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Hier kommt ein Tiny House geflogen: Antonia (27) erfüllt sich in Tegernau großen Traum

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Von: Michael Seeholzer

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Ein Autokran lupft das Tine House über die Baumwipfel in Tegernau. 24 Meter weit muss er dabei auslegen und mindestens 15 Meter in die Höhe.
Ein Autokran lupft das Tine House über die Baumwipfel in Tegernau. 24 Meter weit muss er dabei auslegen und mindestens 15 Meter in die Höhe. © Stefan Rossmann

In Tegernau erfüllt sich die Heilpraktikerin Antonia Steuerer (27) einen Traum: Sie lässt sich ein Tiny House „einfliegen“.

Tegernau – Antonia Steuerer (27) ist aufgeregt. „Ich freue mich so“, sagt sie. Gleich kommt der Tieflader. Auf dem steht ihr Traum. In der Wiese nebenan ist deshalb schon ein riesiger Autokran der Firma BKL aus Forstinnning aufgebaut. Seine Stützen hat er weit ausgefahren. Denn gleich wird er ein Modulhaus über die Baumwipfel am Steinbruch 1 in Tegernau (Gemeinde Frauenneuharting) lupfen.

Tegernau: Tiny House - Sechs Tonnen hängen am Haken des Krans

24 Meter weit muss der Kran dabei auslegen und mindestens 15 Meter in die Höhe, mit seiner Last am Haken. Sechs Tonnen schwer ist das Tiny House, das angehoben und platziert werden soll.

Das kleine Gebäude ist aus Mondholz gefertigt. Die dafür verwendeten Bäume wurden bei abnehmendem Mond geerntet. Im Garten ist alles vorbereitet. „Das Haus steht auf Erdspax“, sagt Konrad Voglsinger und meint damit einen Meter lange, massive Schrauben, die in den Untergrund gedreht werden. Voglsinger hat ein Haus am Steinbruch 1 vermietet, in dem Antonia und ihr Freund Simon Fink (28) wohnen.

Tegernau (Bayern): In dem Tiny House entsteht eine Heilpraktiker-Praxis

Jetzt dürfen sie mit seinem Einverständnis im Garten noch ein kleines Modulhaus aufstellen. „Drei auf sechs Meter ist es groß. Meines Wissens nach wird das die erste Tiny-House-Praxis“ in weiter Umgebung, sagt Antonia und fotografiert fleißig. Sie ist Heilpraktikerin und wird das Modulhaus bald in Betrieb nehmen.

Antonia Steuerer und Simon Fink packen mit an, damit das Modulhaus an der richtigen Stelle „landet“.
Antonia Steuerer und Simon Fink packen mit an, damit das Modulhaus an der richtigen Stelle „landet“. © Stefan Rossmann

Wasser- und Stromanschluss, alles ist vorbereitet, auch eine Toilette findet Platz. In die Wand eingelassen ist ein großer Sichtschutzspiegel, der den Blick freigibt ins Grüne. Von außen kann keiner hineinsehen. Gleich nebenan ist ein kleiner Teich, das Grundstück erreicht man über eine schmale Brücke aus Eisen, unter der ein Bach durchläuft. So stellt man sich einen Platz vor, an dem man sich erholen kann. Antonia Steuerer wird hier praktizieren.

Tiny House: Hersteller spricht von der „nachhaltigsten Bauweise, die es gibt“

Sie stammt aus Vorarlberg, was man ihrem Dialekt noch ein bisschen anmerkt. Das Modulhaus wurde von der Firma Freiraum GmbH aus Amberg hergestellt. „Je nach Ausstattung gibt es sie ab 50 000 Euro“, informiert Geschäftsführer Jonas Wolfsteiner. Das kleine Gebäude ist außen mit Thermofichte verkleidet und vollkommen leimfrei mit Holzdübeln hergestellt. „Das ist die nachhaltigste Bauweise, die es gibt“, sagt Antonia stolz. Alles ohne künstliche Materialien, dabei werden aber keine Abstriche an der Qualität gemacht. „Es soll ja besser sein als der Standart im Normalhaus“, meint Wolfsteiner.

„Sie haben mich gefragt, ob sie das reinstellen können“, berichtet Grundstücksvermieter Voglsinger. „Wir haben erst abklären müssen, ob wir das dürfen. Aber es ist von allen Behörden genehmigt worden“, freut er sich mit der jungen Heilpraktikerin über die genommenen bürokratischen Hürden.

Das Haus wird im Garten auf Erdspax gestellt, die einen Meter tief in den Boden gedreht wurden.
Das Haus wird im Garten auf Erdspax gestellt, die einen Meter tief in den Boden gedreht wurden. © Stefan Rossmann

Der Sattelschlepper ist da. Pünktlich auf die Minute. Antonia fotografiert. Das Tiny House und das Ortsschild von Tegernau müssen mit aufs Foto. Wolfsteiner klettert über eine Aluleiter aufs Dach und nimmt eine kleine Akkuflex mit nach oben. Er schneidet jeweils ein Stück von den vier Gewindestangen ab, an denen das Modulhaus in ein paar Minuten hängen wird. Dann werden Ösen aufgeschraubt und Ketten mit vier Karabinerhaken angehängt. In den Monsterkran kommt plötzlich Leben.

Tiny House in Tegernau: Vorsichtig wird das Häuschen von der Ladefläche geschoben

Vorsichtig wird das kleine Holzhaus von der Ladefläche gehoben. Nur ja nirgends anstoßen, damit die schöne Fassade nicht gleich einen Riss bekommt. Wolfsteiner führt Regie und seine Männer schieben und ziehen nach Kräften, bis das Gebäude schließlich sicher in der Luft schwebt. Ab geht’s dann damit in luftige Höhen.

Auf dem vorbereiteten Platz im Garten werden massive eiserne Schienen auf die Erdspax gelegt. Mit der Wasserwaage werden sie genau ausgerichtet. Mittlerweile schwebt das Modulhaus schon weit über den Baumwipfeln und wartet darauf, abgelassen zu werden. Die Verständigung mit dem Fahrer des Autokrans läuft über Sprechfunk, einen Sichtkontakt gibt es nicht.

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Tiny House: Am Ende ist es Millimeterarbeit

Nichts, was die Männer nicht schon öfter in ihrem Leben gemacht hätten. Simon hilft mit. Es hat einen Meterstab in der Hand und misst immer wieder die Abstandsflächen. Zum Schluss muss einer der Eisenträger noch einmal in der Lage korrigiert werden. Die letzten Zentimeter werden knifflig für alle. Dann ist es Millimeterarbeit. Schließlich ruht das Modulhaus in Massivholzbauweise sicher auf seinen Stützen. Antonia strahlt vor Freude.

Die Männer machen sich an die Elektroinstallation, während der Autokran bereits seinen riesigen Ausleger wieder einfährt. Konrad Voglsinger und sein Vater Toni, der auch mitgeholfen hat, schauen auf die Uhr. „Eine halbe Stunde haben sie gebraucht“, meinen die beiden anerkennend. Antonia geht um ihre zukünftige Praxis herum, fotografiert und freut sich riesig. Die letzten Handgriffe werden sie und ihr Freund Simon später in aller Ruhe noch machen.

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„Jetzt gibt es erst einmal Spareribs“, lädt sie ein. Auch ein Richtfestbier ist vorbereitet. Dass alles so gut geklappt hat, hat einen besonderen Grund. „Wir sind 99 Prozent in der Halle und nur ein Prozent der Zeit auf der Baustelle“, informiert Wolfsteiner. Die Kunden würden das fertige Haus in der Produktionsstätte in Amberg abnehmen, wo es zusammengebaut wurde, dann wird es nur noch geliefert. Und das klappt gut, wie die Tegernauer alle mitbekommen haben, die dem Spektakel interessiert beigewohnt haben.

Wohnen im Eigenheim auf 50 Quadratmetern – das kann kuschlig sein, hat aber auch seine kuriosen Momente. In Glonn lebt ein Paar im ersten „Tiny House“ der Gemeinde – und bekommt öfters mal unverhoffte Besucher.

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