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Gemeinde lässt andere Sonnenstrahlen sammeln

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Aßling - Anfang Juni fiel der Grundsatzbeschluss. Jetzt geht es an die Umsetzung. Auf Dächern von Liegenschaften der Gemeinde Aßling werden noch heuer Sonnenkollektoren in größerem Stil montiert.

Fast vergessen scheint damit die heftige Auseinandersetzung zwischen dem Agenda-Arbeitskreis „Energie“ und dem Gemeinderat, respektive der Gemeindeverwaltung, vom Frühsommer. Denn die Vorgabe der Agenda-Aktiven wird in einem wichtigen Punkt nahezu erfüllt. Kollektoren mit einer Leistung von 265 kWp sollen auf den Dächern von Hauptschule, Bauhof am Ölfeld, dem neuen Kinderhaus „St. Georg“, AWO-Kindergarten, Dorfgemeinschaftshaus, der Kläranlage, der Grundschule, dem alten Rathaus, der Turnhalle und dem Lorenzenberger Feuerwehrhaus Wirklichkeit werden. 300 kWp hatte die Agenda gefordert.

Was aber wohl nicht in ihrem Sinne ist, ist der Modus, dass nicht die Gemeinde baut, sondern die Dächer nur verpachtet. Nämlich an den „Bürgersolarpark Aßling“, den die beiden Frauenneuhartinger Simon Wieser und Paul Bürgmayr dazu noch aus der Taufe heben wollen. Wiese betreibt ein Elektrogeschäft, Bürgmayr die „zootech energiesysteme“.

Über die Laufzeit von 20 Jahren hatte sich bei ausschließlich gemeindlichem Engagement die Agenda einen Gewinn von rund einer halben Million Euro erhofft. Im jetzt vom Gemeinderat bei nur einer Gegenstimme aus dem Kreis der UNL, nämlich der von Anton Günthner-Biller, abgesegneten Projekt - zehn Gemeinderäte stimmten dafür - sollen unterm Strich noch 236 452 Euro in den Gemeindesäckel fließen.

Bürgermeister Werner Lampl (CSU) warb für die Verpachtung der gemeindlichen Flächen für Photovoltaikanlagen mit Eigeneinspeisung. „Denn dann müssen wir nicht selbst Geld in die Hand nehmen.“ Erlöse aber gebe es durch die Pachteinnahmen sowie die niedrigeren Stromkosten durch Eigeneinspeisung. Sinn mache das Ganze deshalb auch nur dort, „wo wir selbst auch gleich Strom verbrauchen, also etwa in der Schule oder im Kindergarten“.

Und weil das Projekt auch ausdrücklich mit Bürgerbeteiligung starten soll, sei auch der Gemeinde die Chance gegeben, eigene Anteile zu zeichnen und so den Gewinn noch zu erhöhen, betonte der Bürgermeister. Er ist sich sicher, dass dies auch so werden wird.

Zwei Interessenten hatten in den zurückliegenden Wochen ihr Interesse angemeldet. Die „Solarenergie“ des Plieningers Andreas Hechtl, und eben das Gespann Bürgmayr/Wieser. Eine Diskussion darüber, wer den Zuschlag bekommen sollte, gab es nicht. Lampls Plädoyer für das Duo aus der Verwaltungsgemeinschaft reichte.

Der Vertrag mit Bürgmayr und Wieser soll wohl schon in der nächsten Gemeinderatssitzung abgesegnet werden. Denn die Zeit drängt. Will man nämlich noch die Bedingungen des vor einer Novellierung stehenden Energieeinspeisungsgesetzes nutzen, muss noch heuer die Kollektorenmontage über die Bühne gehen. Die Zeit drängt deshalb auch mit der angestrebten Bürgerbeteiligung. Die neueste Ausgabe des gemeindlichen Nachrichtenblattes hat schon Redaktionsschluss. Bürgermeister Lampl kündigte jedoch schon eine Informationsveranstaltung im Oktober an. Die Zeichnungsfrist soll drei Monate, eventuell gar vier und über den Jahreswechsel hinaus dauern.

Der kleinste zu erwerbende Anteil soll der Leistung von einem kWp entsprechen, sagte Bürgmayr. Denn zu kleine Anteile würden einen zu großen Verwaltungsaufwand zur Folge haben. Aus den Kreisen des nach den damaligen Auseinandersetzungen aus Frustration vorerst einmal ruhenden Agenda-Arbeitskreises gab es vorerst keine offizielle Stellungnahme. Kritisiert wird unter der Hand aber schon jetzt, dass der Gemeinderat mit seiner Entscheidung das Heft aus der Hand gegeben habe und damit auf einen maximal möglichen Gewinn verzichte.

Die im Frühsommer im Gemeinderat geäußerten Vorbehalte reduzierten sich in der jüngsten Sitzung auf ein Minimum. Nur UNL-Rat Anton Günthner-Biller gestand ein: „Ich hab da überhaupt so meine Probleme.“ 3. Bürgermeister Ernst Sporer-Fischbacher gab sich mit der Bürgmayrs Versicherung zufrieden, dass „die Module nicht strahlen“.

Löschtechnisch bestünden keine Bedenken, versicherte Simon Wieser. „Wenn alles vernünftig gemacht wird, kann ich mich anfreunden“, war die Reaktion des 3. Bürgermeisters.

Von Eberhard Rienth

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