+
Der Glasfaseranbieter Amplus informierte im Frauenneuhartinger Gemeindesaal. 

Informationsabend stößt auf großes Interesse

Surfen Frauenneuhartings Weiler bald schneller als Grafing?

  • schließen

Es gab Klärungsbedarf beim Thema Glasfaserausbau in Frauenneuharting. Das zeigte schon allein der Andrang im  Gemeindesaal.

Frauenneuharting – Zu dem Infoabend des Glasfaseranbieters Amplus, der den Internetausbau im Gemeindeteil Tegernau und den umliegenden Weilern stemmen soll, waren mehr als 90 Zuhörer gekommen – ein erklecklicher Anteil also der rund 110 Haushalte, die überhaupt potenzielle Ausbaukunden sind.

Gebrannte Kinder beim Internet

Grund ist wohl, dass die Bürger in der kleinen Südgemeinde beim Internet gebrannte Kinder sind: Vor rund zehn Jahren hatte der Richtfunk-Anbieter Televersa versucht, die Breitband-Versorgungslücke in der Gemeinde zu schließen. Es folgten: Andauernde Störungen und Ausfälle bei Internet und Telefon und endlose Hotline-Wartezeiten. Inzwischen ist die Televersa pleite, es gibt immerhin eine Grundversorgung durch die Deutsche Telekom – und Amplus verspricht, dass endlich alles gut wird.

Leitungen sollen in der ersten Jahreshälfte verlegt werden

Das Verlegen der Leitungen soll gemäß Kooperationsvertrag noch in der ersten Jahreshälfte 2019 beginnen. Bis Juni 2020 will der Anbieter die Anschlüsse mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 Mbit/s freigeschaltet haben. „Dann hat Tegernau viel besseres Internet als Grafing“, versprach Bauleiter Florian Solfrank. Dieser Top-Anschluss kostet laut Amplus rund 55 Euro im Monat, die Basis-Glasfaserversorgung mit 30 Mbit/s kostet marktübliche 35 Euro, nach zwei Jahren werden die Tarife allerdings fünf Euro teurer.

800 Euro kostet der Anschluss

Am meisten interessierte die Besucher aber etwas anderes: Amplus verspricht, das Glasfasernetz für rund 800 Euro pauschalen Eigenbeitrag von der Grundstücksgrenze bis ins Gebäude zu legen – egal ob dafür nur ein Mauerdurchbruch oder kilometerlange Erdarbeiten unter Asphalt und Pflaster notwendig sind. Und wer sich diesen Anschluss legen lässt, müsse nicht zwingend Kunde bei dem Versorger aus dem niederbayerischen Teisnach werden, versprach Amplus-Vertreter Josef Pikarski in seinem Infovortrag: „Ob der Kunde das will oder nicht, entscheidet der Kunde.“

Nur: Wer in den kommenden Jahren in Tegernau weg vom lahmen Kupferkabel möchte, kommt an dem Anbieter nicht vorbei. Denn anders als die Telekom betreibt dieser (wie auch andere regionale Anbieter) sein Glasfasernetz die kommenden Jahre exklusiv. Wann in Tegernau freie Wahl herrscht, vermochte Pikarski nur mit einem vagen „in sieben, acht, neun, zehn Jahren vielleicht“ zu beantworten – was einen Bürger zu dem verärgerten Ausruf bewegte: „Da wird mit meinem Steuergeld ein Monopolist aufgebaut!“

„Später wird es viel, viel teurer“

Die Stimmung im Saal schien dem neuen Anbieter, der laut Eigenangabe bislang vorwiegend in Niederbayern und der Oberpfalz rund 4000 Anschlüsse verlegt hat, unterm Strich am Ende aber überwiegend vorsichtig gewogen. Für viele zog offenbar das Argument, den Anschluss nun zum Pauschalpreis zu erhalten und damit dem Anbieter zufolge den Wert ihrer Immobilie um bis zu 15 Prozent zu steigern – verbunden mit der Warnung: „Später wird es viel, viel teurer.“ Die Gemeinde selbst kostet der Ausbau übrigens nach eigener Angabe rund 180 000 Euro, das sind 20 Prozent der Gesamtkosten. Den Rest zahlen staatliche Fördertöpfe.

Breitband

Die übrigen Teile der Gemeinde Frauenneuharting werden derzeit von der Telekom ausgebaut, die die Glasfaserkabel allerdings nicht direkt bis ins Haus legt. Die zweite Ausschreibung, die Amplus gewann, war nötig geworden, da Tegernau in der ersten Planungsphase vergessen worden war (wir berichteten) – ob von Gemeinde, Planungsbüro oder Telekom, dazu gibt es unterschiedliche Meinungen.

Derweil räumte Bürgermeister Eduard Koch bei dem Infoabend ein, dass sogar noch eine dritte Ausschreibung nötig werden könnte, da sich Bürger gemeldet hätten, die weder bei Phase eins noch zwei berücksichtigt worden, noch ausreichend versorgt seien. Derzeit läuft laut Koch deshalb eine erneute Markterkundung.

Lesen Sie auch: Zuerst der Frauenneuhartinger Kern - dann die Ortsteile

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ebersberger Grüne: Grenzen des Wachstums erreicht
Für die  Grünen sind die Grenzen des Wachstums erreicht. Lebensqualität gebe es in Zukunft nur, wenn man das Motto „höher, schneller, weiter“ durch das Prinzip …
Ebersberger Grüne: Grenzen des Wachstums erreicht
Das offene Geheimnis ist keines mehr
Jetzt ist es offiziell: Plienings Bürgermeister Roland Frick (65, CSU) tritt 2020 nochmal zur Kommunalwahl an. Gegenkandidaten sind bislang keine in Sicht.
Das offene Geheimnis ist keines mehr
Jugendkapelle Gelting-Poing auf großer Bühne mit Auma Obama
Jetzt kennt auch Auma Obama, die Schwester des ehemaligen US-Präsidenten, die Jugendkapelle Gelting-Poing. Die durfte bei einer Benefizgala spielen, bei der Obama zu …
Jugendkapelle Gelting-Poing auf großer Bühne mit Auma Obama
Rieseninteresse an Photovoltaik in Zorneding
Obwohl die jüngste Informationsveranstaltung zum Thema Photovoltaik in Zorneding erst vor wenigen Monaten stattgefunden hatte, zeigte sich jetzt erneut reges Interesse …
Rieseninteresse an Photovoltaik in Zorneding

Kommentare