Die Kreuzung Karl-Böhm-Straße und Neue Poststraße in Baldham bereitet vor allem Senioren Sorgen.
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Die Kreuzung Karl-Böhm-Straße und Neue Poststraße in Baldham bereitet vor allem Senioren Sorgen.

Auch Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) stimmt gegen Vorschlag seiner Verwaltung

Gefährliche Kreuzung in Baldham: Alles bleibt beim Alten

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Die Vorschläge für mehr Sicherheit an der Kreuzung Karl-Böhm-Straße und Neue Poststraße in Baldham sind im Verkehrsausschuss des Gemeinderats durchgefallen. Am Schluss stimmte nicht einmal Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU) für die im Rathaus entwickelte Kompromiss-Variante.

Baldham - Die Initiative hatte der Seniorenbeirat ergriffen und auf die aus seiner Sicht schwierige Situation an der Kreuzung hingewiesen. Wichtige Punkte: zum Teil hohe Verkehrsmengen, hohe Geschwindigkeiten, eingeschränkte Sichtverhältnisse sowie Umwege zur nächsten gesicherten Querungshilfe. Die ist jedoch laut Spitzauer 65 Meter entfernt. An der Kreuzung liegen die Bahnunterführung, die katholische Kirche sowie verschiedene Geschäfte und die Post.

Senioren bezweifeln erhobene Zahlen

Die Senioren nahm Kontakt zu FDP-Gemeinderat Klaus Willenberg auf, vom Gemeinderat bestellter Referent für Senioren. Die Kommune gab ein Gutachten in Auftrag, dessen Ergebnisse jetzt von Jens Berlin (Verkehrsplanungsbüro Gevas) vorgestellt wurden. Fazit: Keine Anzeichen für regelmäßige Geschwindigkeitsüberschreitungen, ausgehend von Unfall- und Schulwegsituation kein Handlungsbedarf. Heißt aber nicht, dass nicht Einzelne zu schnell fahren würden, wie auch Manfred Weber betonte, zuständiger Sachgebietsleiter im Rathaus. SPD-Gemeinderat Josef Mittermeier hatte nach der gemessenen Höchstgeschwindigkeit gefragt. Die habe man nicht erfasst, so der Gutachter. Die Senioren bezweifeln die Zahlen grundsätzlich, auch wegen der geringeren Verkehrsbelastung in der Corona-Pandemie.

Der Gutachter betont jedoch auch: An der Kreuzung gebe es keine idealen Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger, vor allem wegen eingeschränkter Sicht und der fehlenden Querungshilfe.

Gutachter: Geschwindigkeitsreduzierung nicht sinnvoll

Zweiter Teil des Gutachtens waren dann Lösungsvorschläge. Eine Geschwindigkeitsreduzierung sei nicht möglich, weil es keine besondere Gefahrenlage gebe, so der Gutachter. Eine Teilpflasterung sei nicht sinnvoll. Eine Ampelanlage sei umsetzbar, werde aber nicht empfohlen. Empfohlen wurde hingegen eine Querungshilfe mit einer Mittelinsel auf der südlichen Seite der Kreuzung, also in Höhe der Kirche Maria Königin. Dahin ging auch der Vorschlag aus dem Rathaus. „Das war mit mir angestimmt“, so Bürgermeister Spitzauer gegenüber der Ebersberger Zeitung. „Ich hätte auch dafür gestimmt, als möglicher Kompromiss, dass man an der Stelle was macht.“ Er habe aber immer Bauweh gehabt wegen der Kosten. Die wurden auf rund 130 000 Euro geschätzt. Eine Ampel könnte rund 180 000 Euro kosten. Die neue Einrichtung müsse aber mit der Ampel in der Brunnstraße abgeglichen werden. Da die dortige Anlage schon älter sei, müsse sie erneuert werden, mit den entsprechenden Kosten.

Renate Will (FDP) erklärte, die Liberalen hätten den Antrag gestellt, um eine schnelle, günstige und pragmatischer Lösung zu finden. Ältere Leute kämen an der Kreuzung regelmäßig „ins Rotieren“ ebenso wie Mütter und Väter mit Kinderwägen. Will war jedoch angesichts der Vorschläge skeptisch. Deutlicher Vizebürgermeisterin Maria Wirnitzer (SPD). Aus ihrer Sicht löse die Verkehrsinsel das Problem nicht. Fußgänger müssten auch damit einen Umweg machen. Stefan Huber (CSU) fragte nach, ob es nicht eine Ausnahmegenehmigung für einen Zebrastreifen geben könne. Und Mittermeier bezog eine klare Position: „Entweder eine Ampel oder gar nichts.“ Auch David Göhler (Grüne) sprach sich für eine Ampellösung aus. Dieser Vorschlag wurde knapp abgelehnt. Die Querungshilfe fand auch keine Zustimmung. Also alles ausbremst, weiter wie bisher.

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