Von der Felswand im ehemaligen Steinbruch in Tegernau sind am Dienstag tonnenschwere Gesteinsbrocken heruntergekommen. Die Kirche und der Friedhof sind nach Einschätzung der Kreisbehörde derzeit aber nicht gefährdet. Das Gelände unterhalb wird mit einem Zaun abgesperrt.

Unterhalb der Kirche 

Felssturz in Tegernau: Gefahr war bereits bekannt

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„Das ist nicht das Wahre, da müssen sie jetzt was machen“, sagt ein besorgter Anlieger am ehemaligen Steinbruch in Tegernau. Dort hat sich am Dienstagnachmittag ein Felssturz ereignet.

Tegernau – Bei dem Felssturz kamen keine Personen zu Schaden und auch dort in der Nähe stehende Nebengebäude wurden glücklicherweise nicht beschädigt. Dabei war aber eine Portion Glück im Spiel. Denn auf der Wiese tollen immer wieder Kinder herum. „Das hab ich den Eltern auch gesagt“, berichtet ein Anlieger der Straße „Am Steinbruch“, dass er die Erwachsenen schon mehrfach gewarnt hat vor diesem Leichtsinn. „Aber die haben sich nicht darum gekümmert.“ Jetzt ist die Gefahr offensichtlich geworden.

Die Behörden haben bereits reagiert. Es gab eine Ortseinsicht, an der unter anderem auch Frauenneuhartings Bürgermeister Eduard Koch und Anlieger teilnahmen. Das Gelände soll nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde jetzt mit einem Zaun abgesperrt werden. Außerdem werden demnächst Warnschilder aufgestellt.

Der Felssturz war begleitet von einem lauten Getöse. Einige Anwohner haben Lärm gehört, so als würde Schutt von einem Lkw abgeladen, Ein Stück weiter, gegen Ende des Steinbruchs Richtung Jakobneuharting, sind wohl ebenfalls ein paar kleinere Brocken runtergekommen.

Stelle bereits vor acht Jahren besichtigt

Der Steinschlag ereignete sich fast mit Ansage. Denn Andreas von Poschinger, beim Landesamt für Umwelt zuständig für die Georisiken in Bayern, hatte sich die Stelle vor acht Jahren zusammen mit dem damaligen Landrat Gottlieb Fauth persönlich angesehen. Seine Einschätzung war zu diesem Zeitpunkt, dass bei einem solchen Ereignis, wie dem am Dienstag, Häuser betroffen sein könnten. Er sagte aber auch: Die eigentlichen Wohnbauten sind weit genug weg von der Wand.“ Damit hat er jetzt recht behalten.

„Eine technische Verbauung ist nicht vorgesehen“, sagt Evelyn Schwaiger, die Sprecherin des Landratsamtes auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung. Der Grund dafür ist auch, dass der ehemalige Steinbruch in Tegernau ein Geotop und bedeutendes Naturdenkmal ist. Es ist aber vom Menschen selbst geschaffen worden. Denn hier wurde auf einer Länge von 400 Metern vor vielen Jahrzehnten Nagelfluh abgetragen und als Baumaterial verwendet. Dabei entstand die zehn Meter hohe Felswand, die jetzt der Witterung und Erosion ausgesetzt ist und dadurch selbst nach einem stabilen Zustand sucht. Das heißt, von dem Steinwall werden auf lange Sicht so lange Felsen herabfallen, bis ein Winkel entstanden ist, der weitere Abstürze unmöglich macht.

Vorfall erinnert an tragisches Unglück

Poschinger erfuhr von der Ebersberger Zeitung von dem aktuellen Ereignis. Wir können erst tätig werden, wenn wir von einer offiziellen Stelle angefragt werden“, berichtet er vom weiteren Prozedere.

Oberhalb des Steinbruchs befinden sich die Dorfkirche und der Friedhof. Nach Informationen von Schwaiger seien die jedoch so weit von der Steinbruchkante entfernt, dass „nichts zu veranlassen ist“. Es sollen die Familien in Tegernau aber noch einmal über die Risiken aufgeklärt werden, die mit einem Aufenthalt im Gefahrenbereich verbunden sind. „Ortsfremde sind davon in aller Regel nicht betroffen“, so Schwaiger.

Der Vorfall in Tegernau erinnert an einen tragischen Felssturz in Stein an der Traun, bei dem vor acht Jahren ein 45-jähriger Mann und seine 18 Jahre alte Tochter ums Leben gekommen waren. Die 40 Jahre alte Mutter und der 16-jährige Sohn der Familie überlebten schwer verletzt in ihrem total zerstörten Gebäude. Die Behörden hatten sich im Anschluss für eine technische Sicherung des Felsens entschieden, der aus demselben Material ist, wie man es im ehemaligen Steinbruch in Tegernau antrifft. Das Schadenspotential werde künftig von der weiteren Bautätigkeit in dem Gebiet in Tegernau abhängen, warnt Poschinger.

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