In die Tonne mit der neuen Straße: Erst kürzlich wurden entlang der geplanten Trasse der B 15 neu zahlreiche Mahnfeuer entzündet. Auch Emmeringer Bürger hatten sich an dem Protest beteiligt. Foto: Georg Barth

Gemeinde droht mit zweitem "Stuttgart 21"

Landkreis - „Nach der Trassenverschiebung hat es lange gedauert, bis wir realisiert haben, was jetzt geplant ist“, sagt Christine Machl (26) aus Ramerberg (Landkreis Rosenheim). Jetzt aber haben die Ramerberger Angst um ihre Heimat. „In unserer Gemeinde gäbe es fast kein Grün mehr“, beschreibt sie die Folgen eines vierspurigen Neubaus der B 15, so wie er schon auf dem Papier steht.

Machl gründet am Donnerstag in Ramerberg eine Bürgerinitiative. Die Zusammenkunft ist um 19.30 Uhr im Gasthaus in Zellerreith. Nicht offiziell eingeladen, aber gerne gesehen: Offizielle Vertreter und Bürger aus den Nachbargemeinden im Landkreis Ebersberg.

Die Gemeinden Frauenneuharting und Emmering haben sich schon früh gewehrt. Sie haben zur Teilnahme an einer Petition aufgefordert. Sie veranstalteten eine sehr gut besuchte Protestveranstaltung im Landgasthof in Bruckhof. Verfassten Schreiben an Bundestagsabgeordnete, Leserbriefe, öffentliche Protestnoten. Das zeigte Wirkung. Die Trasse wurde nach Osten verschoben - auf das Gebiet der Gemeinde Ramerberg. Ein Konfliktpotential unter Nachbarn, die nur durch eine Landkreisgrenze voneinander getrennt sind?

„Wir wollen die B 15 neu nicht nur bei uns nicht, sondern nicht in Landshut und auch sonst nirgendwo“, sagt Ramerbergs Bürgermeister Georg Gäch (parteifrei). „Das ist keine nachhaltige Verkehrsplanung“, kritisiert er und warnt davor, hinter den Neubau der Trasse bereits einen Haken zu machen.

Gäch war selbst bei Innenminister Joachim Herrmann (CSU) , um sich zu informieren. „Außer Luft nicht viel“, kritisiert er dessen zurückhaltende Aussagen. Deutlicher seien da die Vertreter der Obersten Baubehörde und der Autobahndirektion gewesen. „Die haben klar gesagt: Die Trasse wird seit 30 bis 40 Jahren vierspurig geplant, die wird auch so gebaut.“

„Wir finden die Zwei-plus eins-Variante besser“, sagt Gäch. Er glaubt nicht, dass es zwischen den Nachbargemeinden und deren Bürgern, die nur eine Landkreisgrenze trennt, zu einem „Verschiebe-Konflikt“ kommen wird. „Wir sollten da alle zusammenhalten“, schlägt er einen kreisübergreifenden Widerstand vor und wird in einem Interview mit dem Münchner Merkur deutlich: „Wenn die Staatsregierung das will, dann kriegt sie ein zweites „Stuttgart 21“. Da kann sie mich als kleinen Landbürgermeister mal kennenlernen.“

Gäch widerspricht auch der Darstellung der CSU-Abgeordneten aus dem Landkreis Ebersberg, dass sie die Trasse an Frauenneuharting und Emmering vorbei durch das Atteltal durch ihren persönliche Einsatz mit verhindert hätten. „Das hätte die EU wegen der FFH-Gebiete dort niemals genehmigt“, sagt das Ramerberger Gemeindeoberhaupt. Die Bundespolizistin Mach verweist darauf, dass sich in ihrer Initiative viele junge Bürger engagieren. „Die haben Angst um die Zukunft ihrer Heimat.“

Michael Seeholzer

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