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Breitbandausbau: Frauenneuharting wird bald zu den am besten versorgten Gemeinden im Landkreis Ebersberg gehören.

Jetzt gibt es zwei Anbieter

Breitband: Wettstreit um Tegernau

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Leben auf dem Land und – was die Breitbandversorgung betrifft – im Tal der Ahnungslosen? Eher das Gegenteil ist der Fall.

VON MICHAEL SEEHOLZER

Frauenneuharting –  Als Beispiel für diese Behauptung mag die Gemeinde Frauenneuharting und da insbesondere der Ortsteil Tegernau gelten. Mindestens 100 Mbit pro Sekunde werden den Bürgern demnächst ins Haus geliefert. So der Plan.

„Im Juni 2020“, informiert Martina Wilde vom Ingenieurbüro Ledermann, werde es so weit sein. Dann können alle Frauenneuhartinger sich über schnelles Internet freuen. Derzeit evaluiere das Büro in der Planung, „ob es noch weiße Flecken“ der Unterversorgung in der Gemeinde gebe.

Bestversorgte Kommune

Wilde bestätigt auch, dass Frauenneuharting dann mit zu einer der bestversorgten Kommunen im Landkreis Ebersberg gehören wird. Einen ähnlichen Versorgungsgrad würden aber auch Baiern und Glonn erreichen, die von der Deutschen Glasfaser mit Breitband bedient werden.

Das Besondere an Tegernau ist, dass Bürger dieses Frauenneuhartinger Ortsteils überraschenderweise sogar die Auswahl zwischen zwei Anbietern haben.

Das kam so: Im vorgeschalteten Bieterverfahren hatte sich Amplus durchgesetzt. Entscheidend dafür war auch, dass Fördergeld vom Freistaat geflossen ist, entsprechend der Breitbandrichtlinie. In der heißt es wörtlich. „Zweck der Förderung ist der sukzessive Aufbau von hochleistungsfähigen Breitbandnetzen im Freistaat Bayern mit Übertragungsraten von mindestens 50 Mbit/s im Download und viel höheren Upload-Geschwindigkeiten als bei Netzen der Breitbandgrundversorgung in den Gebieten, in denen diese Netze noch nicht vorhanden sind und in denen sie nach in den kommenden drei Jahren von privaten Investoren wahrscheinlich auch nicht errichtet werden.“

Staatliche Hilfe

Den Bürgern auf diesen Flächen sollte mit staatlicher Hilfe unter die Arme gegriffen werden. Auch die Kommune Frauenneuharting musste deswegen dafür in Form eines Eigenanteils Geld in die Hand nehmen – etwa 180 000 Euro. Für die Leitungen von Amplus muss innerorts gegraben werden.

In den vergangenen Wochen nun flatterten den Tegernauern Postwurfsendungen ins Haus, in denen die Telekom den Kunden ebenfalls 100 Mbit anbietet – ohne Förderung, dafür mit Vektortechnik über das bestehende Kupferkabel und ohne große Grabungen. Vectoring bedeutet laienhaft, Signale in beieinanderliegenden, bestehenden Kabeln so zu bündeln, dass sie sich nicht gegenseitig stören. Das erhöht den Datendurchsatz deutlich. Der Anruf eines Tegernauers bei der Bestell-Hotline ergab, dass das neue Angebot „in den kommenden drei Monaten“ freigeschaltet werden soll.

Mehr Luft nach oben

Die aktuelle Entwicklung kann man jetzt aus zwei Blickwinkeln betrachten. Wäre dieses Angebot der Telekom eher gekommen, hätte es keine staatliche Förderung für den Breitbandausbau von Tegernau gegeben, Steuergeld wäre gespart worden. Andererseits ist wohl in ein paar Jahren die Vektortechnik gegenüber dem Glasfaser im Nachteil, weil sich die beanspruchten Datenmengen mit Sicherheit nicht verringern, sondern erhöhen werden, etwa bei technischen Anwendungen von Betrieben am Ort. Das spielt auch bei der Neuansiedlung eine entscheidende Rolle. Das Glasfaser bietet mehr Luft nach oben.

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Den Bürgern am Ort kann das zum derzeitigen Zeitpunkt zwar egal sein, ihnen ist eher wichtig, dass sie überhaupt einen leistungsfähigen Anschluss haben.

Bürgermeister ist überrascht

Zum derzeitigen Evaluierungsprozess des Büros Ledermann gehören die Rückmeldungen der jeweiligen Anbieter, weshalb Martina Wilde über die Aktivitäten der Telekom informiert ist, wie sie bestätigt. Den Ist-Stand des Versorgungsgrades wird sie zeitnah der Kommune und Bürgermeister Eduard Koch vorstellen.

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Bürgermeister Eduard Koch selbst meint zur aktuellen Entwicklung: „Das hat mich auch überrascht, dass die Telekom jetzt zum Beispiel am Steinbruch 100 Mbit anbietet.“ Er wolle die Geschäftspolitik dieses Anbieters aber nicht kommentieren. Für die Tergernauer bedeute das jedenfalls eine Wahlmöglichkeit.

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