Wasser stopp: Die Frauenneuhartinger Feuerwehr ist zwar klein – ober oho. Die Einsatzkräfte benutzen ein neues, schnelles System gegen Hochwasser.

Frauenneuhartinger Feuerwehr geht neue Wege

Water-Gate: Hochwasser keine Affäre mehr

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Wer Hochwassereinsätze üben will, muss manchmal eine Überflutung selbst erst erzeugen. Die Frauenneuhartinger Feuerwehr hat erfolgreich vorexerziert, wie so etwas gemacht wird.

Frauenneuharting – Schauplatz der ungewöhnlichen Übung war der Almer Bach auf Höhe des Anwesens Ossenstetter. Die Mannschaften stauten am Donnerstag vergangener Woche das Gewässer auf, pumpten mit einer Hochleistungspumpe 2,5 Kubikmeter Wasser pro Minute auf die nahe Straße und fingen es anschließend mit einer mobilen Sperre wieder auf, um es in den Bach zurückzuleiten. Aber was war eigentlich genau der Zweck dieser Übung?

Die Frauenneuhartinger Wehr ist zwar eine der kleineren im Landkreis, aber auch sehr rührig. „Die haben sich immer schon für Hochwasser- und Katastrophenschutz stark gemacht“, sagt Kreisbrandrat Andreas Heiß anerkennend. Die nächtliche Übung hat eine kleine Vorgeschichte.

Vor gut einem Jahr wurde in Steinhöring nämlich eine innovative Erfindung vorgestellt, und der Frauenneuhartinger Gemeinderat war anschließend mehrheitlich der Ansicht: Diese Wassersperre muss her. Die kleine Ortsfeuerwehr ist im Landkreis Ebersberg damit die erste, die das neue System jetzt einsetzen kann und laut Auskunft des Lieferanten die einzige in Bayern, die über vier dieser Schutzeinrichtung namens „Water-Gate“ überhaupt verfügen kann.

Kommandant Georg Renner erläuterte gegenüber der Ebersberger Zeitung die Vorzüge: Das System bestehe aus einer starken Folie, „ähnlich wie eine Lastwagenplane“. Die werde einfach auf den Boden gelegt, dort, wo sich Hochwasser bildet. Die Wassermassen beschweren den unteren Teil der Folie, die durch dieses Gewicht auf den Boden gedrückt wird. Der obere Teil der gefalteten Plane, mit dem die Grundfläche über Stege verbunden ist, richtet sich je nach Wasserhöhe selbständig auf. „Das Ganze muss man sich vorstellen, wie ein in der Mitte gefaltetes Blatt“, so Heiß. Der große Vorteil der Erfindung: Es geht viel schneller, als wenn Sandsäcke aufgerichtet werden müssten. „Die Plane kann ein Mann alleine tragen und man braucht kein spezielles Fahrzeug dafür“, berichtet Renner. „Außerdem ist sie jederzeit wiederverwendbar.“

Von der Frauenneuhartinger Investition könnten im Ernstfall auch die umliegenden Kommunen profitieren, etwa Steinhöring, Ebersberg oder Grafing, so Renner. Insgesamt wurden zum Preis von etwa 16 000 Euro vier dieser Einheiten beschafft. „Wenn wir nur ein paar Häuser retten können, hat sich das schon rentiert“, ist sich Renner sicher.

Inzwischen benutzen zahlreiche Einsatzkräfte in der ganzen Bundesrepublik das neue, schnelle System, das von Ruedi Jungen aus Frutingen in der Schweiz vertrieben wird. Auch die Berufsfeuerwehr in Burghausen und das Technische Hilfswerk vertrauen auf die innovative Erfindung. Vielleicht kommt aus dem Landkreis Ebersberg bald ein neuer Auftrag, denn Jungen berichtet von einer Anfrage der Anzinger Feuerwehr, die dieser Tage bei ihm eingegangen sei.

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