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Diese beiden Linden hat CSU-Gemeinderat Hubert Hörndl zurückschneiden lassen. Das Problem: Sie gehören ihm nicht.

Gemeinde Forstinning prüft Sachbeschädigung

CSU-Gemeinderat stutzt fremdes Eigentum

Forstinning - Zwei Linden am Ende der Parkstraße beschäftigen das Rathaus Forstinning und das Landratsamt. Ein Nachbar hatte sie von einer Fachfirma zuschneiden lassen. Ohne Wissen des Eigentümers, der Gemeinde. Der Auftraggeber: Gemeinderat Hubert Hörndl (CSU).

Am Dienstag, 17. Januar,  wird es einen Ortstermin der nicht ganz gewöhnlichen Art am Ende der Parkstraße in Forstinning geben. Auf ausdrücklichen Wunsch von Bürgermeister Rupert Ostermair wird sich der Baumexperte des Landratsamtes, Harald Käsbauer, eine baumpflegerische Maßnahme an zwei alten Linden ansehen und begutachten. Die Bäume sind rund 100 Jahre alt und stehen auf öffentlichem Gemeindegrund direkt vor dem Anwesen Parkstraße 42. In dem wohnt seit April vergangenen Jahres CSU-Gemeinderat und Speditionsunternehmer Hubert Hörndl. Der war es auch, der auf eigene Kosten (die Rede ist von gut 400 Euro) unlängst eine Fachfirma beauftragte hatte, einen Pflegeschnitt an den alten Linden vorzunehmen; jedoch ohne den Eigentümer, die Gemeinde, um Erlaubnis zu fragen.

Ein Eingriff dieser Art ist, juristisch gesehen, Sachbeschädigung. Genau das aber sei es nicht, betont Hörndl. Er fühlt sich falsch interpretiert. „Es war Gefahr im Verzug“, sagte der Unternehmer am Montag der EZ.

Dort draußen, im Außenbereich, wüteten zuletzt die Herbstwinde ganz außerordentlich, schildert Hörndl die Lage am Rande des Dorfes. Schon mehrfach seien zuletzt größere und kleine Äste auf sein Grundstück gefallen. „Wenn ich nicht eingegriffen hätte, wäre mit Sicherheit eine der beiden Linden auf meinen Kopf gefallen“, so der einstige CSU-Ortsvorsitzende. Und fügt an: „Ich fühle mich hier falsch behandelt.“ Da müsse jemand versuchen, ihn anzuschwärzen.

Dass er nicht zuerst die Gemeindeverwaltung in Kenntnis gesetzt hatte vom labilen Zustand der beiden kapitalen Bäume, beantwortet Hörndl mit dem Hinweis, dass ihm ein eigenhändiges, direktes Eingreifen in diesem speziellen Fall pragmatischer erschien. „Ich stehe dazu“, unterstreicht er seine Überzeugung, genau das Richtige getan zu haben.

Zugleich verweist er darauf, bereits durch einen früheren pflegerischen Eingriff dafür gesorgt zu haben, dass es heute überhaupt noch zwei statt eine Linde gebe. Und schließlich habe er nach eigenen Angaben auch das Feldkreuz zwischen den Linden und eine benachbarte Bank auf eigene Kosten immer wieder aufgehübscht.

Hörndl gibt sich so überzeugt von der Richtigkeit seines Vorgehens, dass er am heutigen Ortstermin persönlich nicht einmal teilnehmen möchte. Dort soll, so Bürgermeister und Hörndl-Parteifreund Ostermair, in erster Linie untersucht werden, ob der pflegerische Eingriff tatsächlich fach- und sachgerecht war und ob es wirklich den Handlungsbedarf gegeben hat, von dem Hubert Hörndl felsenfest überzeugt ist. „Nichtstun“, sagt der, „wäre fahrlässig gewesen“. Erst nach dem Ortstermin wolle man sich, so Ostermair, von Seiten der Verwaltung Gedanken machen, ob man einen Tatbestand der Sachbeschädigung weiter verfolgen lassen wolle oder nicht

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