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Der schöne Schein trügt: Die Kirche St. Johannes ist total marode.

Kirche in Kronacker

Frischzellenkur für Sankt Johannes

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Ewig hat‘s gedauert, jetzt wurde endlich bekannt: St. Johannes, das schmucke Gotteshaus in Kronacker (Gemeinde Hohenlinden) wird restauriert.

Hohenlinden – Man konnte jahrelang zusehen, wie der Zahn der Zeit immer mehr an der ehemaligen Pfarrkirche im Hohenlindener Ortsteil Kronacker nagte. Immer wieder machten die katholische Gemeinde St. Josef mit ihren Institutionen, später dann auch der Pfarrverband Tading, zu dem Hohenlinden inzwischen gehört, auf den Verfall des längst zur Filialkirche heruntergestuften Gotteshauses aufmerksam. St. Johannes ist eine der ältesten Kirchen weit und breit, nämlich 1249 Jahre alt.

Briefe über Briefe wurden geschrieben. Immer wieder wurde darauf hingewiesen, dass irreparable Schäden drohten, falls man weiterhin tatenlos zusehe, wie sich insbesondere die Feuchtigkeit in den Wänden ausbreitet. Doch auf offene Ohren schien man bei all diesen Warnungen nicht zu stoßen, obwohl es auch immer wieder Ortstermine gab, bei denen sich die Fachleute direkt ansehen konnten, in welchem Zustand sich das Kircherl befand und befindet.

Dabei kennt man im Erzbischöflichen Ordinariat den Fall Kronacker schon seit gut 25 Jahren. Schon damals gab es Bemühungen zur Sanierung. Warum sie dann doch nicht stattfanden, ist aus heutiger Sicht kaum noch nachzuvollziehen.

Das Hickhack um die so dringend erbetene Sanierung aber ist nun wohl endgültig vorbei. „Wir sind relativ weit gekommen“, berichtete jetzt Hohenlindens Kirchenpfleger Josef Gallenberger. Was ihm zuletzt ein Strahlen ins Gesicht zauberte, waren Nachrichten aus der Erzbischöflichen Finanzkammer verbunden mit der Zusage, dass die Finanzierung einer Generalsanierung der Kronacker Filialkirche sichergestellt sei.

Ja, inzwischen gibt es sogar bereits ein Sanierungskonzept. Das Gestühl aus den 60er Jahren, erzählt Gallenberger, wird demnach komplett entfernt und neue Sitzmöglichkeiten eingebaut, so wie sie historisch überliefert sind; nämlich mit einem Gang in der Mitte. Die weitaus größeren Probleme der Kirche aber lagen und liegen ganz woanders. Die Feuchtigkeit in den Außenmauern ist es, die den Freunden des Gotteshauses seit vielen Jahren besondere Sorgen bereitet. Sie sind auch am deutlichsten sichtbar.

Dazu kommt die hohe Raumfeuchte im Innern. Um ihr Herr zu werden, wird, so Gallenberger, demnächst eine automatische Lüftungsanlage eingebaut, die die Luftfeuchtigkeit regelt. „Ideal sind in Kirchen 60 bis 65 Prozent, in Kronacker waren es nicht selten über 80“, berichtet der Preisendorfer in einem Gespräch mit der Heimatzeitung.

Das zweite ganz große Problem ist der Chorbogen. Seit vielen Jahren wird er von einer aufwendigen Holzkonstruktion gestützt. „Der Bogen liegt inzwischen vollflächig auf“, sagt Gallenberger. Was bedeutet: von alleine könnte sich die Konstruktion gar nicht mehr tragen.

Hier eine Lösung zu finden, war eine der Hauptaufgaben der letzten Monate. Inzwischen hat man sich für deutlich teurere Variante entschieden. Der Bogen soll demnach abgetragen und mit den alten Steinen wieder aufgerichtet werden.

Alternativ hätte es eine Metalllösung gegeben, wobei man mit Nadeln und aufgespritztem Beton versucht hätte, die nötige Stabilität zurückzugewinnen. Die Idee sei aber wieder verworfen worden, so der Kirchenpfleger. Er hat bei aller Freude über die jüngsten Entwicklungen nicht vergessen, dass auch seine Vorgänger sich jahrelang mühten um Fortschritte bei der Sanierung in Kronacker.

Um der Feuchtigkeit Herr zu werden, soll in einem ersten Schritt das Mauerwerk von außen freigelegt werden, um dann Sperren einzubauen und alles mit Lehm zu verfestigen. Das soll sogar noch heuer passieren.

Lange und heftig diskutiert worden war in Kronacker über die komplizierten Wegerechte rund um die Kirche und damit über die Zufahrtsmöglichkeiten für Baufahrzeuge. Das sei inzwischen zufriedenstellend geklärt, so Gallenberger.

Dass das im nächsten Jahr anstehende 1250-jährige Bestehen der Kirche nahe der Landkreisgrenze Einfluss genommen habe dabei, dass es nun doch zu den so lange gewünschten Sanierungen kommen wird, darf wohl ausgeschlossen werden. Es sei völlig unrealistisch, dass die Gesamtmaßnahme bis 2018 fertiggestellt werden könne, heißt es in Fachkreisen.

Feierlichkeiten sind übrigens für September nächsten Jahres vorgesehen. Was genau da passieren wird, ist noch völlig offen. Die Kosten der Maßnahme werden auf 1,5 bis 1,6 Mio. Euro geschätzt, die Arbeiten werden sich womöglich über zwei bis drei Jahre erstrecken.

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