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Anwohner Erich Kinzl zeigt auf die Felswand, die ihm Angst macht. Oberhalb wurde direkt an der Hangkante ein Haus errichtet. 

Wohnen an der Wand in Tegernau

Angst vor dem Felssturz

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„Wir haben eine Mordsangst, dass da was runterkommt“, sagt Erich Kinzl (76) aus Tegernau. Er wohnt am Steinbruch direkt unterhalb der Felswand, von der sich weiter nördlich vor Wochen größere Felsbrocken gelöst haben.

Tegernau – Frauenneuhartings Bürgermeister Eduard Koch hat sich eigener Auskunft nach die Situation vor Ort früher schon einmal genau angesehen. „Sicherheitsbehörde ist die Gemeinde“ weiß er, geht aber davon aus, dass das Landratsamt Ebersberg als Genehmigungsinstanz alle relevanten Fragen geklärt hat. Das bestätigt auch die Familie, die direkt an der Hangkante ein Gebäude errichtet hat. „Da wurde ein Bodengutachten erstellt. Das hat eine Firma aus Wasserburg gemacht“, wird berichtet, dass alles seine Ordnung habe. Das Problem sei wohl eher, dass direkt unter der Felswand neue Gebäude entstanden seien. Kinzl wiederum schildert, dass nach der Baumaßnahme jetzt größere Mengen Wasser aus dem Felsen austreten würden als früher. „Das ist signifikant mehr geworden. Das haben wir bemerkt“, berichtet auch eine andere Anliegerin.

Weiter nördlich, unterhalb der Kirche, ist die untere Naturschutzbehörde zuständig, weil das dortige „Geotop“ ein Naturdenkmal ist und den Status eines Landschaftsschutzgebietes hat. Dort verbietet sich deswegen ein Eingriff in natürliche Erosionsvorgänge. Zu der Situation innerorts sagt Johann Taschner, der Leiter der Naturschutzbehörde jedoch: „Da sind wir außen vor.“ Die „alte Kante“ einer Abbaustelle sei jedoch „immer kritisch“ besonders, wenn es sich um Nagelfluh handele, aus dem der Felsen in Tegernau besteht.

„Die Situation ist schwierig“, räumt Koch auf Nachfrage der Ebersberger Zeitungein. Auch als westlich der Ortsdurchfahrt neue Gebäude entstanden seien, hätten Anwohner „Bedenken“ geäußert. „Die haben dort gespechtet“, berichtet eine Anliegerin, dass der Boden bei Aushubarbeiten in dem felsigen Untergrund erheblich erschüttert worden sei. „Der Halt ist weg“, fürchtet deshalb Kinzl. Er hat dem Bürgermeister schon einmal Brocken gezeigt, die auf sein Garagendach gefallen seien, berichtet Koch selbst, der sich aufgrund der Recherche der Heimatzeitung noch einmal ans Landratsamt Ebersberg gewandt hat. Er wartet jetzt auf eine Rückmeldung.

Auch Andreas von Poschinger, der beim Landesamt für Umwelt in Augsburg für die Beurteilung von Georisiken zuständig ist, hat sich für den Fall Tegernau interessiert, weil er zu seinem Zuständigkeitsbereich gehört. Er könne allerdings nur tätig werden, wenn er beauftragt werde, schildert der Fachmann. Auf eine fernmündliche Anfrage hin sei ihm jedoch mitgeteilt worden, dass man die Auffassung vertrete, von der Wand gehe keine Gefährdung aus. Möglicherweise waren aber da die zwei neuen Gebäude westlich der Ortsdurchfahrt gemeint. Kinzl jedoch hat die Sorge, „dass die bei Fräsarbeiten den Felsen durchtrennt haben“. Hätte er Recht, wäre tatsächlich Gefahr im Verzug.

Das Bodengutachten, teilt Koch mit, habe seiner Information nach derselbe Fachmann erstellt, der mit dem Felssturz von Stein an der Traun im Landkreis Traunstein befasst war. Dort waren beim Abgang eines großen Felsbrockens zwei Menschen ums Leben gekommen und zwei schwer verletzt worden. Ein Wohnhaus war dabei total zerstört worden.

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