Applaus für Toni Ried (M.) vom stv. Landrat Gerd Gietl (r.) und Helmut Mayer. Foto: jro

Freie Wähler: Hauptsache Stichwahl

Landkreis - Golden leuchtet es aus den Fenstern der Kugleralm in den Abendhimmel. Für die Freien Wähler ist es bei der Landratswahl nur Blech geworden - letzter Platz. „Klar sind wir enttäuscht“, sagt Kreisvorsitzender Wilfried Seidelmann.

Von langen Gesichtern ist bei den 40 Freien in der Kugleralm aber nichts zu sehen. Matthias Demmel liest von seinem Smart-Phone das Endergebnis ab. „Stichwahl!“ ruft er den Parteikollegen zu. „Super!“ schallt es zurück. Für ihren Landratskandidaten Toni Ried haben 9,3 Prozent gestimmt. „Jetzt bin ich nicht mehr enttäuscht“, sagt Wolf Petzold, Kirchseeoner FW-Urgestein zufrieden. Hauptsache Stichwahl. „Das hat es doch noch nie gegeben.“

Einige machen jetzt erst einmal dem Ärger über die niedrige Wahlbeteiligung Luft. Die Konkurrenz von CSU und SPD, meint Klaus Färber, Vaterstetten, „grast die alten Leute ab“. Und die Jugend interessiere sich nicht mehr für Politik.

Auch die Amerikanisierung des Wahlkampfs mit enormen Geldaufwand beklagen sie. Seidelmann legt großen Wert auf die Bescheidenheit der Freien Wähler: „Unser Etat betrug gerade einmal 8000 Euro - einzig und allein finanziert aus den Sitzungsgeldern der Kreisräte. Mit so wenig Mitteln können wir so viel erreichen: Wir haben die absolute Mehrheit der CSU verhindert.“

Gerade wird das Essen serviert, da kommt er. Toni Ried. Wie immer sagt er erst einmal jedem einzelnen ein herzliches Grüß Gott, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Der Ebersberger ist heiser. Seine Erkältung zu kurieren, dafür war noch keine Zeit. Ried gibt sich trotzdem kämpferisch: „Ist es sinnvoll, an der Front anzutreten?“ fragt er. „Eindeutig ja!“, ruft er in die Menge, die wieder begeistert applaudiert. „Ohne die Freien Wähler geht nichts mehr, mit uns ist zu rechnen“, ergänzt Seidelmann.

Toni Ried kündigt aber auch an: „Es gibt einiges aufzuarbeiten.“ Und deutet an, dass es Ortsverbände gegeben habe, die seine Wahlplakate nicht angenommen hätten. „Wir müssen in der Zukunft noch konsequenter sein - und unser Profil weiter schärfen.“

Bis spätestens Dienstag, kündigt Ried mit noch heiserer Stimme an, solle auch geklärt sein, ob die Freien Wähler eine Wahlempfehlung für einen Kandidaten in der Stichwahl geben oder auch nicht.

Sabine Heine

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