davon macht diesen Beruf aber gar nicht mehr. In den Jahren zuvor und danach gab’s in der Berufsschule bei den Spenglern keine Frau.“ Generell würden die Klassen in der Berufsschule immer kleiner. Das bestätigt ihr Vater Gerhard Schuler. Der 50-jährige Spenglermeister ist seit vielen Jahren Lehrer an der Meisterschule.

Im Gespräch mit der Wirtschaftsredaktion unserer Zeitung hat Georg Schlagbauer in diesen Tagen Alarm geschlagen: Im oberbayerischen Handwerk seien tausende Stellen unbesetzt, berichtet der Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Mindestens 6000 Stellen seien derzeit frei, dazu kämen etwa 1700 Ausbildungsplätze.

Auch der Familienbetrieb in Gelting ist seit Jahren auf der Suche nach einem Lehrling und Fachkräften. Aber es tut sich nichts. „Ich weiß auch nicht, warum“, sagt Stephanie Schuler. Sie selbst ist der Beweis, dass man fürs Handwerk nicht unbedingt grobschlächtig oder besonders kräftig sein muss. Ganz im Gegenteil: Die 24-Jährige posiert immer mal wieder als Modell. „Das macht mir einfach Spaß.“

Auf dem Dach bei Regen und Kälte - nicht jedermanns Sache

Nachdem sie nach der Realschule ein freiwilliges soziales Jahr in einer Kindertagesstätte und ein Praktikum bei der Polizei absolviert hat, hat sich Stephanie Schuler doch für die Spenglerei entschieden. „Ich habe als Jugendliche schon oft auf Baustellen mitgeholfen“, erzählt sie. Vater Gerhard hatte nichts gegen die Ausbildung, stellte aber eine Bedingung: „Wenn Du es anfängst, musst Du es bis zum Ende durchziehen.“

Das hat die Tochter getan, auch wenn es ihr nicht immer leicht fiel. Auf dem Dach bei Regen und Kälte ist nicht jedermanns Sache. Hinzu kommen Dinge wie die Dixie-Klos, von denen meist nur eine auf den von Männern dominierten Baustellen steht. „Manchmal graut’s mir davor, dann frage ich in einem Café, ob ich kurz auf die Toilette darf.“ Bei einer Großbaustelle, auf der mehrere Klos standen, fragte Stephanie Schuler spaßeshalber: „Gibt’s da auch eine Damentoilette?“ Großes Gelächter. „Dumme Sprüche von Männern habe ich auf der Baustelle noch nie bekommen. Im Gegenteil: Oft bieten sie mir ihre Hilfe an, wenn schwere Teile zu tragen sind.“ Sie antwortet dann: „Passt schon, das schaffe ich auch alleine.“

2011 hat sie ihre dreieinhalb Jahre dauernde Ausbildung abgeschlossen, seitdem arbeitet sie im Familienbetrieb und managt das Büro, wofür sie bei der IHK eine Zusatzausbildung gemacht hat. Ihre Spenglerarbeit führte sie schon an interessante Orte, beispielsweise nach Kapstadt (Südafrika), oder in eine Justizvollzugsanstalt, wo Arbeiten am Dach gemacht werden mussten.

„Das Schöne an dem Beruf: Man kann aus einem Stück Blech so ziemlich alles machen“, sagt die 24-Jährige und haut dabei kräftig mit dem Hammer auf das Material.

Armin Rösl

 

So sexy ist das Handwerk: Bilder

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