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Polizeieinsatz beim Höherwirt in Frauenneuharting: Regisseur Manuel Weiss (links) gibt seinen Schauspielern Anweisungen. Die Polizisten im Bild sind echte Beamte. Nur sie dürfen Polizeiwagen fahren, sagt Weiss.

Neuer Film aus dem Landkreis

Frauenneuharting: Mord und Totschlag beim Höherwirt

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Die Serie Ebersberg haben viele gesehen. Dabei geht’s um die Legende der weißen Frau. Seit Freitag gibt es den Film Tag X. Er wurde teils im Landkreis gedreht.

Frauenneuharting – Es ist dunkel. Drei Polizisten schleichen mit Taschenlampen in einem Bauernhaus in Frauenneuharting, beim Höherwirt. Die Pistolen haben sie im Anschlag. Man hört nichts, außer das Atmen der Beamten und das Knarzen der Jahrhunderte alten Holzdecke. Die Beamten schauen sich an: Der Staub, der durch die Ritzen der Decke nach unten fällt, scheint im Lichtkegel der Taschenlampe. Tritte im ersten Stock. Dort muss jemand sein. Plötzlich kommt jemand die Treppe herunter. Die Polizisten reagieren blitzschnell, richten ihre Waffen auf den Mann. Dann...

Nach „Ebersberg“: jetzt „Tag X“

Wir verraten nicht mehr. Denn es sind Szenen aus einem neuen Film. Einem Thriller von Manuel Weiss, 37. Er hatte auch schon die Serie „Ebersberg“ gedreht. Im Januar vergangenen Jahres drehte er beim Höherwirt in Frauenneuharting den Film „Tag X“. Ein Jahr nach den Drehaufnahmen steht der Waldtruderinger wieder am Ansatz der alten Stiege des Bauernhauses. Die Hände hat er zu einer Pistole geformt. Der Regisseur spielt die Szene nochmal nach: „Polizei! Hände hinter den Kopf“, ruft er.

„Hände hoch“: Manuel Weiss spielt eine Szene im Wirtshaus in Frauenneuharting nach.

Es geht um Selbstjustiz und Pädophilie

Manuel Weiss, blaue Augen, dunkle Mütze, hippe Jacke, ist ein absoluter Film-Nerd. In seinem neuen 90-Minüter geht’s um Selbstjustiz und Pädophilie, sagt er. Angelehnt an einen echten Mordfall aus den 1990ern. „Tag X“ dreht sich um die verwitwete Tanja (Carina Diesing) und ihre Tochter Lilly (Jolie Sarah Werner aus Vaterstetten). Lilly wird entführt, Mutter Tanja geht durch die Hölle. Hinter der Entführung steckt ein schreckliches Familiengeheimnis.

Ein Krimi wie er sonntags auf ARD lauft. Nur: Weiss Film hat 34 000 Euro gekostet. „Ein Tatort, ohne Til Schweiger, kostet 1,4 Millionen“, sagt der Regisseur. Ein Low-Budget-Streifen gelinge nur mit guter Organisation und großen Netzwerk. Rechnet Weiss die unbezahlte Arbeit für Filmteam und Schauspieler sowie Kosten für Technik und Drehort-Mieten dazu, kommt er auf ein Budget von einer halben Million Euro.

Gefilmt wurde 22 Tage. Unter anderem in Vaterstetten, Oberpframmern und eben Frauenneuharting. Alle Szenen mit der 14-jährigen Jolie Sarah Werner machten sie in den Herbstferien. Weil Werner noch Schülerin ist. Anfang Januar des vergangenen Jahres dann die restlichen Aufnahmen.

Klappe, die Dritte: Die Schauspieler Tobias Kay und Carina Diesing am Set, Weiss steht hinter der Kamera.

30 000 Euro gabs vom FilmFernsehFonds Bayern

Sieben Monate plante Weiss den Streifen. Möglich war das Projekt durch den FilmFernsehFonds Bayern. Sie sponserten 30 000 Euro. BMW lieh dem Filmteam zwei Autos. Schauspieler und Filmcrew bekamen Einiges weniger als die übliche Gage. „Der Film kann ein Sprungbrett für die Schauspieler sein“, sagt Weiss, der auch Drehbuchautor des Thrillers war.

Der Film kann seit vergangener Woche bei Apple TV, Amazon und Google Playstore gekauft oder geliehen werden. Reich wird Manuel Weiss damit wohl nicht: Pro gestreamte Minute bekomme er einen halben Cent.

„Mir geht’s um die Aufmerksamkeit als Regisseur und Produzent“, sagt der junge Filmemacher. Er müsse seinen Weg in die Filmbranche noch finden. Er möchte mehr Spielfilme drehen.

Angefangen hat Weiss als Mediengestalter fürs Fernsehen. Er studierte an der Bayerischen Akademie für Fernsehen und ging danach zu Pro7. Dort produzierte er Serien wie „Popstars“ und „Germanys next Topmodel“. „Das war die beste Arbeitszeit meines Lebens“, sagt der Cineast. Vom Gehalt kaufte er sich Ausrüstung für seine eigenen Filme. Seit mehreren Jahren schon ist Weiss selbstständig, produziert Musikvideos und Werbefilme.

„Ebersberg“ international bekannt: Asiaten stehen auf Geistergeschichten

Seine Serie „Ebersberg“ wurde übrigens international bekannt: Sie wurde auf Filmfestivals in den Staaten, in Spanien und Asien gezeigt. „Die Asiaten stehen auf Geistergeschichten“, sagt Weiss.

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