Zum Bersten voll: Der Saal des Landgasthofes Bruckhof bot nicht genügend Platz für den Besucheransturm. Sogar auf der Bühne, in den Eingängen und auf der Nottreppe standen die Bürger, die sich für den Fall des Baus der B 15 neu Sorgen um ihre Heimat machen. Foto: Stefan Rossmann

"Geisterautobahn" macht den Menschen Angst

Emmering - Die Bürger aus dem Südosten den Landkreises Ebersberg werden sich den Bau der B 15 neu nicht widerspruchslos gefallen lassen. In Bruckhof wurde deutlich, dass sie entschlossen dagegenhalten wollen. Der Ton, der den Politikern entgegenschlug, war rau.

"Warum ist der Ramsauer überhaupt in der Regierung?“ Oder: „Der Verkehrsminister soll erst mal die kaputten Straßen sanieren!“ Die Stimmung unter den Besuchern ließ erkennen, dass die Bürger in großer Sorge sind um das Atteltal und ihre Heimat. „Die jungen Eltern müssen sich dagegen einsetzen, wie sich unsere Eltern damals schon eingesetzt haben. Das müssen wir uns nicht gefallen lassen“, meinte der Vater einer Tochter.

Der Saal des Landgasthofs in Bruckhof erlebte eine Premiere. So viele Leute kommen nicht einmal, wenn Trachtentheater gespielt wird. Bei dem Vortrag der Landshuter Kreisrätin Rosi Steinberger, die im Büro des Bundestagsabgeordneten Anton Hofreiter (Grüne) arbeitet, war aber niemand zum Lachen zumute.

„Das ist überwältigend“, meinte der Emmeringer Bürgermeister Max Maier zu der Besucherzahl. Sowohl er, wie auch der Bürgermeister der ebenfalls schwer betroffenen Gemeinde Frauenneuharting, Josef Singer, und Bürgermeisterkollege Franz Hilger aus Aßling waren überrascht von der Resonanz. „50 bis maximal 100 Leute“ hatte man dem Wirt zur Veranstaltung angekündigt.

Sollten in aller Eile Fakten geschaffen werden? Maier kritisierte, die betroffenen Gemeinden hätten „nur durch Zufall“ davon erfahren, dass die „Einspruchsfrist endet“. „Die Gemeinde Emmering lehnt den Bau der B 15 neu ab“, zitierte er aus seiner Stellungnahme und begründete: „Die Umgehungen zwischen Rosenheim und Landshut reichen, das Atteltal gehört zu den schönsten Landschaften des Landkreises, landwirtschaftliche Flächen werden durchschnitten.“ Besonders kritisiert wurde die Ausfahrt zwischen Bruckhof und Schalldorf: „Uns reichen jetzt schon die Mautflüchtlinge und der Schwerverkehr.“

Ein Teilstück der „Geisterautobahn“, so berichtete Steinberger, sei schon gebaut. „Im Norden und im Süden war der Widerstand so groß, da haben sie gesagt, dann fangen wir halt in der Mitte an.“ Gelächter. Die Referentin nannte drei Gründe, die ihrer Meinung nach klar gegen eine B 15 neu sprächen: „Hohe Umweltbetroffenheit, kein Engpass im Fernstraßennetz, niedriger Kosten-Nutzen-Faktor.“

„Was sollen wir tun? Abwarten was rauskommt, oder Einfluss nehmen?“, wollte ein Bürger wissen. „Widerstand macht Sinn, Verbündete suchen und an die Wahlen denken“, riet ihm die Referentin. „Wenn es nach logische Kriterien geht, kommt die B 15 neu zu 90 Prozent nicht. Wenn Sie den Ramsauer fragen, kommt sie zu 100 Prozent.“

„Stark, dass so viele Leute da sind“, meinte Landrat Robert Niedergesäß (CSU). Das zeige: „Mit uns nicht!“ Er kündigte für den Herbst eine gemeinsame Aktion mit dem Landkreis Rosenheim an und machte eine Zeitrechnung auf. Selbst wenn die B 15 neu in den vordringlichen Bedarf aufgenommen würde, würde sie wohl vor 2030 nicht gebaut. Außerdem: Die Staatsstraßen müssten saniert werden und der Schienenverkehr. Es gebe so viel zu tun. Die Frauenneuhartinger, Bruckhofer und Emmeringer wollen die B 15 neu nicht 2030 und auch später nicht. Sie wollen sie überhaupt nicht. Warum nicht, machten Bilder deutlich, die Steinberger an den Schluss ihres Vortrags gestellt hatte: Sie zeigten die für den Straßenbau notwendigen, massiven Eingriffe in die Landschaft.

Michael Seeholzer

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