An der E-Zapfsäule: Simon Wieser vom gleichnamigen Elektrofachbetrieb aus Frauenneuharting verbindet den Ladestecker seines Peugeot 208e mit der „Wallbox“ genannten Ladestation.
+
An der E-Zapfsäule: Simon Wieser vom gleichnamigen Elektrofachbetrieb aus Frauenneuharting verbindet den Ladestecker seines Peugeot 208e mit der „Wallbox“ genannten Ladestation.

„Anschluss-Fieber“

Satte Förderung: Kunden scharf auf Wallboxen für E-Autos – Obwohl mancher keines hat

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
    schließen

Dank satter Zuschüsse ist der Ansturm auf Wallboxen für E-Autos auch im Landkreis Ebersberg groß. Dabei fährt längst nicht jeder Kunde bereits elektrisch.

Landkreis/Frauenneuharting – Der Staat hat es sich zum Ziel gesetzt, die Energiewende anzuschieben, besonders bei der Elektromobilität. E-Auto-Käufer bekommen satte Förderprämien von bis zu 9000 Euro. Doch das ist noch nicht alles: Wer sich als Privatmensch eine E-Auto-Ladesäule oder „Wallbox“ aufstellt oder an Haus- oder Garagenwand schraubt, bekommt von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) pauschal 900 Euro ausbezahlt.

Das hat einen solchen Ansturm auf die Geräte ausgelöst, dass die Hersteller und Elektrofachbetriebe kaum hinterherkommen. Wer heute bei ihm anrufe, berichtet etwa Simon Wieser (33) vom gleichnamigen Elektro-Betrieb in Frauenneuharting, müsse mit einem Vorlauf von gut einem halben Jahr rechnen, bis die private Ladesäule läuft. „Auf jeden Fall mehrere Monate“, sagt Wieser.

Seit es den Zuschuss gibt, ist der Ansturm der Kunden gewaltig

Im vergangenen Jahr, als es den Zuschuss noch nicht gab, sei die Nachfrage noch „verschwindend gering“ gewesen, sagt der Firmenchef. Heuer habe sein Betrieb über 100 Geräte eingebaut – und fast noch einmal so viele Kunden stehen auf der Warteliste. Viele davon mit eigener Photovoltaik-Anlage, die den Strom vom Dach direkt ins Auto laden wollen.

Aber längst nicht alle. So mancher Kunde besitze gar kein Elektroauto – und plane derzeit auch nicht, sich eines anzuschaffen. Eingebaut wird also manchmal, weil es dafür Förderung gibt, denn mit einer Wallbox lässt sich sonst nichts anfangen, wenn man kein Elektro-Fahrzeug hat. „Es gibt auch Leute, die kaufen jetzt eine Wallbox, weil sie die Vision haben, sich mal ein E-Auto anzuschaffen“, sagt der Elektro-Spezialist aus Frauenneuharting.

Und es gebe so manchen Strategen, der versuche, mit der Rechnung möglichst nahe an die Fördersumme zu kommen. Das gehe zum Beispiel über den Einbau einer möglichst billigen Wallbox, damit Rechnung und Montage idealerweise 901 Euro oder nicht viel mehr kosten – oder indem der Kunde ein teures Gerät mit zwei günstigen kombiniere und so drei Ladepunkte gefördert bekomme: Macht 2700 Euro vom Staat.

Trotz Profiteuren: Elektro-Fachmann vermutet, Förderung gibt Anreiz zum Umstieg aufs E-Auto

So war die staatliche Förderung wohl nicht gedacht. Doch den Profiteuren zum Trotz findet der Elektro-Fachmann aus Frauenneuharting die Förderung eine gute Sache. Seiner Beobachtung nach liege auf dem Land, wo viele Menschen in eigenen Immobilien lebten, die Zukunft des Fahrens bei den Stromern – weil es einfacher sei, Lademöglichkeiten zu schaffen als für Laternenparker in der Stadt.

So mancher, der jetzt der Förderung wegen bei den Wallboxen zuschlage, habe damit – ob gewollt oder nicht – eine wichtige Hürde beim Umstieg auf ein E-Auto genommen, vermutet Wieser. „So hat man schon die absolute Sicherheit, dass das Laden kein Problem ist.“ Die Situation bei der E-Mobilität vergleicht er mit der Einführung des iPhones, das den Durchbruch der Smartphones markierte. Der 33-Jährige, der selbst schon länger einen Elektro-Peugeot fährt, sagt: „Ich würde mir kein anderes Auto mehr kaufen.“

Alle Nachrichten aus dem Landkreis Ebersberg bei der Ebersberger Zeitung. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare