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Stimmgewaltiger und gestenreicher Fastenprediger: Peter Gschwendtner alias Abt Sebastian vom Kloster Ebersberg.

 Peter Geschwendtner als Abt vom Kloster Ebersberg

Fastenpredigt in Frauenneuharting: Aus Tegernau wird Jägernau

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Zum zweiten Mal hat „Abt Sebastian“ vom Kloster Ebersberg den Frauenneuhartingern in seiner Fastenpredigt die Leviten gelesen. Und wieder war es eine Riesengaudi.

Frauenneuharting – Wenn ein Bayer so bei der Sache ist, dass ihm darüber sogar das eingeschenkte Weißbier lack wird, dann treibt ihn der Feuereifer an – oder gleich der Heilige Geist. Ein bisschen was von beidem schien in den Abt Sebastian von Ebersberg gefahren zu sein, der zum zweiten Mal zur Fastenpredigt in den Frauenneuhartinger Gemeindesaal geladen hatte. Während das bereitgestellte Bier am Boden neben dem Rednerpult vereinsamte, las Peter Gschwendtner, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, der versammelten politischen Lokalprominenz die Leviten – und nahm Begebenheiten und Persönlichkeiten aus der kleinen Südgemeinde und der großen Kreis- und Landespolitik charmant aufs Korn.

Die gute Laune von Peter Gschwendtner alias Abt Sebastian von Ebersberg wirkte ansteckend aufs Publikum.

Dabei glänzte der Abt in seiner braunen Kutte mit Stimmgewalt, ausladender Gestik und Schelmenmiene. Dem gastgebenden CSU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz attestierte er, dass so mancher Landwirt bei seinem Besuch schon Tür und Tor verriegelt habe – weil er ihn in seinem Uralt-Audi für die südosteuropäische Bettelmafia gehalten habe.

CSU-Männer legen sich Dirndl zu

Zudem sähen sich Lenz und der Landtagsabgeordnete Thomas Huber bei der Tegernauerin Claudia Heilmann nach „Bayurveda“-Kursen gegen Alterserscheinungen um und hätten sich bei der örtlichen Damenschneiderei Hopf Dirndl herausmessen lassen – die CSU wolle schließlich jünger und weiblicher werden. Nur der (ebenfalls anwesende) CSU-Landrat Robert Niedergesäß warte noch ab, wie die Damenmode seinen Parteikollegen stehe: „Etwas unbesehen kaufen – das macht er so schnell nicht mehr“, ulkte der Kuttenträger mit Blick auf den Ärger um die Zimmereinrichtung in der Kreisklinik und das verlotterte Ebersberger Sparkassengebäude.

Gut 130 Gäste lauschten in Frauenneuharting der Fastenpredigt.

Die gut 130 Saalbesucher zollten den Pointen lauten Applaus und Gelächter – nur einmal wurde Bedauern hörbar: Als der Abt über den bevorstehenden Ruhestand von Postboten-Urgestein Manfred Gramlich sprach, der seit 40 Jahren in der Gemeinde Briefe und Packerl austrägt. Ihn lockte der Abt, doch ein paar Jahre dranzuhängen – wahlweise „mit einer Beförderung zum Postrat oder einem Postrad zur Beförderung“.

Mehr Sitzungsgeld für den Gemeinderat - wegen Wirtshausbesuch

Dem Bürgermeister Eduard Koch empfahl Abt Sebastian, das Sitzungsgeld seiner unterbezahlten Gemeinderäte zu erhöhen – die seien schließlich nach den spätabendlichen Sitzungs-Nachbesprechungen beim nahen Höherwirt oft genug ärmer als davor.

Ebenfalls ihr Fett weg bekamen die Tegernauer. Nachdem in dem Dorf so viele neuerdings den Jagdschein gemacht hätten „wird jedes Reh dort von drei Jägern betreut“, so der Fastenprediger – man könne den Ort doch gleich in Jägernau umbenennen.

Gschwendtner als Abt hatte sichtlich Spaß an den Pointen und Geschichten, die ihm seine Redenschreiber, allen voran Martin Moosmeyer sowie Peter Loipfinger und Markus Wimmer, zusammengetragen hatten. „Ich wollte auch mal Politiker werden, aber das hier ist viel schöner“, verkündete er – und man glaubte es ihm.

„Vergesst nicht, der liebe Gott sieht alles“

Und so erwischte es noch die katholische Frauengruppe, die den Komiker Roland Hefter eingeladen hatte – der so derbe Pointen gerissen habe, dass den Männern im Saal die Ohren geglüht hätten – „und ihr habt auch noch geklatscht!“. Der Abt beschloss seine gut anderthalbstündige Rede nach einem Schwenk durch die Landespolitik von Kreuz-Erlass bis Artensterben mit den Worten „Noch vieles hätte ich euch zu sagen, doch mehr könnt ihr nicht ertragen“ – und der äbtlichen Mahnung: „Vergesst nicht, der liebe Gott sieht alles“!“

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