Wohlbehalten zurück nach 13 Tagen: Apollo mit seinen glücklichen Besitzern Tobias Daser und Kathrin Eichner.Foto: privat
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Wohlbehalten zurück nach 13 Tagen: Apollo mit seinen glücklichen Besitzern Tobias Daser und Kathrin Eichner.

Bangen um ausgerissenen Jagdvogel

Irre Odyssee: Vermisster Falke „Apollo“ aus Frauenneuharting nach zwei Wochen im Allgäu gerettet

  • Wolfgang Herfort
    vonWolfgang Herfort
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13 Tage lang war Falke „Apollo“ verschwunden - Vermeintliche Beobachter meldeten sich sogar aus Sachsen. Nun ist der edle Vogel der Falknerei von Tobias Daser und Kathrin Eichner aus Haging bei Frauenneuharting gerettet. Dem Vogel ist die Odyssee anzumerken.

Frauenneuharting – 13 Tage waren Tobias Daser (27) und Kathrin Eichner (25) in Sorge. Apollo, ein Schützling ihrer kleinen Falknerei in Haging, war entflogen. Ausgerissen bei einem Trainingsflug. Der Grund: ein Mäusebussard. „Den wollte er nicht in seinem Revier haben“, so Daser. Was folgte, war Neuland für den jungen Falkner. „Apollo reagierte bockig, wollte nicht zurück.“ Kein Leckerbissen half.

Falke vermisst: Dann geht auch noch der GPS-Sender kaputt

Mit jedem Tag, den Apollo, wegblieb, stieg die Befürchtung, der sieben Monate alte Ger-Lanner Falke könne bei dem nasskalten Wetter Schaden nehmen. Zumal der GPS-Sender, mit dem der Greifvogel ausgestattet war, seinen Geist aufgab. Der Kontakt war abgerissen.

Mittlerweile hatten seine Besitzer alles Mögliche unternommen, um Apollo zu finden. Ein Aufruf in den sozialen Medien brachte eine Flut von Anrufen „von Halfing bis aus Sachsen“, aber kaum einen brauchbaren Hinweis. „Zumeist waren es Turmfalken oder Mäusebussarde, die uns gemeldet wurden.“

Verzweifelte Suche: Alle helfen mit

Zahlreiche Bekannte, Freunde und die Familie, ausgestattet mit Beuteattrappen, halfen mittlerweile bei der Suche. An ein geregeltes Arbeiten war bald nicht mehr zu denken. Da die beiden jungen Leute – er Landmaschinenmechaniker, sie Zahnarzthelferin – die Falknerei als Hobby betreiben, liegen ihnen ihre Tiere besonders am Herzen.

Am vergangenen Freitag dann ein Anruf aus Steinhöring. Apollo sitze unter einer Hecke. „Bin natürlich sofort hin“, so Daser. Dort saß auch ein Vogel, allerdings nicht der Ausreißer, sondern ein verletzter Sperber. „Glück für ihn, dass Apollo ausgerissen ist. Sonst hätte er wohl kaum Überlebenschancen gehabt. So konnten wir ihn mit gebrochenem Flügel in eine Auffangstation bringen.“

Ausgerechnet eine Falknerin entdeckt Apollo beim Spazierengehen

Am 5. November dann die Erlösung. Eine Frau rief aus Wertach bei Füssen an. Was sie erzählte, konnten Daser und Eichner kaum glauben. Beim Spaziergang hatte ihr Hund den Vogel entdeckt. Da Apollo an Vierbeiner von zuhause gewohnt ist, lief er, zu schwach zum Fliegen, nicht davon. Die Finderin reagierte sofort und wusste, was zu tun ist – denn auch sie ist Falknerin. Also eilte sie nach Hause, holte ihren Lederhandschuh und ein Eintagsküken, um Apollo einzufangen. Als sie allerdings zur Fundstelle zurück kam, war der Falke weg. Doch dank seines Glöckchens am Bein machte sich Apollo bemerkbar. Die Rettung.

Der Falke ist stark abgemagert, aber sonst wohlauf

Durch die Beringung war schnell klar, wohin der Vogel gehört. „Das ist quasi sein Personalausweis“, erklärt Daser. „Als sie mir dann noch ein Bild von ihm schickte, war ich mir sicher, das ist unser Apollo.“ Mehr als nur ein Stein fiel dem Falkner vom Herzen. Dreieinhalb Stunden und gute 200 Kilometer Autofahrt später war der Ausreißer wieder in der Obhut seiner Besitzer.

Wie strapaziös der Ausflug war, lässt sich am Gewicht ablesen, das der Falke im Laufe der 13 Tage verlor. „Als er abgehauen ist, war er 930 Gramm schwer. Jetzt hat er rund 500 Gramm. Unterwegs muss er aber etwas erjagt haben, sonst hätte er die Zeit nicht überstanden“, mutmaßt Daser.

Wir sind einfach nur glücklich, dass er wieder da ist.

Falkner Tobias Daser

Mit Schonkost und Vitaminen versuchen die beiden Falkner den Greifvogel jetzt wieder aufzupäppeln. „Wir sind einfach nur glücklich, dass er wieder da ist.“

Auch Apollo schien froh, zuhause zu sein – in seiner Voliere, wo ihn seine ältere Schwester Pearl sehnsüchtig zurück erwartet hatte.

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