Der Landgasthof in Bruckhof: Der Gemeinderat hat den Verkauf beschlossen. Foto: JRo

Gemeinde will nicht mehr Wirt sein

  • Michael Seeholzer
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Emmering - Nach zehn Jahren endet das Gastronomie-Experiment der Kommune Emmering - mit einem Verkauf.

Am Anfang herrschte Aufbruchstimmung: Eine eigene Wirtschaft in Gemeindehand. Dann aber kamen die Probleme, dann die Bedenken und jetzt kommt der Verkauf.

In der jüngsten Sitzung des Emmeringer Gemeinderates befassten sich die Ratsmitglieder mit der Veräußerung des Landgasthofes in Bruckhof. Etwa vor zehn Jahren hatte die Kommune das Wirtshaus gekauft zusammen mit einer Reihe von stillen Teilhabern, die aus der Bürgerschaft selbst kamen.

Der Kauf war unter den Gastwirten im Landkreis Ebersberg nicht ganz unumstritten. Einige ärgerten sich, dass hier sozusagen mit dem Geld des Steuerzahlers und mithilfe von freiwilligem ehrenamtlichen Engagement auf Vereinsebene den Wirten in der Umgebung Konkurrenz gemacht würde, die mit ihren Steuerzahlungen sozusagen den öffentlichen Mitbewerber am Ort erst möglich gemacht hätten. Weitaus die meisten allerdings konnten dem Konstrukt zwischen GmbH, Kommanditgesellschaft und „Volkseigentum“ einen Charme abgewinnen.

Die Geschichte verlief wechselhaft. Mal entpuppten sich die Pächter als Enttäuschung, mal wurde das Engagement als Hobbywirt den Mitgliedern der örtlichen Vereine zu viel. Immerhin hat der Landgasthof Bruckhof einen großen Saal, in dem zum Beispiel Bürgerversammlungen abgehalten werden können.

Auch die Schützen haben dort Domizil und Schießstand. „Das soll alles so erhalten bleiben“, gab Bürgermeister Max Maier in der Sitzung seinem Wunsch Ausdruck, dass sich mit dem Verkauf an den wesentlichen Punkten nichts ändern dürfe.

Als Käufer tritt der letzte Pächter auf, mit dem die Emmeringer dem Vernehmen nach recht zufrieden sind. „Der schaut von der Statur her schon aus wie ein richtiger Wirt“, so Maier. Hinzu kommt, dass der junge Familienvater selbst aus Emmering stammt und deshalb bei seinen Gästen bestens bekannt ist. „Er will für sich und seine Familie etwas aufbauen“, schildert Maier die Situation. Der Wirt habe argumentiert, dass er mit dem Betrag, den er jetzt für die Pacht aufwenden müsse, bereits einen monatlichen Beitrag zum Eigentumserwerb leisten könnte.

Der Gemeinderat war mehrheitlich der Ansicht, dass deswegen einem Verkauf zugestimmt werden könnte. Die Kommune gibt damit ihr eigenes Wirtedasein wieder auf. Allerdings sind vorher noch eine Reihe von rechtlichen Fragen zu klären. Beispielsweise müssen die stillen Teilhaber ihre Einlage wieder bekommen.

Maier setzt sich dabei für eine einvernehmliche Lösung ein. „Ich glaube nicht, dass es was zum Schimpfen geben wird“, sagt er. Natürlich müssen die Teilhaber vorher, in einer eigens einberufenen Versammlung, auch dem Verkauf zustimmen.

„Das wird noch ein ganz schönes Prozedere“, glaubt der Bürgermeister nicht daran, dass der Verkauf bereits in ein paar Wochen beim Notar verbrieft werden kann.

Michael Seeholzer

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