Falkner Tobias Daser mit einem europäischen Uhu. Er liebt seine Tiere.
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Falkner Tobias Daser mit einem europäischen Uhu. Er liebt seine Tiere.

Ein Paar, ein Hobby

Die Vogelflüsterer von Haging: Ein Leben für die Falknerei

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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In Haging gibt es eine der wenigen Falknereien im Landkreis. Zwei Falken, drei Bussarde, zwei Uhus und eine Eule sind dort daheim.

Haging – Viele, schmale Narben überziehen die rechten Arme von Kathrin Eichner und Tobias Daser. Die Wunden kommen von ihren Vögeln. Wenn die beiden Vogelbegeisterten die Gehege ihrer Schützlinge säubern oder die Tiere füttern, fliegen sie manchmal auf die Beiden zu und greifen mit ihren Fängen nach den Menschenarmen. Manchmal fließt dabei ein wenig Blut. Die Tiere machen das nicht mit Absicht. „Das bleibt nicht aus“, sagt Daser, 27. In Haging bei Frauenneuharting lassen er und seine Freundin Kathrin Eichner, 25, die Vögel über die kleine Falknerei kreisen.

Daser erinnert sich noch gut an den Steinadler, den er den ganzen Tag anstarrte. Er wurde von der Pracht des majestätischen Vogels angezogen. Das war vor sechs Jahren auf einer Forstmesse. Seitdem war ihm klar: „Ich will Falkner werden“. Dafür brauchte er ein Jagdprüfungszeugnis und einen Falknerschein. Der Landmaschinenmechaniker ist Vogel-Fan: Er hält nicht nur eigene Tiere, ehrenamtlich hilft er in der Greifvogelauffangstation in Otterfing im Kreis Miesbach.

Mit aufgefächerten Flügeln steuert ein Wüstenbussard den dicken Lederhandschuh von Kathrin Eichner, 25, an.

Die beiden Uhus krächzen lautstark aus ihren Hälsen

Kathrin Eichner und Tobias Daser stehen vor den Gehegen in Haging. Die Tiere machen einen Riesenlärm, vor allem die beiden Uhus krächzen lautstark aus ihren Hälsen. „Die wissen, dass ich da bin“, sagt Daser. Um diese Zeit, etwa 18 Uhr, beginnt für gewöhnlich das Training mit den Vögeln. Hin- und herfliegen und Federspieltraining etwa. Rund zwei Stunden täglich werden die Tiere trainiert. 14 Tage Urlaub in der Karibik, „das geht mit diesem zeitintensiven Hobby nicht“, sagt Daser. Die nahe Stromleitung ist kein Problem für das Training. Jetzt ist aber genug geredet, die Vögel warten ungeduldig auf ihre Flüge. Los geht’s.

Tobias Daser öffnet die Tür eines Geheges, Voliere genannt. Einen Flügelschlag später kommen zwei europäische Uhus aus der Holztür gedüst. Sie segeln abwechselnd zu Daser, Eichner oder einer Holzstange. Ein paar schnelle Flügelschläge, schon gleiten sie über den Boden zu ihrem Futter. Das Fressen halten Daser und Eichner mit ihren Lederhandschuhen. Ratten, Mäuse und Eintags-Küken stehen auf dem Speiseplan der Vögel.

Die Uhus: 170 Zentimeter Spannweite und etwa drei Kilo schwer

Die beiden Uhus sind große Tiere, beide weiblich, rund 170 Zentimeter Spannweite und etwa drei Kilo schwer. Die bernsteinfarbenen Augen durchdringen seine Betrachter, so als ob man sich von den Tieren angesprochen fühlt. Die Vögel heißen Malin und Luna. Sie stammen aus einer Zucht aus dem Bayerischen Wald.

Als nächstes ist einer der beiden Lannerfalken an der Reihe. Es sind edle Tiere, die man besser nicht anfasst. Das mögen sie nicht. Sie sind mit einem weißen Gefieder und dunklen Streifen geschmückt. Ihr Jugendkleid. Die Vögel zu verkaufen, das kommt für Daser nicht infrage. Sie bleiben bei ihm bis die Wildvögel sterben. Er liebt seine Tiere, schmust mit ihnen, gibt ihnen Kosenamen. „Schnucki“ etwa.

Aug in Aug mit einem Wildvogel. Kathrin Eichner hält einen Falken auf dem Arm. 

Viele Gruppen besuchten vor der Corona-Pandemie die Flugvorführungen in Haging

Familien, Schulklassen, Vereine. Viele Gruppen besuchten vor der Corona-Pandemie die Flugvorführungen in Haging. Seit Juni gibt es wieder Shows, allerdings nur in kleinen Gruppen. „Wir wollen den Leuten die Wildvögel näherbringen“, sagt der Falknerei-Chef. Eine Mail an die zwei Vogelflüsterer genügt, um eine Vorführung zu organisieren.

Eine echte Attraktion: ein Steppenadler

Im kommenden Jahr soll die Falknerei um eine Attraktion reicher sein: Ein Steppenadler soll in Haging dazukommen. Es sind große Tiere, mit braunem Gefieder und einem gelben, abgebogenen Schnabel. „Einen Adler zu halten ist die Meisterprüfung“, sagt Daser. Ein Jahr lang müsse das Tier eingeflogen werden. Eine wichtige Zeit, denn Adler seien eifersüchtig und sie bleiben ein Leben lang beim Falkner.

Das Schönste an der Falknerei sei, den Tieren ihre Freiheit zu schenken, sagt Daser. Bei jedem Flug könnten die Tiere entscheiden, ob sie wegfliegen wollen. „Bisher sind sie immer wieder zurückgekommen.“

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